Kleinmachnow

Neuer Betreiber für Kammerspiele gesucht

Mehrere Generationen haben in dem Saal schon gesessen. Erst guckten die Leute Zarah Leander und Heinz Rühmann, dann Hildegard Knef. Später zu DDR-Zeiten lockten Marianne Wünscher und Angelica Domröse das Publikum an. In ein paar Tagen werden die Besucher wieder hereinströmen, wenn der letzte Teil von "Harry Potter" gezeigt wird.

Die Kammerspiele Kleinmachnow sind nicht nur eines der wenigen übrig gebliebenen Kinos mit altem Charme. In den vergangenen 75 Jahren hob sich der dunkelrote Vorhang auch für zahlreiche Künstler auf der Bühne. Doch nun steht die Zukunft des Kulturhauses auf dem Spiel. Der Besitzer und Betreiber, Karl-Heinz Bornemann, will sich zurückziehen. Ein Nachfolger wird händeringend gesucht.

Leicht ist dem 61-Jährigen der Entschluss nicht gefallen. Sein Großvater ließ das Haus 1936 am damaligen Spandauer Weg bauen, kurz danach eröffnete er die Kammerspiele. "Der Film war seine Leidenschaft", sagt Karl-Heinz Bornemann. "Er hatte auch ein Kino in Potsdam und in Siemensstadt in Berlin."

Als der politische Druck in der DDR zunahm und die Enteignung drohte, flüchtete die Familie 1960 in den Westen - nach Wesel am Rhein. Später zog sie nach Krefeld und danach ins niedersächsische Wolfenbüttel. In Kleinmachnow übernahm unterdessen der volkseigene Kreislichtspielbetrieb Potsdam die Kammerspiele. In den 70er-Jahren entwickelte sich das Haus zum Kulturzentrum für Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow. Die Gemeinde lud zu Kino, Theater, Musik, Tanz, Vorträgen und Kreativkursen ein.

Nach dem Fall der Mauer erhob die Familie Bornemann Anspruch auf ihren Besitz. Im Alter von 44 Jahren kehrte Karl-Heinz Bornemann 1993 in den Ort zurück, den er als Junge mit zehn Jahren verlassen hatte. "Ich dachte, hier wäre mein Platz", sagt er. Doch die Vorbehalte gegenüber den "raffgierigen Wessis" waren groß. Die Kleinmachnower fürchteten um ihr Zuhause. Die Auseinandersetzungen zwischen den Alteigentümern, die ihre Grundstücke und Häuser zurückerhielten, und den "Vertriebenen" bestimmten Anfang der 90er-Jahre den Alltag in Kleinmachnow. Für mehr als die Hälfte der Wohnungen und Grundstücke lagen Rückübertragungsansprüche vor. Bornemanns erhielten das Haus 1993 zurück. Mit der Auflage, die Kammerspiele für zehn Jahre zu verpachten. 2003 lief der Pachtvertrag mit der Gemeinde aus. Seitdem führt Bornemann die Spielstätte an der Karl-Marx-Straße selbst. Der Film war immer schon auch seine Leidenschaft.

Mittwochs gibt es Tanzkurse

Geboten wird Kino zu kleinen Preisen - alle Vorstellungen für 4,50 Euro bis 5 Euro, ermäßigt 3 Euro bis 4 Euro. Auf der elf Meter langen und sieben Meter tiefen Bühne proben aber auch Musik- und Ballettschüler, mittwochs gibt es Salsa- und andere Tanzkurse. Die Zeit der großen Theaterabende scheint jedoch vorbei zu sein. Derzeit zumindest. "Ich würde ja gern weitermachen", sagt Bornemann. "Aber ich werde auch nicht jünger."

Kathrin Heilmann hat in dem großen Saal mit den 360 Plätzen über Jahre hinweg für volle Reihen gesorgt. Die Lehrerin führte mit ihrer beliebten Schauspiel-Truppe des Weinberg-Gymnasiums viele Stücke auf. Doch schon vor einigen Jahren wich das mehrfach ausgezeichnete Theater auf andere Spielorte wie den Theatersaal des Wohnstifts Augustinum aus. Es hatte Unstimmigkeiten mit Kammerspiele-Betreiber Bornemann gegeben.

Kathrin Heilmann würde sich nichts mehr wünschen, als mit ihrem Ensemble in die Kammerspiele zurückzukehren. "Es wird nicht leicht, einen neuen Betreiber zu finden", sagt die 44-Jährige. "Doch die Kulturstätte ist es wert, weitergeführt zu werden." Ihr Traum ist es, die Feierlichkeiten zum 20. Jubiläum im Dezember in gesicherten Kammerspielen zu begehen. Bei der Schauspiel-Truppe des Weinberg-Gymnasiums machen nicht nur derzeitige Schüler mit, sondern auch viele Ehemalige: Manche von ihnen studieren Schauspiel, andere sind Maskenbildner, zwei machten eine Ausbildung zum Kameramann. Cynthia Schulz, eine ehemalige Schülerin, die seit 13 Jahren am Theater am Weinberg mitwirkt und die Regieassistenz innehat, würde ebenfalls gern ins Kulturhaus zurückkehren: "Die Kammerspiele sind ein so wunderbarer Spielort."

Die Gemeinde will die Kulturstätte unbedingt erhalten. "Die Kammerspiele haben einen festen Platz im Herzen vieler Kleinmachnower", sagt Bürgermeister Michael Grubert (SPD). Derzeit bezuschusst die Kommune den Betrieb mit 1500 Euro monatlich. Die Gemeinde wäre bereit, das Haus für 392 000 Euro zu erwerben - und sucht vorher einen Betreiber. Die Ausschreibung endet am 25. August. Der künftige Betreiber würde bei einem überzeugenden Konzept das Haus mietfrei bekommen. Er muss nur für die Betriebskosten aufkommen.

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