Bauarbeiten

In weniger als zwei Stunden an die Ostsee

Wenn "Katharina die Große" losrattert, bebt der Boden. Zwischen Gransee und Dannenwalde (Oberhavel) wühlt sich die fast 200 Meter lange und 700 Tonnen schwere Maschine buchstäblich unter den Bahngleisen der Strecke Berlin-Rostock hindurch. Meter für Meter geht es vorwärts.

Greifer heben Schienen und Schwellen an, darunter tragen Grabketten zuerst den Schotter, dann den Untergrund bis in einen Meter Tiefe ab. Ein paar Meter weiter rieseln aus dem gelben Leib der Maschine neuer Sand und Erdreich auf die Trasse, wieder ein Stück weiter prasselt der gereinigte Schotter in sein neues Bett. Lärm und Staub umtosen die Baustelle, während auf dem Nachbargleis im Zehn- bis 15-Minuten-Takt Regional- und Güterzüge vorbeidonnern. "Katharina die Große" heißt offiziell "Recycling-, Planumsverbesserungs- und Reinigungsmaschine RPM-RS-900". Den Spitznamen des Kolosses hat die Baufirma in großen Buchstaben auf die Seite lackiert.

Noch eine Woche gräbt und reinigt sie in Oberhavel. Dann kommt eine andere Riesenmaschine und erneuert Schienen und Schwellen, die zum Teil noch aus russischer Produktion stammen. All das ist nötig, damit Bahnreisende Ende 2013 mit 160 Stundenkilometern aus der Hauptstadt an die Ostsee fahren können. In weniger als zwei Stunden könnten Fernzüge aus Berlin dann Rostock erreichen.

Bundesstraße wird gesperrt

Gebaut wird an der gesamten, fast 200 Kilometer langen Strecke schon seit dem Jahr 2000. Allein auf dem acht Kilometer langen Abschnitt zwischen Gransee und Dannenwalde investiert die Bahn bis August 2012 insgesamt 25 Millionen Euro. Noch gibt es für Bahn-Fahrgäste nur geringe Einschränkungen, weil der gesamte Verkehr eingleisig an der Baustelle vorbeigeführt wird. Betroffen sind hingegen die Autofahrer. Derzeit sind die Bahnübergänge in Altlüdersdorf und Neulüdersdorf voll gesperrt. Anfang September ist die Baustelle dann bis zum Übergang der Bundesstraße B 96 weitergewandert, weshalb es dort zeitweise zu Sperrungen kommen wird. Geplant sind die Arbeiten am 8. und 9. September.

Weit größere Einschränkungen kommen auf die Bahnreisenden aber im nächsten Jahr zu. Um die Gleiserneuerung wie geplant 2013 abschließen zu können, wird die Bahnverbindung zwischen Berlin und Rostock von September 2012 an für sieben Monate unterbrochen. Zwischen Nassenheide und Löwenberg (Oberhavel) muss der moorige Untergrund saniert werden. Gleichzeitig werden die nördlich gelegenen Abschnitte zwischen Fürstenberg und Neustrelitz sowie Waren und Lalendorf voll gesperrt. Fern-, Regional- und Güterzüge werden dann teilweise über Schwerin umgeleitet und sind erheblich länger unterwegs. Die Unterwegs-Bahnhöfe sollen mit Bussen angefahren werden. Die Sperrung wird nach Bahn-Angaben auch auf Wunsch des Landes Mecklenburg-Vorpommern bewusst ins Winterhalbjahr gelegt, um den Sommer-Reiseverkehr in Richtung Ostsee nicht zu beeinträchtigen.

Auf zwei anderen wichtigen Bahnstrecken enden die Einschränkungen hingegen bald. Von Sonntag an fahren ICE-Züge von Berlin nach Hannover schon wieder 20 Minuten schneller. Vom 28. August an gilt dann wieder der reguläre Fahrplan. Ebenfalls abgeschlossen werden, nach mehrfachen Verzögerungen, die Bauarbeiten auf der Strecke Berlin-Cottbus. Dort sollen die Züge vom 3. September an wieder fahren.