Gesundheit

Trinkwasser – Coli-Spur führt zu toten Mäusen

Für die Trinkwasser-Verunreinigung mit Colibakterien in Babelsberg sind womöglich tote Kleintiere verantwortlich. Es wurden am Wasserspeicher tote Mäuse und Maulwürfe gefunden.

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Kellnerin Katrin Eckhart ist wütend. Seit einigen Tagen arbeitet sie im Babelsberger Lindencáfe unter verschärften Bedingungen. Das Trinkwasser ist keimbelastet, seit Mittwoch gilt die offizielle Warnung. Literweise Wasser kochen Gastronomen seither in Babelsberg ab.

"Wir brauchen es bei jedem Handgriff, das ist uns jetzt erst bewusst geworden", sagt Eckart. Obst und Gemüse muss gewaschen werden, Kunden wünschen bei der Hitze ihr Leitungswasser zum Espresso. Nun muss kistenweise Wasser in Flaschen eingekauft werden. Zeitaufwendig und teuer ist das. "Am meisten stört uns, dass wir hier nie richtig informiert werden", sagt die Serviererin.

Mit ihren Kolleginnen wartete sie am Sonnabend auf die neuesten Ergebnisse. Unzählige Wasserrohre wurden in Teilen Potsdams und im Landkreis Barnim die letzten Tage ausgespült. Am Nachmittag teilte das Gesundheitsamt das Ergebnis der neuen Proben mit. Die Werte sind besser, aber entwarnen könne man noch nicht, sagte Anke Latacz-Blume, Leiterin des Fachbereiches für Gesundheit in der Potsdamer Stadtverwaltung. Zwar sei noch nicht geklärt, wie die krankheitserregenden Mikroorganismen ins Wasser gelangten, allerdings haben Behörden in Potsdam eine heiße Spur: In der Kammer eines Behälters auf dem Brauhausberg entdeckten Mitarbeiter der Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) drei Mäuse und einen Maulwurf.

Rohre werden saniert

Amtsärztin Karola Linke glaubt, dass der Kot toter Tiere die Ursache für die Verunreinigung sein könnte. Die Wasserwerke wollen nun prüfen, wie die Tiere überhaupt in den Behälter gelangen konnten. Seit Wochen erneuert EWP die Wasserrohre, wegen der Bauarbeiten nahm das Gesundheitsamt am Montag routinemäßig Proben in einer Kita. "Wir hoffen, dass mit der Beseitigung der toten Tiere der Fall erledigt ist", sagte Linke. Allerdings, räumte sie ein, könne auch der starke Regen eine weitere Ursache sein.

Die Kellnerinnen aus Babelsberg brechen nach dieser Nachricht nicht in Begeisterung aus. "Für uns ändert diese Ansage jetzt nichts, es gibt ja keine Entwarnung", sagt Katrin Eckart. "Den Einkauf können wir jetzt wieder nicht planen, weil es ja keine Ansage gibt, wie lang der Zustand andauert", sagt sie. Also müsse weiter Mineralwasser herangeschafft und ständig Hände desinfiziert werden. Andere Gastronomen seien ebenso wütend. "Angeblich hat das Gesundheitsamt Zettel an alle Haushalte verteilt, wir haben hier aber keine Nachricht erhalten."

Über die Medien haben sie erfahren, dass die Coli-Bakterien Darmkrankheiten auslösen können. In vielen Cafés und Restaurants sorgt man sich: Erst wurde in der EHEC-Krise kein Salat mehr serviert, jetzt kann das Wasser zum Espresso nicht mehr aus der Leitung genommen werden. Potsdamer sind besorgt, Anrufe bei Ärzten mehren sich. Babelsberg ist eine kinderreiche Gegend, außerdem gibt es viele Senioren- und Pflegeheime.

Insgesamt sind 16 000 Brandenburger vom keimbelasteten Wasser betroffen. In der vergangenen Woche sprach das Gesundheitsamt Warnungen für Teile von Potsdam-Babelsberg aus, auch im Landkreis Barnim ist Trinkwasser verunreinigt. Dort sind 6000 Menschen betroffen. Gesundheitsbeauftragte und Ärzte haben inzwischen mehrere Hundert Brandenburger telefonisch beraten. Vor allem Ältere und Familien mit Kindern sorgten sich um ihre Gesundheit, fragten nach, wie sie sich schützen können.

Egal ob Zähne oder Obst- und Gemüse gereinigt werden: Leitungswasser sollten Brandenburger in den betroffenen Regionen mindestens drei Minuten abkochen. Wer ganz sicher gehen will, sollte Flaschenwasser kaufen. "Die wesentlichen Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall", sagt Amtsärztin Linke. Besonders gefährdet seien Menschen, die Medikamente einnehmen, die die Funktion des Immunsystems vermindern, Cortison etwa. Auch Zuckerkranke oder HIV-Infizierte seien gefährdet. Ein Erkrankter kann den Coli-Keim übertragen. Die Inkubationszeit variiert zwischen wenigen Stunden und drei Tagen.

Die Hotline beim Gesundheitsamt Potsdam ist weiterhin geschaltet: 0331/289 23 72 und 0172/391 73 02.