Wissenschaftler

Scharfe Kritik an Vorsitzender der Enquete-Kommission

Der Druck auf die Vorsitzende der Brandenburger Enquete-Kommission, Susanne Melior, wächst. Immer mehr Wissenschaftler üben scharfe Kritik an der SPD-Politikerin.

Der Berliner Politologe Klaus Schroeder warf Melior mangelnde Unabhängigkeit vor. Sie lasse zu, dass Gutachter von Vertretern der rot-roten Landesregierung herabgewürdigt würden, sagte er am Mittwoch. "Sie muss dieses unwürdige Schauspiel beenden", forderte Schroeder. Er ist einer der sieben Wissenschaftler, die der Kommission zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit angehören. "Entweder, sie verändert ihr Verhalten - oder sie muss zurücktreten."

Seinem Unmut hat Schroeder in einem Brief an die Vorsitzende Luft gemacht. Auch der Berliner Historiker Helmut Müller-Enbergs - ebenfalls Kommissionsmitglied - findet in seinem Schreiben an Melior deutliche Worte. Aus seiner Sicht ist die Vorsitzende mit ihren Aufgaben inhaltlich und handwerklich überfordert. Sie wünsche ihre Funktion offensichtlich lediglich als Parteigenossin auszufüllen, kritisierte Müller-Enbergs. "Ich erwarte ein selbstbewusstes Auftreten von ihr - auch gegenüber den Parteikollegen", sagte der Historiker von der Stasi-Unterlagenbehörde.

Am Dienstag hatte der Berliner Wissenschaftler und Experte für DDR-Landwirtschaft, Jens Schöne, seine Mitarbeit in der Enquete-Kommission aufgekündigt. Er könne den Umgang mit Gutachtern und Gutachten nicht mehr akzeptieren, sagte er. Die Vertreter von der Oppositionsparteien Bündnis 90, FDP und CDU in dem Gremium äußerten Verständnis für die Entscheidung - ebenso wie seine Kollegen. Hinwerfen kommt für diese bislang aber nicht infrage. "Ich habe darüber nachgedacht, ob ich aussteigen soll", räumte Schroeder ein. Aber ich kneife nicht. Ich ziehe das jetzt durch."