Verzögerungen

Deutsche Bahn verlegte Schienen über ein Moor

Der Ärger für die Bahnkunden in Berlin und Brandenburg endet nicht. Nach den zahlreichen Zugverspätungen zwischen Potsdam und Charlottenburg zu Wochenbeginn gibt es nun auch noch Probleme auf der Strecke zwischen Berlin und Cottbus.

Die Bahnstrecke war erst am vergangenen Sonnabend nach 16 Monaten Bauzeit wieder für den durchgehenden Zugverkehr freigegeben worden. Doch nun musste die Bahn an der für 130 Millionen Euro frisch sanierten Gleisverbindung gleich wieder eine sogenannte Langsamfahrstelle einrichten. Statt mit bis zu 160 Kilometern pro Stunden dürfen die Züge dort nur noch mit maximal 70 km/h fahren. Bei Messfahrten hatten Spezialisten zuvor festgestellt, dass auf einem etwa 200 Meter langen Abschnitt nahe Bestensee (Dahme-Spreewald) die Gleise nicht stabil genug auf dem Schotterbett liegen. Aus "Sicherheitsgründen", so ein Bahnsprecher, sei daher die zulässige Höchstgeschwindigkeit in diesem Bereich verringert worden. Die Fahrgäste würden dies aber nicht zu spüren bekommen. Die Zeitverzögerung sei gering, so dass der Fahrplan trotzdem eingehalten werden könne, sagte der Bahnsprecher.

Grund für das unfreiwillige Tempolimit sei der morastige Untergrund in diesem Gebiet, so der Sprecher. Die bis in 60 Meter Tiefe reichende "Moorlinse" sei zwar schon vor den Bauarbeiten bekannt gewesen. Doch erst nach sogenannten Belastungsfahrten mit schwerbeladenen Schotterzügen hätten sich die neu verlegten Gleise in diesem Bereich etwas abgesenkt. "Von Gleisverwerfungen kann aber nicht Rede sein", betonte der Bahnsprecher.

Zunächst wollen die Experten abwarten, ob es noch weitere Bodenbewegungen gibt. Falls erforderlich, soll Mitte Oktober mithilfe einer Gleisbaumaschine das Schotterbett "nachgestopft" - also neu verdichtet - werden. Eine entsprechende Auflage habe das Eisenbahn-Bundesamt erteilt, bestätigte der Bahnsprecher. Ab Ende Oktober könnten die Züge dann auch in diesem Bereich mit den sonst auf der Strecke üblichen 120 Kilometern pro Stunde fahren, ab Mitte Dezember mit den eigentlich für die Zeit nach der Streckensanierung geplanten 160 km/h, verspricht die Bahn. Mit dem dann folgenden Fahrplanwechsel soll sich die Fahrzeit zwischen Berlin-Ostbahnhof und Cottbus auf 68 Minuten reduzieren. Aktuell benötigen die Züge rund 20 Minuten mehr.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb kritisierte die neuerliche Panne im regionalen Bahnverkehr. "Wenn die Moorstelle bereits bekannt war, dann hätte die Deutsche Bahn dies ihren Kunden auch vorher sagen können. Jetzt hat man wieder den Eindruck, dass die Bahn nicht offen mit ihren Problemen umgeht", sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Zu befürchten sei zudem, dass für Reparaturen und Ausbesserungen nun erneut Streckensperrungen und zeitraubende Zug-Umleitungen erforderlich seien.

Dieses Szenario will die Bahn allerdings vermeiden. "Wenn Stopf-Arbeiten notwendig werden, wollen wir diese möglichst außerhalb der Betriebszeiten, also in der Nacht, ausführen lassen", so der Unternehmenssprecher. Betroffen von möglichen Einschränkungen könnten täglich bis zu zehntausend Fahrgäste sein, die mit Zügen der Regionalexpresslinie RE 2 (Rathenow-Berlin-Cottbus), der Regionallinie RB 14 (Nauen-Berlin-Schönefeld-Senftenberg) und mit Fernzügen von Hamburg nach Krakow unterwegs sind.

Die Sanierung der Bahnstrecke Berlin-Cottbus stand bislang ohnehin unter keinem guten Stern. Zunächst Diebe, die in Größenordnung Kabel und andere Metallteile im Wert von 800 000 Euro stahlen, dann Probleme mit der Stellwerkselektronik sorgten dafür, dass die Freigabe des baubedingt gesperrten Abschnitts zwischen Königs Wusterhausen und Lübbenau mehrfach verschoben werden musste. Zunächst für Mai geplant, erfolgte sie schließlich am vergangenen Wochenende mit rund vier Monaten Verspätung.

Angesichts dieser Erfahrungen fordert der Fahrgastverband Igeb, Bauprojekte dieses Umfangs besser vorzubereiten. Mögliche Ursache für die Probleme mit der Moorstelle könnte die geringe Zeit für die Planung der Arbeiten gewesen sein. Die Bahn hatte die Sanierung der Strecke zwischen Königs Wusterhausen zunächst zurückgestellt, dann jedoch kurzfristig in Angriff genommen, nachdem die Bundesregierung Mittel aus dem Konjunkturprogramm bereitstellte.