Personalien

Platzeck wirbt im Wahlkampf für Langerwisch

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Gudrun Mallwitz

Berührungsängste zeigte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) keine. Im Gegenteil. Er umarmte Norbert Langerwisch herzlich. Bei seinem Besuch in Brandenburg an der Havel war der Landeschef voll des Lobes für den Kandidaten seiner Partei, der am 11. September gegen Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) antreten wird.

Die Wahlkampfhilfe von höchster Stelle ist in diesem Fall nicht selbstverständlich: Norbert Langerwisch, den die örtlichen Sozialdemokraten zum Oberbürgermeister-Kandidaten für die Wahl nominiert haben, hat laut Unterlagen der Jahn-Behörde noch Ende 1989 eng mit der SED-Geheimpolizei kooperiert.

Nach dem 51-Seiten-Konvolut soll Langerwisch der Stasi mehrfach brisante Informationen über Familienangehörige und Kollegen der Volkspolizei übermittelt haben. Entdeckt wurden zudem Quittungen über Geschenke der Stasi. Laut Jahn-Behörde ist der Fall rechtlich eindeutig: Nach den Bestimmungen des Stasi-Unterlagen-Gesetzes ist Langerwisch als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) einzustufen. Langerwisch weist dies zurück. "Ich habe dem MfS keine inoffiziellen Informationen übermittelt", sagt er. Er habe als Angehöriger der Volkspolizei nur dienstliche Kontakte zur Stasi gehabt.

Grillen zum Wahlkampf-Auftakt

Es war vermutlich nicht der Termin, auf den sich Platzeck nach seinem Sommerurlaub gefreut hat. Angeblich hatte er Anfang des Jahres versucht, die Nominierung Langerwischs zu verhindern. Beim Promi-Wahlkampfauftakt ging es nun mit dem historischen Triebwagen durch die Innenstadt. Beim Grillen im Garten des Restaurants "Buhnenhaus" hob Platzeck vor etwa 50 Vertretern der Politik, Wirtschaft und von Vereinen die Verdienste Langerwischs hervor. "Norbert Langerwisch", unterstrich der SPD-Chef, "ist nicht nur ein Ur-Brandenburger, er verfügt auch über die Kompetenz, Menschen zusammenzubringen." Dass der Kandidat mächtig umstritten ist, erwähnte er nicht. Langerwisch war 2005 als Bürgermeister unter Dietlind Tiemann nach einer V-Mann-Affäre abgewählt worden. Bei einer Razzia waren 1500 Blanko-Stimmzettel entdeckt worden. Die Spur führte zu dem Drogendealer Dirk R. Er gab an, dass die Wahl zugunsten Langerwischs manipuliert werden sollte.

In den nächsten Wochen sollen auch Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe und Ex-SPD-Chef Franz Müntefering Langerwisch unterstützen. SPD-Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der hier seinen Wahlkreis hat, sollte ebenso als Helfer auftreten. Am Dienstag hieß es jedoch, dies könnte "am engen Terminkalender" scheitern. Die Kandidatur Langerwischs dürfte Steinmeier kaum gefallen. Auch nicht, dass der Wahlkampf von dem früheren Stasi-Spitzel Dirk Stieger geleitet wird. Stieger hatte nach der Entlarvung als IM "Bergmann" 2010 sein Stadtverordneten-Mandat niedergelegt.