Kloster Neuzelle

Ein Museum für das "Heilige Grab"

Das alte Kutschstallgebäude im Kloster Neuzelle atmet förmlich Geschichte. Wer es betritt, der wird nicht nur von der auf dicken Säulen ruhenden Gewölbedecke empfangen, sondern auch vom typischen Geruch alten Gemäuers. Noch gehört etwas Fantasie dazu, sich das Gewölbe, in dem einst Pferde standen, als Museum vorzustellen.

Doch nach den Vorstellungen der Stiftung Stift Neuzelle bildet das alte Kutschstallgebäude spätestens ab Ostern 2014 den repräsentativen Eingang zu einem Klosterschatz, der in Europa seinesgleichen sucht.

Durch einen Tunnel gelangt der Besucher direkt in einen unterirdischen, 300 Quadratmeter großen Ausstellungsraum, in dem zwei Szenen vom "Heiligen Grab" gezeigt werden. Dabei handelt es sich um ein monumentales barockes Kulissentheater aus dem 18. Jahrhundert, das insgesamt aus 242 bemalten Holz- und Leinwandteilen besteht und in 15 Szenen die Leidensgeschichte von Jesus Christus und seine Auferstehung wie eine Art Bilderbibel erzählt. Und das äußerst eindrucksvoll, sind diese in ihrer Vollständigkeit europaweit einmaligen Passionsdarstellungen doch teilweise bis zu sechs Meter hoch und sieben Meter tief.

Versteckt im Berg

Die enorme Größe des "Heiligen Grabes" war für die Stiftung die eigentliche Herausforderung. "Wir haben in der Klosteranlage dafür keine geeigneten Räume", sagt Geschäftsführer Norbert Kannowsky. Einzige Lösung war ein Neubau, doch einen Betonkomplex wollte man dem barocken Klosterensemble nicht zur Seite stellen. Die entscheidende Idee kam vom Brandenburger Landesamt für Denkmalpflege: Die Experten schlugen vor, das Museum einfach im hinter dem Kutschstallgebäude liegenden Scheibenberg zu verstecken.

"Jetzt ist die Finanzierung komplett und wir können loslegen", freut sich Kannowsky, nachdem ihm vergangene Woche vom Brandenburger Landwirtschaftsministerium ein Fördermittelbescheid über 4,75 Millionen Euro aus einem EU-Agrarfonds übergeben wurde. Insgesamt kostet das Projekt "Heiliges Grab" 8,85 Millionen Euro. Land und Bund beteiligen sich daran, um die überdimensionalen sakralen Kunstwerke von europäischem Rang wieder einer breiten Öffentlichkeit zeigen zu können. "Wir erwarten, dass dafür Besucher gezielt nach Neuzelle reisen", sagt Walter Ederer, Marketingdirektor der Stiftung. Er erinnert an die Sonderschau, in der "Der Judaskuss" aus dem Bühnenbild "Der Garten" nach der dreijährigen Restaurierung im Kloster-Refektorium gezeigt wurde und die auf großes Interesse gestoßen war. Das war 2005 und machte Lust auf mehr.

"Wir können allerdings nur zeigen, was restauriert ist", sagt Ederer. Taubendreck, Holzwürmer und Feuchtigkeit hätten den um 1750 entstandenen sakralen Kulissen erheblich zugesetzt. Inzwischen hat die Ostdeutsche Sparkassenstiftung die Finanzierung für die fachmännische Reinigung und Ausbesserung einer zweiten Szene, der "Kreuztragung" übernommen, so dass diese dann neben dem "Judaskuss" im neuen unterirdischen Ausstellungszentrum gezeigt werden kann. Die Kulissen mit den biblischen Szenen und überlebensgroßen Figurengruppen wurden in der Tradition der mittelalterlichen Passionsspiele jeweils in der Karwoche in der katholischen Stiftskirche gezeigt, als eine Art stummes Theater. Letztmalig waren sie nach Recherchen Ederers 1863 zu sehen. Danach fristeten sie ein unbeachtetes Dasein im Kloster-Kreuzgang, bevor man sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter das weitaus trockenere Kirchturmdach brachte.

Ederer spricht von einem "Schatz", wenn er die Passionsdarstellungen meint. "Zwar waren sie seit dem 16. Jahrhundert in katholischen Gegenden weit verbreitet, doch gibt es sie heute kaum noch so vollständig", sagt er und verweist auf die Wortinschriften, die Bibelstellen in deutscher Sprache wiedergeben. Neben dem Museum und klimatisierten Depoträumen für die noch nicht restaurierten Szenen des "Heiligen Grabes" wird das ehemalige Kutschstallgebäude nach der Restaurierung auch das evangelische Pfarrbüro, einen Klosterladen sowie 23 Internatsplätze für das private deutsch-polnische Gymnasium Neuzelle beherbergen.

Für weitere 3,43 Millionen Euro aus Landes- und europäischen Fördermitteln sollen die Außenanlagen der ehemaligen Zisterzienserklosteranlage wiederhergestellt werden. Herzstück dabei ist der Stiftshof. Ein bisher noch verwilderter Teil des barocken Klostergartens wird zum Obstgarten nach historischem Vorbild. Für weitere 7,6 Millionen Euro werden das vom Gymnasium genutzte ehemalige Klausurgebäude und die evangelische Pfarrkirche "Zum Heiligen Kreuz" restauriert. Insgesamt sollen nach Angaben der Stiftung 23,48 Millionen Euro bis zum Jahr 2015 in Europas nördlichster barocke Klosteranlage verbaut werden, die als eines der touristischen Highlights Brandenburgs gilt.