Bauvorhaben

Rückschlag für Marina-Projekt in Potsdam

Die Widerstände gegen den von dem Berliner Schmuck- und Uhrenhändler Michael Linckersdorff geplanten Wiederaufbau der Königlichen Matrosenstation Kongnaes am Ufer des Jungfernsees vergrößern sich. Zunächst klagten Anlieger dagegen, mittlerweile hat sich auch die Deutsche Unesco-Kommission eingeschaltet.

In einem Brief an Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) bittet der Kommissions-Präsident und frühere märkische FDP-Wirtschaftsminister Walter Hirche alarmiert um "Informationen zu offenbar geplanten Bebauungen im sensiblen Bereich des Weltkulturerbes am Ufer des Jungfernsees". Am Mittwochabend haben daraufhin Potsdams Stadtverordnete überraschend beschlossen, dass für die Schwanenallee nahe der Glienicker Brücke ein Bebauungsplan aufzustellen ist. Die Entscheidung fiel mit einer hauchdünnen Mehrheit von 18 zu 17 Stimmen.

Anwalt: "Riesige Kneipe"

Damit erlitt das Projekt des Berliner Investors Michael Linckersdorff einen deutlichen Rückschlag. Der Berliner Verwaltungsrechtler und Anwalt der Projektgegner, Reiner Geulen, sprach von einem großen Erfolg. "Der zu erstellende Bebauungsplan durchkreuzt den Plan von Oberbürgermeister Jann Jakobs und seinem Baubeigeordneten Matthias Klipp, Linckersdorff möglichst schnell einen Baugenehmigung zu erteilen", sagte Geulen der Berliner Morgenpost. "Jetzt wird sich auch zeigen, was Linckersdorff dort plant, nämlich einen wilhelminischen Rummelplatz", sagte Geulen. Es sei nichts gegen einen Wiederaufbau der historischen Ventehalle einzuwenden, wohl aber gegen eine "riesige Kneipe".

Einer solchen Interpretation seiner Pläne widerspricht Michael Linckersdorff. Er sagt, er werde die ehemalige kaiserliche Empfangshalle nach historischem Vorbild entsprechend denkmalgerecht wieder aufbauen. Zudem würde er die erhaltenen Bauten der einstigen Matrosenstation - das Kapitänshaus, die Matrosenkaserne und das Bootshaus - sanieren und restaurieren und wieder zu Wohnungen ausbauen.

Der Unternehmer hatte das Areal im Jahr 2009 für rund eine Million Euro erworben. Ein begrüßenswertes Engagement in der brandenburgischen Hauptstadt, in der nun auch die Garnisonkirche wieder aufgebaut werden soll, sagen die einen. Einige direkte Nachbarn und andere Gegner befürchten hingegen erhebliche "Beeinträchtigungen der Kulturlandschaft" am Jungfernsee durch "unproportionale Baulichkeiten an Land oder großdimensionierte Steganlagen", wie auch Unesco-Kommission-Präsident Hirche es in seinem Brief formuliert. Das Schreiben liegt der Morgenpost vor.

Was vor allem auf Ablehnung stößt: Neben der Ventehalle soll an einem 32 Meter langen Steg die historische Miniaturfregatte "Royal Louise" wieder anlegen. Sie hatte seit 1843 dort ihren Heimathafen. Am hufeisenförmigen Steg sind 30 Liegeplätze für historische Boote geplant. Vor allem die vorgesehene Ausflugsstätte mit rund 60 Innen- und 32 Veranda-Plätzen sowie 30 Plätzen auf den Bastionen links und rechts sowie ein Küchenanbau sorgen für Proteste. Die Anlieger in der noblen Berliner Vorstadt fürchten nicht nur um den Erhalt des Kulturerbes, sondern wohl auch um ihre Ruhe.

Der Investor hatte bereits eine Bau-Erlaubnis. Das Verwaltungsgericht stellte im Januar aber fest, dass die von der Stadt im Sommer erteilte Genehmigung für die Gaststätte einer Blankovollmacht gleichkomme. Daraufhin zog die Stadt die Genehmigung zurück.

Linckersdorff reichte inzwischen fünf neue Bauanträge ein. Und rechnete bislang mit der Genehmigung noch in diesem Herbst. Er sagte am Donnerstag: "Es gibt überhaupt keine Veranlassung, aufzugeben." Die Vorwürfe seien rein interessengeleitet und die Befürchtung, er gefährde mit seinem Vorhaben das Weltkulturerbe sei absurd. "Im Gegenteil", sagte Linckersdorff. "Mein Projekt vervollständigt das Weltkulturerbe." Linckersdorffs Anwalt, der Potsdamer Verwaltungsrechtler Matthias Dombert, gibt sich gelassen. "Der Bebauungsplan kann das Vorhaben allenfalls unterstützen, darf es aber nicht torpedieren, was ich von der Stadtverordnetenversammlung auch nicht erwarte."

Dombert sagte weiter, er gehe davon aus, "dass der Oberbürgermeister so etwas beanstanden würde". Denn der Aufbau der Kaiserlichen Matrosenstation entspreche durchaus dem Interesse der Landeshauptstadt. Kongnaes, im norwegischen Drachenstil Ende des 19. Jahrhundertes errichtet, wurde im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört.

In einem Schreiben an die Potsdamer Bauaufsicht hatte der Anwalt der Gegner, Reiner Geulen, am 29. August deutlich gemacht, eine Erteilung von Baugenehmigungen nicht hinnehmen zu wollen. "Die von uns vertretenen Anwohner werden umgehend einen Baustopp vor dem Verwaltungsgericht beantragen, falls die Vorhaben von Herrn Linckersdorff genehmigt werden", heißt es in dem Schreiben. Der Wiederaufbau der Ventehalle sei unzulässig und verstoße gegen das planungsrechtliche Verunstaltungsverbot, fehlende Aussagen zu An- und Abfahrtswegen der zu erwartenden Gäste sowie ein nicht verwertbares Lärmgutachten.

Gegner sehen Kulturerbe bedroht

Inzwischen hat sich auch die Potsdamer CDU-Kreischefin Katherina Reiche in einem Brief an Unsesco-Kommissionspräsident Walter Hirche gewandt. "Da, was die Potsdamer Öffentlichkeit erreicht, widerspricht ganz deutlich dem Ziel, Potsdams Welterbe-Status zu erhalten und die Kulturlandschaft zu schätzen", so Reiche. Sie ist Mitglied des parlamentarischen Gesprächskreises "Unesco-Welterbestätten" der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.Die Auswirkungen des Bebauungsplan-Aufstellungsbeschlusses sind noch unklar. Laut Stadtverwaltung kann ein Bebauungsplan Baugenehmigungen nur verhindern, wenn diese in Widerspruch zu den B-Plan-Zielen stehen. Die Sprecherin der Stadtverwaltung, Regina Thielemann sagte: "Die Verwaltung prüft die Rechtmäßigkeit des Beschlusses".

Anfang der Woche hieß es in einer Pressemitteilung der Stadt, die Stadt habe die Sanierung der denkmalgeschützten Matrosenstation und die Wiedererrichtung der Ventehalle und des benachbarten Hafens im Uferbereich durch den Grundstücksverkauf initiiert. Es würden nur Genehmigungen erteilt, die auch die denkmalrechtliche Erlaubnis beinhalten. Und: Der Bitte des Präsidenten der Deutschen Unesco-Kommission um Informationen zu dem Projekt werde die Stadt gerne umfassend nachkommen. Spekulationen Dritter, die Wiederherstellung des Ensembles könne den Status der Welterbestätte negativ beeinflussen, seien "völlig abwegig".