Coliforme-Keime

Belastetes Trinkwasser auch in Barnim

Im Trinkwasser im nördlichen Kreis Barnim sind sogenannte coliforme Keime aufgetaucht. Die etwa 6000 betroffenen Menschen seien umgehend informiert worden, sagte am Freitag Marianne Suntrup, Sprecherin der Kreisverwaltung Barnim.

Die Keime wurden vorige Woche bei einer Routineuntersuchung in Britz gefunden. Betroffen sind auch der Eberswalder Stadtteil Nordend, Sandkrug, Bereich Kloster Chorin, Neuhütte, Golzow und Senftenhütte. Nach Angaben des Zweckverbandes in Eberswalde gehören Coli-Bakterien zu den coliformen Keimen - diese Bakterien waren auch im Trinkwasser in Potsdam-Babelsberg entdeckt worden.

Leitungswasser abkochen

"Unsere Situation ist mit der in Potsdam nicht zu vergleichen", sagte Suntrup, ohne Details zu nennen. Woher die Bakterien stammen, ist derzeit in beiden Fällen unklar. "Das ist wirklich Detektivarbeit", sagte am Freitag die Leiterin des Fachbereiches für Gesundheit in der Potsdamer Stadtverwaltung, Anke Latacz-Blume. In Potsdam-Babelsberg waren bei einer routinemäßigen Untersuchung in einer Kita Coli-Bakterien entdeckt worden. Seit das Ergebnis am Mittwoch vorliegt, warnt das Gesundheitsamt die Anwohner in dem betroffenen Gebiet, Leitungswasser zu trinken. Mittlerweile wurden Handzettel an 3700 Haushalte zwischen Rudolf-Breitscheid-Straße-, Plantagen-, Behring- und Karl-Marx-Straße verteilt. Etwa 10 000 Menschen wohnen dort. Sie sollen in den nächsten Tagen kein Leitungswasser mehr trinken, ohne es zuvor mindestens drei Minuten abgekocht zu haben. Auch sollte das Wasser vor dem Zähneputzen gekocht werden.

Derzeit werde darüber nachgedacht, eventuell die Einwohner einer weiteren Straße in Babelsberg zu bitten, Wasser abzukochen - "aus Sicherheitsgründen", sagte Latacz-Blume. Laut Potsdamer Gesundheitsamt besteht allerdings keine akute Gefahr. An diesem Sonnabend sollen erste Ergebnisse von erneut entnommenen Proben vorliegen. Frühestens dann kann die Warnung aufgehoben werden. Coliforme Keime und Escherichia coli können Darmkrankheiten auslösen. "Die wesentlichen Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall", sagte Amtsärztin Karola Linke. "Besonders gefährdet sind Menschen, die Medikamente einnehmen, die die Funktionen des Immunsystems vermindern, wie Cortison." Auch Zuckerkranke oder HIV-Infizierte seien gefährdet. Ein Erkrankter kann den Coli-Keim übertragen. Die Inkubationszeit variiert zwischen wenigen Stunden und drei Tagen. Allerdings wurden bisher keine Erkrankungen gemeldet - weder in Potsdam noch in Eberswalde. Der Sprecher der Potsdamer Stadtverwaltung, Stefan Schulz, sagte am Freitag, es seien nur zwei Coli-Bakterien auf 100 Milliliter entdeckt worden. Damit sei der Grenzwert der Trinkwasserverordnung nur geringfügig überschritten. Die Energie und Wasser GmbH (EWP) suche intensiv nach der Ursache. "Die EWP entnimmt jährlich 178 Proben aus dem Trinkwasser", sagte Schulz. Zudem nehme das Gesundheitsamt in Potsdam jedes halbe Jahr eine Probe in allen öffentlichen Einrichtungen. Derzeit würden die Trinkwasserrohre immer noch gespült. Um die Verunreinigung zu beheben, wurde an der Karl-Marx-Straße das Hauptrohr leer gepumpt.

Im Juli 2007 waren auch in Groß Glienicke Coli-Bakterien im Trinkwasser bei Routinekontrollen entdeckt worden. Auch damals musste das Trinkwasser abgekocht werden. Nach Angaben des Umweltbundesamtes besteht durch das Auftreten coliformer Bakterien im Trinkwasser keine akute Gefahr - aber nur, wenn keine Escherichia coli gefunden werden, die Fäkalien anzeigen. In Potsdam wurden sie entdeckt, aber in geringer Menge. Deutschlandweit waren von 2005 bis 2007 weniger als 0,2 Prozent der Proben mit Escherichia coli belastet. In Brandenburg waren von 2008 bis zum Jahr 2010 fünf Proben auffällig.

Die Hotline beim Gesundheitsamt Potsdam ist weiterhin geschaltet: 0331/289 23 72 und 0172/391 73 02. Bis Freitagabend haben Hunderte von Bürgern dort angerufen, um sich beraten zu lassen. Vor allem Ältere und Familien mit Kindern wollen wissen, wie sie sich schützen können.

"Das ist wirklich Detektivarbeit"

Anke Latacz-Blume, Fachbereichsleiterin Gesundheit und Umwelt