Verkehrskonzept für Großflughafen BER

Eine Stunde ab Spandau

Möglichst die Hälfte der zunächst erwarteten 23 Millionen Passagiere im Jahr soll mit Bus und Bahn zum neuen Hauptstadtflughafen Willy Brandt (BER) fahren. Ein ambitioniertes Ziel, denn die aktuellen Berliner Airports in Tegel und Schönefeld sind laut Flughafensprecher Klaus Kunkel "weit von dieser Marke entfernt".

Damit es dennoch erreicht wird, haben die Flughafengesellschaft und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) bereits neun Monate vor der für den 3. Juni 2012 geplanten BER-Eröffnung eine Infokampagne gestartet, in der die gute Anbindung des Flughafens an das öffentliche Verkehrsnetz beworben wird. "Die Bequemlichkeit und der Preis werden konkurrenzlos günstig sein", so VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz.

Besonders hinsichtlich des Fahrpreises können die öffentliche Verkehrsmittel punkten. Denn anders als in vielen anderen Großstädten in der Welt wird es in Berlin keinen Sondertarif zum Airport geben. Es genügt ein normaler VBB-Fahrschein, der für Fahrten von der Innenstadt zum BER derzeit drei Euro kostet. In München, so Franz, müssten Passagiere für die Nutzung des Flughafenzubringers zehn Euro, in Paris 9,10 Euro, in New York umgerechnet 9,30 Euro und in London zwischen sechs und 20,50 Euro berappen. Lediglich Singapur unterbiete mit einem Fahrpreis von umgerechnet 1,40 Euro das "sehr attraktive Berliner Angebot". Doch Franz weiß auch: Ob dieses am Ende wie gewünscht angenommen wird, hängt nicht allein vom Preis ab. Und so werben VBB und Flughafengesellschaft auch mit der Vielfalt und der hohen Taktdichte der öffentlichen Verkehrsverbindungen zum neuen Flughafen. Die Berliner Morgenpost gibt einen Überblick.

Airport-Express

Kernstück des Angebots sind Direktverbindungen mit Regionalzügen, die vier Mal pro Stunde zwischen dem Berliner Hauptbahnhof und dem neu gebauten BER-Bahnhof verkehren werden. Alle 30 Minuten wird dabei der Airport-Express RE 9 durch den Nord-Süd-Tunnel nach Schönefeld fahren. Für die Strecke benötigen die Züge bei zwei Zwischenhalten in den Bahnhöfen Potsdamer Platz und Südkreuz rund 30 Minuten.

Ursprünglich hatten die Flughafenplaner mit einer Fahrzeit von nur 20 Minuten geworben. Doch diese schnelle Verbindung ist nur über die sogenannten Dresdner Bahn erreichbar. Für den nötigen Trassenneubau gibt es jedoch nach wie vor kein Baurecht. Hintergrund ist der noch immer nicht beendete Streit zwischen der Bahn und dem Land Berlin über die konkrete Ausführung. Vor allem die betroffenen Anwohner in Lichtenrade fordern zum Schutz vor Lärm eine Tunnellösung. Diese würde jedoch laut Bahn erhebliche Mehrkosten verursachen, die vom Bund als Geldgeber nicht übernommen würden. Bahn-intern rechnet man inzwischen nicht vor 2020 mit einer Inbetriebnahme der Dresdner Bahn. Bis dahin müssen die Züge den längeren Weg über die sogenannte Anhalter Bahn durch Lichterfelde nehmen. Insbesondere die nur eingleisige Verbindungskurve zum Außenring begrenzt die Kapazität dieser Strecke, sodass der RE 9 nur im Halbstundentakt und nicht wie gewünscht alle 20 Minuten fahren kann. Als Ausgleich bietet die Bahn nun zwei weitere Zugverbindungen pro Stunde über die Stadtbahn an. Mit dem RE 7 und der RB 14 sind aber auch Spandau und die westliche Innenstadt direkt mit dem Flughafen in Schönefeld verbunden. Allerdings fährt der RE 7 zur BER-Eröffnung erst ab Zoologischer Garten. Grund ist die Vollsperrung der Strecke Charlottenburg-Potsdam, auf der bis Ende 2012 Gleise und Brücken erneuert werden. In Charlottenburg halten einmal stündlich dann nur die Züge der RB 14, die laut Fahrplan 49 Minuten bis nach Schönefeld benötigen. Auch Potsdam wird mit der RB 22 eine Direktverbindung zum BER erhalten. Die Züge fahren stündlich über den Uni-Standort Golm und sollen in 42 Minuten in Schönefeld sein.

