Polizei steht vor einem Rätsel

Das wundersame Verschwinden von 22 Toilettentüren

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Peter Könnicke

Keine Spur von den Klotüren. Nach dem Diebstahl von 22 Edelstahl-Toilettentüren an Ostbrandenburger Autobahn-Rastplätzen binnen weniger Tage hat die Polizei noch keine Hinweise auf die Täter. "Weder zur Tat noch zum Verbleib der Türen haben wir Erkenntnisse", räumt Sprecher Detlef Lüben vom Schutzbereich Oder-Spree ein.

Lediglich auf der Internetseite der Autobahnmeisterei Erkner, in deren Abschnitt vier Türen demontiert worden sind, habe es einen Hinweis auf den Diebstahl gegeben, sagt Andreas Müller, Chef der Betriebsstätte. Die Auswertung überlasse er der Polizei.

Während Ermittler, der Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg und auch der ADAC Berlin-Brandenburg laut Pressesprecherin Claudia Nolte von einem bislang einmaligen Vorgang sprechen, kommt dem Spezialbau-Unternehmen Hering Bau im nordrhein-westfälischen Burbach die Geschichte durchaus bekannt vor. Das Familienunternehmen hat bundesweit an Autobahn-Raststätten "Stille Örtchen" gebaut, sowie Innenstädte und Bahnhöfe mit WC-Anlagen ausgerüstet.

Türanlage kostet bis 6000 Euro

"6000 Anlagen haben wir in den vergangenen Jahren hergestellt", sagt Gabi Jentzsch von der Produktionsabteilung des Unternehmens. Dass Türen oder anderes Edelstahlmobiliar gestohlen werde, sei kein Einzelfall, fügt sie an und macht den märkischen Kriminaltechnikern und Ermittlern wenig Hoffnung: "Mir ist nicht bekannt, dass jemals ein Täter ermittelt wurde oder die Beute wieder aufgetaucht ist." Ermittlungshilfe könne der Betrieb nicht leisten, doch habe das Unternehmen bereits ein Angebot für neue Türen gemacht.

Der Wert einer Tür, wie sie Hering Bau von Subunternehmern herstellen lässt, liegt laut Jentzsch bei 2000 Euro. Da es keine Standardmaße gebe, die Türen also Spezialanfertigungen seien, "ist der Preis relativ hoch", sagt Jentzsch. Eine komplette Türanlage koste zwischen 5000 und 6000 Euro.

"Die Ausstattungen an den Autobahnen werden komplett vom Bund finanziert", sagt Cornelia Mitschka vom Brandenburger Landesbetrieb Straßenwesen. Den Schaden nach dem Türen-Klau auf den Raststätten Kersdorfer See, Briesenluch, Lebbiner Heide, Berliner Urstromtal und auf dem Parkplatz Kalkberge entlang der A 12 und A 10, den die Polizei auf etwa 110 000 Euro beziffert, müsse letztlich der Steuerzahler begleichen.

Einen Einbau der Türen an anderer Stelle - wie es die Polizei vermutet - bezweifelt Jentzsch. "Es sind ja Spezialmaße", sagt sie. Edelstahl zu verschrotten könne durchaus ein Motiv der Diebe gewesen sein, denn der Preis, der derzeit erzielt werden könne, sei gut. Der aktuelle Preis für Edelstahlschrott liegt bei 1420 Euro pro Tonne, wie der Berliner Schrotthändler Efrem Guschew sagt.

Innen ist wertloser Dämmstoff

Allerdings würden die Diebe mit den Klotüren keine große Kasse machen. Denn die Türen sind nur außen aus Edelstahl. Hinter der Verkleidung verbirgt sich ein Dämmstoff.

"Für Mischschrott gibt es nur zwischen 110 und 150 Euro je Tonne", sagt Händler Guschew. Auf seinem Schrotthof in Berlin-Hohenschönhausen seien die Türen noch nicht aufgetaucht. "Wir würden sie ohnehin nicht nehmen, wir lesen ja auch Zeitung."