Infrastrukturhilfe

Bahn informiert ihre Kunden jetzt besser

Wer in der Heimatstadt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf die Bahn wartet, muss hoffen. Hoffen darauf, dass der Zug pünktlich in Templin abfährt und darauf, dass er überhaupt fährt. Über Verspätungen oder gar Ausfälle erfährt der Reisende in Templin nämlich nichts.

Der Grund: Elektronische Anzeigetafeln und Lautsprecheranlagen für Durchsagen gibt es nicht auf der Station in der Uckermark. Erst im vierten Quartal dieses Jahres soll sich das laut der Internetseite der Deutschen Bahn ändern.

Bislang zählt Templin neben Guben und Seelow-Gusow nach wie vor zu den mittelgroßen Regionalbahnhöfen in Berlin und Brandenburg mit der schlechtesten Fahrgastinformation. Das geht aus dem aktuellen Qualitätsbericht des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) hervor. Die VBB-Prüfer sehen bei diesen drei Stationen schon seit Jahren "dringenden Handlungsbedarf".

Soweit die schlechte Nachricht für die Bahnkunden. Die gute lautet: Insgesamt hat sich Fahrgastinformation in der Region im vergangenen Jahr deutlich verbessert. Fast alle wichtigen Berliner Bahnhöfe erhalten bereits Bestnoten, und auch in Brandenburg werden viele Stationen besser bewertet als im Vorjahr.

Millionen vom Bund

Vom 28. Oktober bis zum 1. Dezember 2010 hatten die Prüfer des Verkehrsverbundes insgesamt 66 große und mittlere Bahnhöfe in Berlin und Brandenburg getestet. Wo gibt es Personal, wo aktuelle Fahrplanaushänge? Wo gibt es mechanische Fallblattanzeiger, wo elektronische Anzeigetafeln? Wo werden auch im planmäßigen Verkehr Ansagen gemacht, wo werden die Fahrgäste bei Störungen über Lautsprecher informiert? Und wie korrekt sind diese Durchsagen eigentlich?

Das Ergebnis: Inzwischen bescheinigt der VBB 41 Prozent der untersuchten Bahnhöfe ein gutes oder sehr gutes Informationsangebot, 2009 erreichten nur 39 Prozent dieses Prädikat, 2006 sogar nur 24 Prozent. Hohen oder dringenden Handlungsbedarf sehen die VBB-Prüfer nur noch bei sechs Prozent der getesteten Stationen - vor fünf Jahren waren es noch 39 Prozent. Die Zahl der Bahnhöfe mit der schlechtesten Bewertung "dringender Handlungsbedarf" sank zuletzt von fünf auf drei - eben Templin, Guben und Seelow-Gusow.

Bei mehr als der Hälfte der untersuchten Stationen sehen die Prüfer indes immer noch Verbesserungsmöglichkeiten. "Auch wenn noch vieles zu tun ist - unser ständiges Nörgeln hat etwas gebracht", bilanzierte VBB-Chef Hans-Werner Franz bei der Vorstellung des Qualitätsberichts. Denn aus Sicht der Deutschen Bahn (DB) wären viele Verbesserungen gar nicht nötig gewesen. Tatsächlich bewertet die DB ihre Stationen nämlich nach einem ganz anderen Schema. Vereinfacht gesagt: Wichtige Bahnhöfe auf Hauptverkehrsstrecken brauchen die besten Info-Systeme, kleine Stationen an Nebenstrecken fast gar keine. Nach diesen Kategorien erfüllt die Bahn fast überall in der Region die Anforderungen. Dass sich trotzdem vieles verbessert hat, liegt nicht allein an der beharrlichen Kritik des Verkehrsverbundes. Auch dank der Finanzspritze aus dem Konjunkturprogramm des Bundes hat die Deutsche Bahn in der Region kräftig gebaut; neue Rolltreppen und Aufzüge, Wetterschutz und Isolierfenster - und eben neue Fahrgast-Informationssysteme.

Nur wenige Verlierer

Allein in Berlin will die Bahn bis Ende 2011 aus den Konjunkturmitteln rund 30 Millionen Euro investieren. In Brandenburg sollen 16 Millionen Euro verbaut werden. Mehr als ein Dutzend Stationen schafften dadurch schon eine bessere Bewertung bei der Fahrgastinformation als 2009 - darunter Spandau, Karlshorst, Friedrichstraße, Ostbahnhof, Königs Wusterhausen, Eisenhüttenstadt und Falkensee. Manche Bahnhöfe - etwa der in Rathenow - werden sogar zwei Stufen besser bewertet als zuletzt. Verschlechtert haben sich nur wenige wie Frankfurt (Oder), Falkenberg und Ruhland.

Dass trotz des positiven Trends bei der Information - vor allem bei kurzfristigen Störungen - noch manches im Argen liegt, kritisierte jüngst Matthias Horth vom Berliner Fahrgastverband Igeb. Vor allem im Regionalverkehr, wo die Pünktlichkeitsquote zuletzt wie berichtet um drei Prozent auf 88 Prozent gesunken war, würden die Kunden zu oft allein gelassen. "Auf den großen Bahnhöfen in den Städten geht es noch", so Horth. "Auf dem Land ist es aber vielerorts noch sehr schlecht."