Entente Florale

Wiesenburg blüht um die Wette

Der brandenburgische Ort Wiesenburg (Potsdam-Mittelmark) misst sich derzeit mit acht Dörfern aus ganz Europa. Am Freitag fällt die Entscheidung im slowenischen Rogaska Slatina über den Sieger im Wettbewerb Entente Florale - umgangssprachlich übersetzt: Bündnis der Blumen. Ziel des Wettbewerbs ist es, Städte und Dörfer zu verschönern und durch Grün die Lebensqualität für die Bewohner zu verbessern.

Die Märker rechnen sich gute Chancen aus. "Wir freuen uns, wenn es klappt, können aber auch damit leben, ohne Medaille nach Hause zu fahren", sagt Bürgermeisterin Barbara Klembt (Linke). Wiesenburg wäre das erste Brandenburger Dorf mit diesem europäischen Preis. Die Landeshauptstadt Potsdam hat in der Kategorie Städte bereits 2005 Gold errungen. Für Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) wäre es nur verdient, wenn die Wiesenburger auch diesen Titel holen würden. Erst im vergangenen Jahr hatte das Dorf im Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" eine Goldmedaille errungen - als erstes in Brandenburg. Bei der Entente Florale gehe es nicht nur um Blümchen und Grünpflanzen, sagt der Minister. "Wichtig ist die Verbesserung des Klimas: vor allem im Zusammenleben der Menschen."

An der Entente Florale beteiligen sich europaweit im Jahr etwa 20 000 Dörfer und Gemeinden aus zwölf Ländern. Etwa zehn kommen in den beiden Kategorien dann in die Endrunde.

Bürgermeisterin Klembt berichtet, dass viele Menschen eine Chance sahen, dem Ort auf diese Weise mehr Bekanntheit zu verschaffen - und den Zusammenhalt zu verbessern. Rat holten sich die Wiesenburger bei einem bereits erfolgreichen Teilnehmer: Banzkow in Mecklenburg-Vorpommern hatte im Vorjahr Silber errungen.

Die Bewerbungsunterlagen waren relativ schnell ausgefüllt: Angaben zu Einwohnern, Vereinen und Gremien. "Dann wurde es ernst", sagt Klembt. "Was kann verbessert werden im Ort, wo gibt es Potenziale für Verschönerungen." Viele Initiativen starteten, die das Engagement der Wiesenburger für ihren Ort zeigten. Von vielen neuen Blumenkästen an den Häusern bis zum "grünen Klassenzimmer" an der Grundschule.

Herausforderung für viele im Ort war die Präsentation der Bewerbung in englischer Sprache. Sie selbst holte sich einen Profi als Unterstützung, gibt Klembt zu. Aber der Leiter der Feuerwehr beispielsweise und der Pfarrer berichteten in englischer Sprache vom ehrenamtlichen Engagement oder dem Zusammenleben.

Die Jury schaute sich im Ort um, ließ sich aber nicht in die Karten schauen, welche Entscheidung nun zu erwarten ist. "Wir haben gezeigt, wie wir hier leben, und keine Potemkinschen Dörfer aufgebaut", betont Klembt. Die Schönheiten seien gezeigt worden, aber auch Stellen, wo noch nicht alles picobello sei.

Über eine Anregung der Jury wird noch gerätselt. Der Goetheplatz im Ort solle eine individuellere Note bekommen, wird empfohlen. Auf dem Gutshofplatz steht heute ein kleiner Brunnen, früher war es ein dampfender Dunghaufen. Die Bürgermeisterin meint: "Der kommt aber nicht wieder dorthin."

Wiesenburg ist vor allem bekannt für sein Schloss, dessen Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückgeht. Der Bau weist stilistische Elemente der Renaissance und des Barock auf und erinnert in manchen Teilen noch an die Burg, als die er einst errichtet wurde. Ein privater Investor hat das Schloss 1996 gekauft und die Anlage saniert. Heute sind die Außenfassaden in der Gestaltung des ausgehenden 19. Jahrhunderts wiederhergestellt. Im Innern sind moderne Wohnungen entstanden. Das Schloss liegt inmitten eines weitläufigen Parks, der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt wurde, reich an ausländischen Gehölzen ist und zum Landschaftsschutzgebiet erklärt wurde.