Zoounglück

"Ein schrecklicher Fehler"

Nach ein paar Minuten war alles vorbei. Bei Dienstbeginn betätigte ein Tierpfleger des Berliner Zoos am Donnerstagvormittag den falschen Schieber - und ließ den Löwen Paule zu den am 11. März geborenen Jungtieren Bomani und Iringa ins Freigehege.

Der ausgewachsene Löwe biss den Nachwuchs sofort tot. Als die Zoomitarbeiter den Vorfall bemerkten, versuchten sie vergeblich, die Tiere auseinanderzutreiben. Menschliches Versagen kostete die fünf Monate alten Tiere das Leben. "Ein schrecklicher Fehler, der nicht hätte passieren dürfen", sagte Raubtierkurator Heiner Klös. Aber: "Wir arbeiten hier mit Menschen und Tieren. Beide machen Fehler." Der Zoo beherbergt insgesamt 14 000 Tiere, mehr als 230 Mitarbeiter kümmern sich um sie.

Der Schock saß tief, selbst den "Tieren stand das Ereignis ins Gesicht geschrieben", sagte der Raubtierkurator. Dabei sei das Verhalten des 13 Jahre alten Löwen erwartbar gewesen: Er habe Löwenweibchen Aketi als potenzielle Trägerin seiner Gene identifiziert und die Jungtiere eines Kontrahenten getötet. "In der Wildnis ist dieses Verhalten ganz normal, nur im Zoo eben nicht", sagt Klös.

Der verantwortliche Tierpfleger stand nach dem Ereignis unter Schock. Er wird erst am Montag seinen Dienst wieder aufnehmen. "So ein Erlebnis wünscht man keinem", sagt Raubtierkurator Klös. Eine Konsequenz aus dem Vorfall: Die Sicherheitsvorkehrungen werden überprüft.

Nach ihrer Geburt wurden die Jungtiere Bomani und Iringa von den Tierpflegern per Hand aufgezogen und erst vor wenigen Tagen wieder in die Familie integriert. Mutter Aketi hatte sich nicht um den Nachwuchs gekümmert und ihm nur wenig Milch gegeben. Nach dem Tod trauerten die Eltern aber nicht um ihre Kinder: "Der Vater akzeptiert die Kinder, aber er sucht nicht danach", sagte der Raubtierkurator.

Nach Eisbär Knut, den Elefantenschwestern Ko Raya und Shaina Pali hat der Zoo in diesem Jahr zwei weitere Publikumslieblinge verloren. Die Popularität der Löwenbabys sei mit dem Rummel um Knut zwar nicht vergleichbar, aber "so schnell wird es bei uns keine Löwenbabys mehr geben".