Aufarbeitung

Enquete-Experte beklagt: Recherchen werden behindert

Mehr Engagement zur Geschichtsbewältigung in Brandenburg hat der Journalist und Historiker Christian Booß gefordert. Für die Enquetekommission des Landtages ist er mit einer Expertise zum Thema Landwirtschaft in der DDR sowie einem Vortrag zur Überprüfung von Rechtsanwälten in Brandenburg beauftragt.

Doch der Fachmann kommt nach eigenen Angaben nicht voran: Seit Monaten wartet er auf Informationen aus Landesinstitutionen. Zudem fehlten Quellen und Sekundärliteratur.

In einem Offenen Brief an Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) beklagte Booß nun unter anderem den Umgang mit Fachleuten, die der Enquetekommission zuarbeiten. Die Regierung würde sich vor unangenehmen Fragen abschotten, was den Ruf nach außen ruiniere, schreibt er.

"Absagen von Experten, kleinkarierter Parteienstreit, Beschimpfungen von Gutachtern - das wirkt so, wie man schon immer Brandenburg im Verdacht hatte: provinziell." Es scheine fast ein Plan zu sein, "Enqueteexperten zu vergraulen", heißt es weiter. Booß hat sich bereits zweimal beschwert, bei der Staatskanzlei und der Vorsitzenden der Enquetekommission, Susanne Melior (SPD). In dem Brief schreibt Booß weiter, er habe in einem Fall Auskunft erhalten, doch seien die Antworten nichtssagend knapp beziehungsweise offenkundig fehlerhaft gewesen. "Anderen geht es ähnlich." Gesprächspartner würden sich verweigern, um dann die Gutachter wegen Recherchemängeln zu beschimpfen. An Platzeck gewandt heißt es: "Ihre Regierung und ihre Partei können so nicht weiter machen."