S-Bahn

Zweites Standbein im Schienenverkehr zum Willy-Brandt-Flughafen wird die S-Bahn sein. Zwei Linien, die jeweils im 20-Minuten-Takt bedient werden, wird es zum neuen Flughafenbahnhof geben: Aus dem Nordosten kommen die Berliner mit der S 9 ab Pankow über den Ostring nach Schönefeld, die S 45 verbindet den Berliner Südwesten über den Südring mit dem neuen Hauptstadtflughafen. Die Strecke führt über den bisherigen Endhaltebahnhof Berlin-Schönefeld eine knapp acht Kilometer lange Schleife direkt in den Terminalbahnhof. In Waßmannsdorf ist ein neuer Haltepunkt entstanden.

Bus und U-Bahn

Unabhängig von der Schiene gibt es zudem zahlreiche Busverbindungen, die direkt zum BER führen. Besonders attraktiv für Berliner sind zwei Expressbuslinien der BVG: Der X 11 fährt alle zehn Minuten von Dahlem über Lichterfelde-West und Rudow bis vor das Flughafenterminal. Der X 7 pendelt ebenfalls im Zehn-Minuten-Takt zwischen dem U-Bahnhof Rudow und dem BER. Laut VBB haben dadurch die Fluggäste alle fünf Minuten einen Anschluss an das Berliner U-Bahn-Netz. Die sollen übrigens bereits an den Gepäckbändern in der Ankunftshalle Echtzeitinformationen über die Abfahrtszeiten von Bussen und Bahnen erhalten.

Fernverkehr

Lange Zeit ließ die Deutsche Bahn offen, ob sie auch Fernzüge bis in den voll ICE-tauglichen Flughafenbahnhof fahren lassen wird. Zur Airport-Eröffnung sind nun immerhin sechs Verbindungen in den Verkehrsspitzen geplant. Darunter auch zwei ICEs. Direkte Fernverkehrszüge verbinden den Airport mit Hamburg, Münster, Hannover, dem Großraum Rhein-Ruhr, dem Flughafen Amsterdam und Krakau.

Taxi

Offen sind noch die Regelungen für Taxifahrten zwischen Berlin und dem Flughafen. Seit Monaten laufen Verhandlungen zwischen Taxiverbänden, dem Land Berlin und dem Landkreis Dahme-Spreewald. Das Problem: Am alten Flughafen Schönefeld dürfen Berliner Taxifahrer nur aufgrund einer Sondervereinbarung Fahrgäste aufnehmen. Für Taxinutzer gelten zudem zwei unterschiedliche Tarife. Wer mit einem Taxi mit Berliner Kennzeichen beispielsweise zum Alexanderplatz fährt, zahlt etwa 36 Euro, im Taxi mit LDS-Kennzeichen etwa drei Euro mehr. Dafür dürfen die brandenburgischen Fahrer in Berlin bislang keine neuen Fahrgäste aufnehmen. Bis zur Eröffnung des BER sollen die Tarife vereinheitlicht werden. Strittig neben den Tarifen ist auch das zahlenmäßige Verhältnis, in dem Berliner und LDS-Taxis am Terminal vorfahren sollen.