Bootsverkehr

Wassertouristen ohne Führerschein schippern sicher

Seit zehn Jahren können "Landratten" in Brandenburg auch ohne große Vorkenntnisse Freizeit-Kapitäne werden. Nach dreistündiger Einweisung durch einen Bootsverleiher dürfen Wassertouristen hinter die Ruder von bis zu 15 Meter langen Hausbooten.

Die Wasserschutzpolizei zieht nach einem Jahrzehnt "Charterschein" eine positive Bilanz.

"Nach unseren Beobachtungen bewegen sich diese Hobby-Kapitäne sehr viel vorsichtiger und vorausschauender über das Wasser als Sportbootführer mit Führerschein", berichtet Brandenburgs oberster Wasserschutzpolizist Hans-Joachim Werner. Als Beleg dafür zieht er die Unfallbilanz heran. "Insgesamt haben wir im vergangenen Jahr 47 Unfälle im Charterverkehr verzeichnet. Davon gingen 33 auf die Kappe von Führerschein-Inhabern. Ganze 14 verursachten Skipper mit "Charterschein".

Der führerscheinfreie Bootsverkehr sei sehr viel sicherer als sein Ruf. "Insgesamt haben wir in 2010 insgesamt 23 700 Sportbootführer kontrolliert. Dabei gab es bei jedem vierten Schiffsführer mit Führerschein Beanstandungen, wie zu schnelles Fahren oder falsches Ankern." Anfänger mit "Charterschein" kommen hier sehr viel besser weg. "Hier musste nur jeder sechste Hobbykapitän verwarnt werden", erklärte Werner.

Der leitende Polizeidirektor sei von dieser Entwicklung sehr überrascht. Als im Jahr 2000 die Regeln für Charterboote gelockert wurden, stand er diesem Projekt eher skeptisch gegenüber. Er und auch seine Kollegen befürchteten wegen der Unerfahrenheit der Wassertouristen sehr viel mehr Unfälle. "Das Gegenteil ist heute der Fall", sagt Werner.

Mit dazu beigetragen habe, dass nur ein kleiner Teil der 2600 Kilometer märkischen Wasserstraßen und 3600 Seen für die "Charterschein"-Kapitäne freigegeben wurden. So konnte ein Kontakt zur Berufsschifffahrt von vornherein ausgeschlossen werden. "Aktuell besteht ein Netz von 470 Kilometern", so Werner.

Natürlich komme es zwischen Profis und Anfängern besonders an Schleusenanlagen oftmals zu kleinen Reibereien, weil die Anfänger langsamer und bedächtiger die Einengungen nehmen. Problematischer als Freizeit-Kapitäne sind Alkoholsünder auf dem Wasser.

"Viele Schiffsführer glauben, das etwas laxer nehmen zu können", so Werner. Hier werde öfter und schneller zur Flasche gegriffen. Auf dem Wasser gelten aber die gleichen Regeln wie an Land. Ab 0,5 Promille am Ruder begehe man eine Ordnungswidrigkeit. Ab 1,1 Promille wird es kriminell. Wenn man mit Alkohol auf dem Wasser erwischt werde, kann dies auch an Land Folgen haben und der Führerschein kann pfutsch sein, mahnt Werner.