DDR-Vergangenheit

Universität Potsdam untersucht Stasi-Verstrickung

In der anhaltenden Stasi-Debatte in Brandenburg hat die Diktaturbeauftragte des Landes, Ulrike Poppe, erneut zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte aufgerufen. Dabei sei eine differenzierte Einzelfallbeurteilung unverzichtbar, sagte Poppe am Freitag in Potsdam.

Der Berliner Soziologe Klaus Schroeder hatte zuvor die Ablösung der Sprecherin der Universität Potsdam wegen Stasi-Verstrickungen gefordert.

Mit der Zustimmung zur Nutzung ihrer Wohnung durch die Stasi in den 80er-Jahren, einer Verschwiegenheitserklärung und der Annahme von Geld durch die heutige Universitätssprecherin seien "die Kriterien einer aktiven Zusammenarbeit mit dem MfS gegeben", sagte der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der FU Berlin den "Potsdamer Neuesten Nachrichten". Poppe wollte sich zu dem Fall nicht äußern. Dies sei derzeit nicht möglich, da sie ihre Informationen dazu bisher nur aus den Medien habe, sagte sie. Sie begrüßte den Entschluss der Universitätsleitung, eine Kommission einzuberufen, die sich nun "mit der gebotenen Sorgfalt ein Urteil bilden" müsse. Wenn die Universitätssprecherin bei ihrer Einstellung mit ihrer DDR-Vergangenheit nicht offen umgegangen sei, "halte ich sie als Sprecherin für untragbar", betonte Schroeder. Dass die Journalistin selbst keine Berichte für die Stasi geschrieben habe, sei dabei unerheblich. "Wer eine Wohnung für konspirative Zwecke zur Verfügung gestellt hat, brauchte keine Berichte mehr zu schreiben, das ist eine andere Ebene der Zusammenarbeit."