Sozialpolitik

Druck auf die Treberhilfe wächst

Die Treberhilfe gerät immer mehr in Schwierigkeiten. Nachdem die Senatssozialverwaltung die Verträge fristlos gekündigt hat, droht drei Kriseneinrichtungen in Mitte, Schöneberg und Schmargendorf das Aus. Außerdem sind elf Räumungsklagen anhängig für Wohnungen von Klienten, für die die Treberhilfe die Mieten nicht gezahlt haben soll.

Die Treberhilfe setzt sich zur Wehr. "Bei 700 Mietverhältnissen sind vereinzelte Streitigkeiten mit Vermietern nicht außergewöhnlich, das werden wir schnell klären", sagte Geschäftsführer Gideon Joffe am Donnerstag.

Noch arbeiten die Sozialpädagogen der Treberhilfe wie gewohnt. Doch die Bewohner der Einrichtungen in Mitte und Schöneberg sind beunruhigt. Knapp 20 junge Menschen schauen dort in eine ungewisse Zukunft. Einer von ihnen ist Steven. 18 Jahre lang lebte der heute 21-Jährige im Heim. Ärzte attestierten ihm eine seelische Behinderung, der gebürtige Magdeburger kennt viele Psychiatrie-Stationen von innen. Seit März hat er ein Zimmer im Treberhaus Mitte an der Ackerstraße. "Es wäre eine Katastrophe, wenn ich hier raus müsste", sagt Steven. Demnächst will er eine Lehre beginnen.

In der Einrichtung kümmern sich sechs Sozialarbeiter tagsüber und fünf Mitarbeiter im Nachtdienst um die derzeit fünf Bewohner. "Am Anfang sind die Klienten wie die Kleinkinder, perspektiv- und hoffnungslos. Wir haben mit Gewalt, Angst und Frustration zu tun", sagt Teamkoordinator Christian Goller (38). Er befürchtet, dass Steven "durchs Rost fallen" würde, wenn die Einrichtung schließen müsste. Auch Steve, ein 18-jähriger Berliner, hofft, an der Ackerstraße noch Hilfe für ein selbständiges Leben zu bekommen. Weil es zu Hause Probleme gab, kam er in den letzten Wochen bei Freunden unter.

Beratung läuft weiter

Der Prokurist der Treberhilfe, Bernd Muskat, hofft, dass das Rechtsschutzverfahren in den nächsten Tagen entschieden wird. Wie berichtet, klagt die Treberhilfe gegen die Kündigung der Verträge durch die Senatssozialverwaltung. Trotz der unsicheren Lage würde die Treberhilfe Klienten weiter beraten und niemanden wegschicken. Notfalls würden sie zu anderen Trägern vermittelt. "Wir wollen nicht auf dem Rücken der Klienten austragen, was vom Senat angezettelt wurde", sagte Muskat. Die Senatssozialverwaltung schließt unterdessen nicht aus, dass es mehr Fälle geben könnte, bei denen die Treberhilfe Wohnungseigentümern die Miete schuldet. In den von der Treberhilfe angemieteten Wohnungen wohnen die Klienten als Untermieter und werden betreut. "Wir finden es empörend, dass die Treberhilfe durch dieses Verhalten ehemals Obdachlose in Gefahr bringt, auf die Straße gesetzt zu werden", sagte Anja Wollny, Sprecherin der Sozialverwaltung.

Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es nach Auskunft von Sozialstadträtin Martina Schmiedhofer (Grüne) einen Fall, bei dem die Miete nicht gezahlt wurde und die Frau bedroht ist, ihre Wohnung zu verlieren. Vorwürfe der Treberhilfe, sie habe offene Forderungen gegenüber Ämtern, weist Schmiedhofer zurück: "Bei unserem Jobcenter werden alle Mieten bezahlt. Wir prüfen juristisch gerade, welche Konsequenzen es hat, dass die Treberhilfe diese Mietschulden hat entstehen lassen."

Da die Treberhilfe einen Reservepool an Wohnungen vorhalte, würde niemand auf der Straße landen, sagt Geschäftsführer Joffe. Es gebe offene Forderungen gegenüber Jobcentern und Sozialämtern in Höhe von 1,6 Millionen Euro. Das läge unter anderem an der schwachen personellen Ausstattung für die Bearbeitung in den Bezirken. Das größere Problem sei, dass durch die Kündigung der Verträge für die Kriseneinrichtungen der Treberhilfe ein Betreuungsdefizit für die ganze Stadt entstehe. Die Treberhilfe decke mit drei Einrichtungen 60 Prozent des Bedarfs ab.