Nachwuchssorgen

Agrarwirtschaft sucht dringend Auszubildende

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Agrarprodukte aus Brandenburg sind gefragt. Wer frisches Obst und Gemüse, Wurst, Käse, Eier oder Honig kauft, denkt selten an die Menschen, die Lebensmittel produzieren. Die Arbeit auf dem Land ist nicht sehr begehrt.

Immer seltener findet sich geeigneter Nachwuchs für die "grünen Berufe", wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Lehrstellen bleiben unbesetzt: Im Schuljahr 2010/2011 gab es im Land nach Angaben des Potsdamer Landwirtschaftsministeriums 2410 Auszubildende in allen drei Lehrjahren - fünf Jahre zuvor waren es noch 3362.

Auch unter den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen für Jugendliche mit Hauptschulabschluss, mittlerem Abschluss oder Abitur fehlt die Landwirtschaft. Junge Brandenburger wollen nach Angaben des Statistikamtes Einzelhandelskaufmann, Verkäufer, Koch, Friseur, Kfz-Mechatroniker und Restaurantfachmann werden. Für eine Lehre als Landwirt, Gärtner oder Milchtechnologe entscheiden sich wenige.

In der Brandenburger Agrarbranche arbeiten derzeit rund 34 000 Menschen. Bei Familienbetrieben gelingt es noch, die eigenen Kinder für das Unternehmen zu gewinnen, wie der Sprecher des Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade, sagte. "Es wird aber schwieriger." Viele junge Leute suchten ihr Glück in den Städten, in denen es vielfältige Angebote zur Freizeitgestaltung gebe.

Stallgeruch, Arbeit mit der Mistforke, schwere Gummistiefel und Wetterkleidung - das sind Bestandteile des Alltags eines Landwirtes. Es gehören aber auch diese modernen "Zutaten" dazu: Computer, Hightech-Maschinen, Bodenbearbeitung nach neuestem wissenschaftlichem Standard.

Branche mit guten Perspektiven

"Die Anforderungen an die Ausbildung sind gestiegen", sagte Ines Wollert, Sprecherin der Agentur für Arbeit in Neuruppin. Im Bereich der Arbeitsagentur gab es 2010/2011 nur 137 Bewerber - 35 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Schüler mit guten Leistungen könnten sich mittlerweile die Lehrstelle aussuchen. Betriebe müssten darauf reagieren und die Bedingungen attraktiver gestalten: zum Beispiel bei Arbeitszeit und Ausbildungsvergütung. Die Potsdamer Arbeitsagentur registriert seit Jahren gleichbleibendes Interesse an einer Lehrstelle im "grünen Beruf".

Die Branche habe ein Imageproblem, sagte der Sprecher des Landesbauernverbandes Brandenburg, Holger Brantsch. "Lehrlinge für uns sind Mangelware, sehr gute Auszubildende eine noch größere." Ein Grund seien die geburtenschwachen Jahrgänge. Außerdem gelinge es nicht immer, bei jungen Leuten Interesse zu wecken. "Man muss den Schulabgängern nahebringen, welche großen Perspektiven die Branche bietet."

Das Ministerium unterstützt Ausbildungsbetriebe, die sich vernetzen. Auch die regionalen Bauernverbände versuchen, jungen Menschen Lust auf einen Agrarberuf zu machen. Sabine Rudert, Landeskoordinatorin von "Landaktiv" - eine Initiative zum Leben auf dem Land - ist mit ihrem Team von fünf Frauen in Schulen unterwegs. Bereits mit Fünftklässlern werde über eine mögliche Zukunft in der Landwirtschaft gesprochen. "Da gibt es viele anspruchsvolle Berufe", betonte Rudert. Es gehe nicht nur um das Streicheln von niedlichen Tieren. "Aber die Liebe zum Tier muss mitgebracht werden."

( dpa )