"Nicht genug Räume"

Joop will seine Villa Rumpf verkaufen

Modedesigner Wolfgang Joop will die Villa Rumpf in der Berliner Vorstadt verkaufen. Das Immobilienhandelshaus Berlin Sotheby's International Realty bietet den bisherigen exklusiven Firmensitz des Labels "Wunderkind" an der Ludwig-Richter-Straße einer solventen internationalen Kundschaft im Internet an.

Ein Preis wird nicht genannt. Dem Vernehmen nach soll Joop zwölf Millionen Euro für die im holländischen Neobarock errichtete Villa haben wollen. Diese Summe gilt auf dem Immobilienmarkt derzeit allerdings als kaum erzielbar. Im Sommer 2000 hatte Joop das Anwesen für fast fünf Millionen Mark ersteigert. Er überbot damit das Top-Model Nadja Auermann als prominente Mitbieterin.

Direkter Zugang zum Heiligen See

In den folgenden Jahren ließ Wolfgang Joop die rote Klinker-Villa aufwendig sanieren. Sie war 1895 auf einem herrschaftlichen Anwesen mit direktem Zugang zum Heiligen See errichtet worden. Der Frankfurter Maler Fritz Rumpf hatte den Architekten Gustav Meyer einst mit dem Bau einer individuellen Villa beauftragt, in der sich bald die Künstlerszene treffen sollte. Dazu gehörten Maler wie Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth, aber auch die Architekten Peter Behrend sowie Henri van der Velde.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges brannte die Villa 1945 aus und wurde nicht wieder in der ursprünglichen Form aufgebaut. Der Architekt Otto von Estorff soll danach umfangreiche Änderungen an der Fassade und dem Dach vorgenommen haben. Zwei Jahre später wurde die Villa von einem Teil der französischen Militärverbindungsmission genutzt, bis die Franzosen in die Seestraße 41 umzogen. Nach dem Auszug zogen Künstler und Film-Schaffende ein.

Bis zum Jahr 2000 wohnte der Potsdamer Künstler Peter Wilde in dem Gebäude. Er restaurierte die Villa Rumpf nach und nach. Von allen Gegenständen musste eine Rußschicht als Folge des Brandes von 1945 entfernt werden, heißt es. In der Villa wohnten später auch die Potsdamer Maler Alfred Schmidt und Christian Heinze.

Durch mehrere Umbauten, jahrzehntelange Vernachlässigung und die Aufteilung in ein Mehrfamilienhaus war das ursprüngliche Erscheinungsbild des Klinkerbaus nur noch zu erahnen. Heute präsentiert sich die Villa Rumpf wieder in einem historisch stilsicheren Zustand, wie Berlin Sotheby's International Realty für Joops Luxus-Immobilie wirbt.

Nachträglich wurde ein Aufzug in das Gebäude eingepasst und eine Klimaanlage im Dachgeschoss installiert. Wörtlich heißt es: "Das Haus verfügt über mehrere Balkone sowie eine großzügige Dachterrasse, von welcher der Betrachter einen fantastischen Blick über das Grundstück auf den Heiligen See hat." Laut Exposee hat die Villa Rumpf 16 Räume.

Die Villa Rumpf ist Joops zweites Haus am Heiligen See. Als erstes kaufte er 1997 die Weiße Villa in seiner Heimatstadt Potsdam, einen klassizistischen Traum am Wasser. Hier wohnt Wolfgang Joop in direkter Nachbarschaft zu Günther Jauch. Der TV-Moderator und Journalist war mit seiner Familie 1998 von Zehlendorf an den Heiligen See gezogen. Neben dem Gebäude aus dem Jahr 1925 ließ Jauch eine moderne, dreistöckige Villa errichten - mit Blick über den Heiligen See direkt auf das Marmorpalais im Neuen Garten.

Joop-Sprecher Edwin Lemberg bestätigte der Berliner Morgenpost am Freitag, dass die Villa Rumpf zum Verkauf steht. "Wir wollten uns schon lange vergrößern" sagte er. Das Gebäude sei von Anfang an zu klein gewesen. Wohin Wunderkind zieht, ist Lemberg zufolge offen. "Es kann erneut Potsdam sein, es kann aber auch Berlin sein." Wolfgang Joop hatte Wunderkind 1999 mit Sitz in Potsdam gegründet.

Auch Villa Kampffmeyer im Angebot

Joop fühlt sich eng mit Potsdam verbunden. Er ist auf dem Gutshof seiner Großeltern am Park von Sanssouci aufgewachsen, bis die Familie 1954 nach Braunschweig übersiedelte. Ende der 90er-Jahre kehrte er von Hamburg nach Potsdam zurück. Voriges Jahr starb hier seine Mutter Charlotte Joop. Er hing sehr an ihr.

Nicht nur die Villa Rumpf steht derzeit in der Berliner Vorstadt zum Verkauf. Gleich nach der Glienicker Brücke von Berlin aus kommend wartet auch die Villa Kampffmeyer auf einen neuen Besitzer. Dies aber schon seit geraumer Zeit. Das Anwesen wurde in den Jahren 1923/24 von den Potsdamer Architekten und Bauunternehmern Adolf und Friedrich Bolle für Kurt Kampffmeyer, einen reichen Mühlenunternehmer, errichtet. Die Villa bietet einen weiten Blick vom Jungfernsee über die Glienicker Lake bis zum Tiefen See. Sie hat 17 Zimmer. Zu den häufig wechselnden Bewohnern gehörten das schillernde Schweizer Diplomatenehepaar Borer-Fielding sowie der Militärattaché der Vereinigten Arabischen Emirate, Achmed al Shaik.