Michael Kessler

Floßfahrt als Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Eine Kreuzfahrt hatte er versprochen bekommen. Da hat er natürlich sofort Ja gesagt und schon den Kleiderschrank nach angemessener Garderobe für das Captain's Dinner durchsucht. Bekommen hat Comedian und Schauspieler Michael Kessler freilich wenig mehr als ein 17 Quadratmeter großes Floß, das er mit einem 5-PS-Außenborder zwei Wochen lang über die Havel schipperte - Jackpot, sozusagen.

Das ist die Ausgangssituation für die dritte Staffel von "Kesslers Expedition", auf die ihn der RBB in diesem Sommer geschickt hat. Im vergangenen Jahr ist er schon mit einem Kajak, den er "Kenterprise" taufte, die Spree entlang gepaddelt und in diesem Frühjahr mit einem Esel, der mal mehr, mal weniger zuverlässig auf den Namen Elias hörte, durch die Uckermark gewandert. Und jetzt also das Floß auf der Havel. Zwei Wochen lang ist er für den Dreh den Fluss im Schritttempo entlang getuckert, 309 Kilometer, von Priepert über Potsdam bis Havelberg.

Was diese Floß-Kreuzfahrt mit allen Staffeln gemein hat: Kessler kommt entlang des Weges mit Menschen ins Gespräch. Wer das sein wird oder worum es in dem Gespräch gehen wird - das weiß er vorher nicht. Das liegt ihm, dem schlagfertigen 44-Jährigen, das hat er auch schon für den RBB in der "Nachttaxe" unter Beweis gestellt. "Die Kunst ist es, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, mit einem direkten, geerdeten und ganz normalen Ton - und wirklich zuzuhören", sagte Kessler der Berliner Morgenpost. Die Begegnungen auf der Havel kommen oft unspektakulär daher - Kessler trifft Camper, Rentner und einen Fischerei-Lehrling. Schnelle Schnitte, spektakuläre Kamerafahrten - Fehlanzeige. Großes Kino, so könnte man glauben, sieht anders aus.

Doch genau in der authentischen Einfachheit, glaubt Kessler, liegt der Reiz der Sendung. "Wir machen eine Mischung aus Unterhaltung, Dokumentation und Reportage." Nichts ist gestellt, keine Kameras werden versteckt - die Situationen werden gefilmt, wie sie sind. Und vor allem: Niemand wird vorgeführt. Das ist Kessler wichtig. Nicht nur, weil ihm das Medium Fernsehen am Herzen liegt, dem er schon so vortrefflich in "Switch" den Spiegel vorhält, wo er RTL-Anchorman Peter Kloeppel oder Koch Horst Lichter durch den Kakao zieht. Sondern es ist ihm vor allem wegen der Menschen wichtig. Denn, so erzählt Kessler, es gehe ihm auch darum, "mehr Vertrauen zu schaffen zwischen den Menschen und dem Medium Fernsehen".

Hört sich schwierig an, funktioniert aber so: Wenn Kessler mit seinem "Hallo, ich bin Michael, wer bist Du?" ein Gespräch anfängt, kann es durchaus sein, dass er danach auch Geschichten von Krankheiten und Todesfällen erzählt bekommt. Er hört dann einfach zu, das kann er ebenso gut wie aus dem Stegreif reden. Dass eine Kamera dabei ist, scheint sein Gegenüber nicht zu stören. "Die Menschen könnten ja sagen: 'Was machen Sie da? Das wollen wir nicht.' Aber das tun sie nie."

Vielleicht liegt es auch an seinen positiven Erfahrungen aus dieser und den vorangegangenen Expeditionen, dass der Wahl-Kölner Land und Leute außerhalb von Berlin nicht nur kennen, sondern auch schätzen gelernt hat. "Die Brandenburger sind alles andere als nur motzig und frustriert. Sie waren sehr kommunikativ und hatten viel Humor." Kessler gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er vom Leben entlang der Havel spricht. Die unkomplizierte Lebensweise der Menschen dort hat ihm offenbar imponiert. "Das hat mich als komplizierten Städter sehr beeindruckt zu sehen, dass man alles auch einfach ruhiger sehen kann."

Während er in der "Nachttaxe" noch das pralle Berliner Nachtleben als Setting für seine Gespräche hatte, hat er bei seinen Expeditionen in Brandenburg Natur und Ruhe um sich herum. Doch siehe da: Kessler hat Spaß daran. "Mir ist die Kraft der Natur wieder bewusst geworden. Und die positive Heimatverbundenheit der Menschen."

In Köln am Rhein, wo Kessler lebt, hat er Freunden von seinen Erlebnissen an der beschaulichen Havel erzählt, geradezu geschwärmt. Die haben ihn dann schräg angeguckt. Irritiert hat Kessler das nicht, im Gegenteil. Die Floßfahrt könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft gewesen sein. Würde Kessler sonst so etwas sagen wie: "Einen Lebensabend an der Havel - das kann ich mir auch vorstellen"? Vielleicht ist es aber auch die Freude darüber, dass der Dreh erfolgreich war. Denn natürlich sei bei der Expedition auch immer ein gewisser Druck da: Reicht das Material, ist es gut? Diese Sorgen waren freilich unbegründet: Die Havel und die Brandenburger haben Kessler nicht hängen lassen, im Gegenteil. Das Material ist gut geworden. Und so gibt es statt der üblichen vier Folgen für die Havel-Expedition sogar fünf. Wenn das kein Kompliment ist.

"Einen Lebensabend an der Havel - das kann ich mir auch vorstellen"

Michael Kessler, Comedian und Schauspieler