Geschichte

Zeitreise ins ehemalige olympische Dorf

In der Sporthalle riecht es nach Staub und altem Holz. Die Sprossenwände und Turngeräte sind Originale von 1936. Die Wohnhäuser der olympischen Teams aus 40 Nationen stehen Seite an Seite. Von einigen sind nur noch Bodenplatte und Mauerreste erhalten, andere versuchen, sich der Zurückeroberung der Natur zu widersetzen.

Hier in Elstal (Havelland) wohnten und trainierten vor 75 Jahren die Teilnehmer der Olympischen Spiele von 1936 in Berlin - ein Großereignis des Sports, das zugleich Bühne für die Nazi-Propaganda sein musste. Eine neue Ausstellung im ehemaligen olympischen Dorf mit dem Titel "Die zwei Seiten einer Medaille" widmet sich dieser Zeit.

Alfred Koch erinnert sich noch gut an die Ereignisse. 1936 war er Sportarzt in Elstal - heute ist er 104 Jahre alt und war extra zur Eröffnung der Schau angereist. "Im Ärztehaus behandelten wir meist Schürfwunden und Verstauchungen", erzählte er. Nicht aus dem Kopf gegangen ist dem Hochbetagten der US-Amerikaner Jesse Owens.

Owens holte in den Distanzen über 100 und 200 Meter, in der Sprintstaffel und im Weitsprung vier Mal Gold - und entsprach damit ganz und gar nicht den Nazi-Vorstellungen von der vermeintlichen Überlegenheit der weißen Rasse. Hitler gab ihm nie die Hand - das Publikum dagegen feierte den Athleten. "Eines Tages kam er", sagte Koch. "Er klagte über Kopfschmerzen, und wir haben ihn behandelt."

Die einwöchige Sonderausstellung umfasst 150 Exponate - darunter Medaillen, Trikots und Schuhe, aber auch von der Gestapo abgefangene Briefe und Artikel voller Rassenhass aus damaligen Zeitungen. Die Wehrmacht war Bauherrin des von den Nationalsozialisten sogenannten Dorfes des Friedens - drei Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Ende der nur einwöchigen Ausstellung am 14. August sollen die geliehenen Stücke ihren Besitzern zurückgegeben werden. Die Fotografien und Tafeln bleiben zum größten Teil am Ort.

In den vergangenen Jahren hat es sich die Stiftung für gesellschaftliches Engagement der Deutschen Kreditbank (DKB) gemeinsam mit dem Bund und dem Land Brandenburg zur Aufgabe gemacht, etwas gegen den stückweisen Verfall des Areals in Elstal zu tun. Inzwischen ist die Schwimmhalle wieder begehbar. Die Wohnhäuser werden nach und nach hergerichtet. "Das nächste Ziel ist die Instandsetzung der Außenanlagen", sagte Martin Honerla von der DKB. Er sieht eine besondere Bedeutung in dem einstigen olympischen Dorf. "Es lässt Geschichte lebendig werden." Das Wohnhaus der amerikanischen Sportler ist inzwischen vollständig hergerichtet und kann besichtigt werden. Es gibt auch eine Extra-Ausstellung zu Jesse Owens. Sein Zimmer, in dem er gewohnt hat, ist möglichst originalgetreu wiederhergestellt worden.

Die Ausstellung ist bis zum 14. August täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet zwei Euro, Kinder frei.