Tragödie

Mädchen bei lebendigem Leib verbrannt

Die beiden am Freitag in einem Autowrack bei Nauen (Havelland) entdeckten Mädchen sind bei lebendigem Leib verbrannt. Das hat die Obduktion der Kinderleichen ergeben. "Die in dem Auto verbrannten Kinder haben nach ersten Ergebnissen der Gerichtsmediziner beim Brandausbruch noch gelebt", sagte Polizeisprecherin Anja Resmer am Montag.

Noch sei nicht hundertprozentig sicher, ob es sich um die in verschiedenen Medien genannten Mädchen Line Sofie und Marlene Marie handelt, betonte die Sprecherin. Gewissheit darüber sollen in den nächsten Tagen die Vergleiche des Zahnstatus der Kinder sowie ein DNA-Abgleich ergeben. Weitere Erkenntnisse werden durch die noch durchzuführenden toxikologischen Untersuchungen erwartet, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Potsdam zudem mit. So soll unter anderem geklärt werden, ob die Kinder möglicherweise vor dem Brand schliefen, betäubt waren oder vergiftet wurden.

Antworten darauf könnte eine erste Befragung des 40 Jahre alten Peter Thue R. ergeben. Der Vater der Mädchen wird mit schweren Brandwunden im Unfallkrankenhaus Marzahn behandelt und wurde am Montagnachmittag im Beisein eines Dolmetschers erstmals von den Ermittlern befragt. Angaben zu der Vernehmung, die nach Auskunft der Polizei im Rahmen eines Todesermittlungsverfahrens geführt wurden, konnten die Ermittlungsbehörden nicht machen. Die Befragung werde sich wegen einer Verzögerung möglicherweise bis in die Abendstunden hinziehen, sofern der Gesundheitszustand des verletzten Mannes dies zulasse. Über erste Ergebnisse werde frühestens am Dienstag informiert, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ralf Roggenbuck.

Am Sonntag war R. noch erneut operiert worden und danach aus dem künstlichen Koma erwacht. Im Laufe dieser Woche seien nach Angaben der Klinik Hauttransplantationen vorgesehen. Voraussichtlich wird der Verletzte bis Ende kommender Woche zur Behandlung in der Klinik bleiben.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost sind die Eltern des 40-jährigen Landwirts von der dänischen Insel Seeland nach Berlin gereist, um ihren Sohn zu besuchen.

Großvater erkannte das Autowrack

Während die brandenburgischen Ermittlungsbehörden extrem vorsichtig erste Erkenntnisse verbreiten, sind die dänischen Behörden wesentlich offener. Bereits am Freitag stand für die Polizei in Nordjütland zu 99 Prozent sicher fest, dass die toten Kinder die neun Jahre alte Line Sofie R. und deren ein Jahr ältere Schwester Marlene Marie aus Öster Hurup sein müssen. Hintergrund: Der Großvater der Mädchen, Ole R., hatte bereits am Freitagvormittag im Internet Bilder des im Wald bei Börnicke ausgebrannten Autos gesehen und den Suzuki als das Fahrzeug seines Sohnes identifiziert. Daraufhin hatte sich Ole R. umgehend bei der für Nordjütland zuständigen Polizeiinspektion in Aalborg gemeldet und seine Beobachtung vorgetragen.

Noch am gleichen Tag suchten Kriminalbeamte die Mutter der Mädchen auf, um ihr den Tod der Kinder mitzuteilen. Christina R. hatte sich vor einem Jahr von ihrem Mann scheiden lassen. Danach hatte sie sehr schnell ihren neuen Partner geheiratet und lebt bei dem Mann mit Familiennamen Olsen in einem Nachbardorf von Öster Hurup.

Auf Bitten der Potsdamer Behörden hatte die dänische Polizei das Haus von Peter Thue R. nach Hinweisen für das plötzliche Verschwinden des 40-Jährigen durchsucht, etwa Papiere oder Aufzeichnungen. Es wurden jedoch keinerlei verwertbare Hinweise gefunden, auch kein Abschiedsbrief. Allerdings geht die dänische Kripo von einer Familientragödie aus, die in einem Tötungsdelikt eskaliert sein könnte. Hintergrund könnte ein Streit um das Sorgerecht für die Mädchen sein. Am Sonntag hatte bereits ein Gedenkgottesdienst für Line Sofie und Marlene Marie an der Havbakken-Schule in Hadsund stattgefunden, an dem 150 Schüler, Eltern, Lehrer und Schulbedienstete teilnahmen. Wie berichtet, waren die beiden Kinder Freitagfrüh auf einem Forstweg bei Börnicke tot in dem vollständig ausgebrannten Wagen ihres Vaters entdeckt worden. Offiziell wird noch die Brandursache ermittelt und ein technischer Defekt am Fahrzeug nicht ausgeschlossen. Die Ermittler des Kriminalkommissariats "Schwere Kriminalität" des Schutzbereichs Ostprignitz-Ruppin müssen vor allem klären, ob und auf welche Art und Weise das Auto angezündet wurde.

Die bis zur Unkenntlichkeiten verbrannten Mädchen hatten auf der Rückbank des viertürigen Suzuki "Swift" gesessen und waren den Untersuchungsergebnissen zufolge angeschnallt. Der verletzte und verwirrt wirkende Peter Thue R. hatte Polizeibeamten Freitagmorgen noch den Weg zu dem Autowrack gewiesen, bevor er in die Unfallklinik geflogen wurde. Einem Lkw-Fahrer war der Mann gegen 4 Uhr aufgefallen, als er zwischen der B 237 nahe der Autobahnabfahrt Kremmen an der A 24 umherirrte.