Streit um Gotteshaus

Landesregierung stoppt Neubau einer Synagoge in Potsdam

In Brandenburgs Landeshauptstadt wird es keinen Bau einer Synagoge in der bisherigen Planung geben. Dies haben am Freitag die Staatskanzlei, das Finanz- und auch des Kulturministerium beschlossen, sagte Kulturstaatssekretär Martin Gorholt am Sonnabend in Potsdam.

In der vergangenen Woche hatte es bei einem Gespräch mit jüdischen Vertretern erneut keine Einigung zum Synagogenbau gegeben. Die rot-rote Landesregierung hat deshalb entschieden, dass die Planungen so nicht mehr umgesetzt werden. Die drei jüdischen Gemeinden in der brandenburgischen Landeshauptstadt sind seit vielen Jahren über den Bau der Synagoge zerstritten. Das Gotteshaus sollte allen drei Gemeinden offenstehen, meinen die Befürworter. Doch zwei Gemeinden lehnen das Vorhaben ab. Architekt Jost Haberland hatte bisher Änderungswünschen eine Absage erteilt. Baubeginn sollte eigentlich im Sommer dieses Jahres sein. Die Kosten wurden auf rund fünf Millionen Euro veranschlagt.

Kulturstaatssekretär Gorholt kündigte an, über das weitere Verfahren werde mit den jüdischen Gemeinden gesprochen, um zu sehen, wie man zu einem neuen Verfahren kommt. Wichtig sei, dass sich die jüdischen Gemeinden, eventuell auch mit dem Landesverband, darüber verständigen, was für eine Synagoge sie wollen und wozu sie genutzt werden soll. "Dann muss in Verantwortung der jüdischen Gemeinden entschieden worden, ob und welcher Form eine Synagoge gebaut wird", erklärte Gorholt. Wegen des Streits um den Bau war bereits ein sechswöchiges Moratorium verhängt worden, das nun auslief.

Der umstrittene Haberland-Entwurf ging vor zwei Jahren aus einem Wettbewerb als Sieger hervor. Vorgesehen ist ein moderner, mehrgeschossiger Bau mit einer schlichten Fassade aus sogenannten Glindower Ziegeln. Neben Kritik an der Fassade wird auch der Gebetssaal als nicht ausreichend angesehen. Der Bauplatz wird nach Angaben von Staatssekretär Gorholt freigehalten.