Museen

Sägezähne und Indianer-Relikte

Die kleine eierschalenfarbene Damen-Handtasche wirkt unscheinbar und abgenutzt. Doch die mit Blumen plakativ verzierte Kreation aus dünnem bemaltem Blech soll einst der britischen Prinzessin Margaret gehört haben, inzwischen verstorbene Schwester der englischen Queen. "Auf alten Fotos hat sie die Tasche dabei", beschwört Besitzer Gerhard Thieme die Echtheit des Relikts.

Ersteigert hat er die Tasche angeblich adeliger Herkunft Anfang der 70er-Jahre bei einem Karibik-Urlaub auf Barbados. "Prinzessin Margaret hatte dort ein Ferienhäuschen, sämtliches Inventar wurde damals gerade versteigert", erzählt Thieme die Geschichte des ungewöhnlichen Souvenirs. Seine Reise-Mitbringsel füllen inzwischen eine ganze Halle.

Auf rund 800 Quadratmetern hat Thieme zusammengetragen, was er in den vergangenen Jahrzehnten aus allen Erdteilen und mindestens 110 Ländern so mitgebracht hat. "Globetrotter", zu Deutsch "Weltenbummler" nennt sich passenderweise sein außergewöhnliches Museum, das der 76-Jährige vor fünf Jahren in einer ehemaligen Bettfedernfabrik des Oderbruch-Dörfchens Neutrebbin eingerichtet hat. Besucher können mit Thieme in Erinnerungen schwelgen, ein bisschen von fernen Ländern träumen und vor allem - mit dem Weltenbummler ins Gespräch kommen. Sicher auch darüber, wie er als berufstätiger Mensch und Familienvater soviel Zeit fand, mehrfach bis ans Ende der Welt zu reisen und sämtlichen Kontinenten einen Besuch abzustatten. 1957 der Liebe wegen nach Köln gezogen, verdiente der gebürtige Seelower als Handelsvertreter für Luxus-Lederwaren gutes Geld. "Hauptsaison dafür war nicht das ganze Jahr über, also blieben mir drei, vier Monate Freizeit." Ein paar Wochen machte er mit der Familie Urlaub, den Rest der Zeit nutzte er, um fremde Länder und Kulturen kennenzulernen.

Dafür ließ Thieme sogar einen sehr gut bezahlten Job bei einem namhaften Sporthersteller sausen, erzählt er. "Ich hätte zwar gut verdient, aber kaum Freizeit gehabt", sagt der Handelsvertreter, der daher lieber selbstständig blieb. "Das Reisefieber habe ich wohl von meiner Mutter geerbt", sagt Thieme, der sich stets preiswerte Unterkünfte suchte und die meiste Zeit unter Einheimischen verbrachte. Nach Deutschland zurückgekehrt, zehrte er stets noch wochenlang anhand der Mitbringsel von den Erlebnissen auf seinen Abenteuerreisen. Danach mussten geschnitzte afrikanische Masken, bunte Jetons aus dem amerikanischen Spielerparadies Las Vegas, chinesische Uniformen, oder auch der südamerikanische Wandteppich aus Alpaka-Fell auf Weisung seiner Frau in Koffern und Kisten im Keller verschwinden. Inzwischen hat er seine Souvenirs wieder ans Tageslicht geholt.

Verkauft werden in Thiemes "Globetrotter"-Museum für den Eintrittspreis von drei Euro allerdings nur Fernweh und Erinnerungen, obwohl dem Reise-Sammler für die eine oder andere exotische Rarität bereits eine Menge Geld geboten wurde. So auch für einen versteinerten Fisch aus Brasilien, der offenbar einige Millionen Jahre alt ist.

Das Museum in der Neutrebbiner Bahnhofstraße 37 hat immer mittwochs zwischen 11 und 19 Uhr geöffnet. In Ermangelung einer funktionierenden Heizung für das ehemalige Fabrikgebäude hat der "Globetrotter" nur von Mai bis Oktober geöffnet. Tel. 03346/84 32 54.