Arbeitsmarkt

Polnische Auszubildende lernen in Brandenburg

Sara Galeziowski hat genaue Vorstellungen von ihrer Zukunft. "Ich will in Deutschland leben. Mir macht Büroarbeit Spaß, die habe ich für meinen Vater schon als Kind erledigt", sagt die Dunkelhaarige in einer Mischung aus deutschen und polnischen Vokabeln.

Sie ist das einzige Mädchen unter 16 jungen Polen im Alter zwischen 16 und 23 Jahren, die in einem dreiwöchigen Crash-Kurs im Bildungszentrum der Frankfurter Handwerkskammer Deutsch lernen.

Denn die Sprache ist das Haupthindernis für Polen, in Deutschland Arbeit zu finden. Auch bei Sara hapert es noch mit dem Sprechen. Die 16-Jährige, deren Familie seit vier Jahren in Frankfurt lebt, hat aber Glück gehabt. "Sara hat bei uns ein Praktikum gemacht und sich gut angestellt, so dass unser Hauptgeschäftsführer entschied, sie zur Bürokauffrau auszubilden", sagt Michaela Schmidt, Leiterin der Abteilung Berufsbildung bei der Handwerkskammer.

Sara gehört zu jenen zwölf polnischen Jugendlichen aus dem Deutschkurs, die bereits einen Lehrvertrag bei einer deutschen Firma in der Tasche haben. "Für die anderen vier suchen wir noch und sind optimistisch, sie gut unterbringen zu können", erzählt Schmidt, wohl wissend, dass Handwerksunternehmen händeringend geeignete Lehrlinge suchen. 252 Ausbildungsplätze sind im Kammerbezirk aktuell unbesetzt, tagtäglich melden Betriebe weitere freie Lehrstellen. Besonders prekär sei die Nachwuchslage im Elektro- sowie im Metallbaubereich, in der Kfz- und der Nahrungsmittelbranche.

Gute Erfahrungen gemacht

So ging es auch Bauunternehmer Ronny Keßler aus dem uckermärkischen Hohengüstow. "Wir hatten drei potenziellen Lehrlingen Ausbildungsverträge angeboten - die bekamen wir jedoch nie unterschrieben zurück", erzählt der Firmenchef. Mit Hilfe der Handwerkskammer hat er Ersatz gefunden: Statt der deutschen werden nun drei polnische Jugendliche in seinem Betrieb anfangen. Keßler hat seit Jahren gute Erfahrungen mit Personal aus dem östlichen Nachbarland - 13 seiner 47 Mitarbeiter sind Polen. "Von allein kamen die aber auch nicht - wir haben gezielt geworben mit Annoncen im polnischen Radio, auf Jobbörsen, bei polnischen Arbeitsämtern", stellt er klar.

Diese mühselige Suche haben inzwischen auch Berufsbildungs-Chefin Schmidt und ihre zwei aus Osteuropa stammenden Kolleginnen hinter sich.

Seit Jahresbeginn war Alexsandra Ziomko, Referentin für nationale und internationale Fachkräftesicherung der Handwerkskammer, in 22 Schulen im polnischen Grenzgebiet unterwegs. Etwa 3000 Jugendliche hat sie über Möglichkeiten und Voraussetzungen einer Handwerkerausbildung in Deutschland informiert. Grundkenntnisse der deutschen Sprache waren Voraussetzung, anschließend wurden für die 16 "auserwählten", angehenden Lehrlinge aus Polen Ausbildungsbetriebe gesucht. "Einen 17. jungen Mann haben wir aufgrund seiner guten Sprachkenntnisse gleich als Lehrling der Kfz-Mechatronik vermittelt", sagt Schmidt und spricht von einem Glücksfall.

Auch im nächsten Jahr will sie wieder auf Azubisuche östlich der Oder gehen, wenn auch mit weniger Aufwand. "Lehrlinge und Betriebe zusammenzuführen, hat viel Kraft gekostet. Das muss effektiver gehen", sagt die Berufsbildungschefin der Frankfurter Handwerkskammer, deren Angaben nach gerade an einem Internetauftritt auf Polnisch gearbeitet wird.