Christian Meyer

Der Hotelmanager und seine Liebe zu den Seerosen

Entschlossenen Schrittes marschiert Marlies Knäker durch den Garten von Elli Meyer in Groß Rietz bei Beeskow. Sie steuert auf einen jungen Mann zu, der in hohen Gummistiefeln knietief in einem Wassergraben steht. "Ich möchte knallige Farben - rot, pink und gelb. Und die Pflanzen müssen winterhart sein", sagt die 46 Jahre alte Besucherin.

Der junge Mann überlegt kurz, kommt aus dem schlammigen Wasser und steuert auf ein Gewächshaus zu. Dort taucht Christian Meyer erneut in einen wassergefüllten Mini-Teich, wühlt mit der Hand kurz im trüben Nass und hält schließlich eine Seerosenpflanze in die Höhe. "Diese hier blüht dunkelrot", verkündet der 30-Jährige mit strahlendem Lächeln. Die Herzbergerin ist froh, nicht selbst wählen zu müssen - zwischen all den Seerosen, deren Farbpalette von zartrosa bis dunkelrot reicht.

"Mein verstorbener Mann hielt Koifische. Deren Pflege ist sehr aufwendig. Deshalb habe ich sie abgeschafft und möchte lieber bunte Blumen auf dem Teich" sagt Marlies Knäker.

Da ist sie bei Christian Meyer richtig: Der gebürtige Groß Rietzer ist ein echter Rosenfan, allerdings bevorzugt er die schwimmenden. In Wasser und Erde zu wühlen, ist für den studierten Betriebswirtschaftler, der hauptberuflich im Management eines Berliner Hotels arbeitet, "die pure Entspannung".

Nur an den Wochenenden hat er Zeit, den Beweis anzutreten, dass die dekorativen Wasserpflanzen nicht nur weiß blühen können. Er kommt regelrecht ins Schwärmen angesichts seiner Blumen, deren Blütenblätter beispielsweise an den Spitzen weiß sind und sich nach innen bis ins knallrot verfärben. Andere wechseln im Laufe der Blüte ihre Farbe - von Gelb ins Apricot, von Rosé bis hin zu Kupferrot.

Extra große, lilafarbene Blüten hat die Variante namens "Wow" und bei der nach Honig riechenden "Sunny pink" ist der Name Programm.

Seine holländischen und französischen Kunden stehen auf blau blühende Seerosen, die Meyer aus Thailand bezieht. Eine blaue Färbung - das ist schon etwas Besonderes. "Tropische Sorten gab es da schon einige. Die waren allerdings nicht winterhart und daher bei uns gar nicht zu halten", sagt Meyer. Nun haben Forscher an der Universität von Bangkok nach langen Versuchen doch eine Sorte gezüchtet, die den europäischen Ansprüchen und Witterungsbedingungen genügt. Rund 500 Seerosen-Sorten gibt es weltweit, etwa 100 wachsen auch im "La vie en rose" von Meyer.

Seine Begeisterung begann vor 15 Jahren während eines Ferienjobs in einer Baumschule. "Da war ich zuständig für Rosen und Stauden - Seerosen sind beides", erklärt der gebürtige Ostbrandenburger, der auch viel über die Geschichte der von Mai bis Oktober blühenden Wasserpflanzen weiß.

Anfang des 20. Jahrhunderts begann ein französischer Züchter, weiße und rote Arten miteinander zu kreuzen - der Siegeszug der bunten Blüten hatte begonnen. Vor allem in den USA boomte die Seerosen-Zucht laut Meyer in den vergangenen 30 Jahren. Von dort bezieht er viele winterharte Sorten, die tropischen bekommt er aus Thailand.

Sie alle finden eine neue, zeitweilige Heimat in Oma Ellis Bauerngarten in Groß Rietz. Wo einst Obstbäume standen und Kräuterbeete angelegt waren, reihen sich heute etwa 20 akkurate Gräben, die mit Teichfolie ausgelegt sind. Außerdem gibt es drei große Gewächshäuser für die empfindlichen tropischen Arten. Im hüfttiefen Wasser schwimmen Seerosen-Pflanzen in allen Größen und Farben. Als exotische Schnittblumen dienten seine Seerosen bereits als Dekoration bei Filmaufnahmen in Potsdam-Babelsberg, bei Modenschauen in Berlin oder bei der Berlinale. Auch das Bundeskanzleramt und mehrere Botschaften schmückten sich bereits mit Meyers Blumen.

"Mein Nebenerwerb ist schon eine echte Herausforderung", erklärt Meyer und weist auf eine Galerie wassergefüllter Gläser, in der stecknadelkopf-große Samen schwimmen. "Um Pflanzen zu vermehren, müssen die mit dem Zahnstocher pikiert werden." Die Zucht ist noch komplizierter - denn zunächst sind die Blüten weiblich, später dann männlich. Aber immerhin: Zehn Eigenkreationen hat er bereits geschaffen, einige haben noch keinen Namen.

Stolz zeigt er auf eine pinkfarbene Blüte, deren gelbe Staubblätter in der Mitte ungewöhnlich groß sind. "Die haben wir im vergangenen Jahr Wedding Lilly getauft." Zwischen 15 und 80 Euro kostet bei ihm eine Pflanze im Sieben-Liter-Topf. Meyers teuerste Sorte ist aktuell die thailändische "Wanvisa" für 150 Euro pro Stück. Sie hat pinkfarbene Blütenblätter, allerdings mit weißen Sprenkeln und ist damit absolut außergewöhnlich.

"Die Töpfe werden mitsamt der Pflanze auf den Teichboden gestellt. Sind sie zu klein, kriegt man die Seerose nicht zum Blühen", erklärt der Fachmann seiner Neukundin Knäker. Nimmt man die Pflanzen aus dem Topf und pflanzt sie so, wuchern sie seinen Angaben nach den gesamten Teich zu. Für Privatkunden entwirft Meyer auf Wunsch individuelle Seerosen-Ensemble für den heimischen Garten und bietet das Umtopfen im Frühjahr an.

Kontakt unter www.seerosenfarm.de

"Mein Nebenerwerb ist schon eine echte Herausforderung"

Christian Meyer, Seerosenzüchter