Trend

Luxus-Camping an der Voigtsmühle

Die Nation der Holländer ist untrennbar mit dem Camping verbunden. Ein Klischee, aber Wohnwagen mit niederländischen Kennzeichen sind deutschlandweit bekannt und werden oftmals auch belächelt. Dass die Niederländer aber auch anders können, als Billigurlaub auf Luftmatratze und vier Rädern zu machen, beweist Hans van Beem derzeit mitten in der märkischen Provinz.

Nahe dem Schwielochsee bei Niewisch (Landkreis Oder-Spree) praktiziert der 50-jährige Holländer das "Glamping" - den nach Auskunft von Fachleuten neuesten Trend der Reisebranche.

"Glamping" ist eine Wortschöpfung verbindet das herkömmliche Camping mit dem Attribut "glamourös". Bei van Beem sind das Luxusversionen von Zelten, mit einer Ausstattung, wie man sie am ehesten in afrikanischen Safari-Hotels vermutet. "Man hat ein Zeltdach über dem Kopf und kann trotzdem erstklassigen Urlaub verleben, ohne auf Annehmlichkeiten zu verzichten", preist van Beem seine Neuanschaffungen an. Seine Ferienzelte sind 25 Quadratmeter groß und verfügen über eine Terrasse mit gemütlicher Sitzecke, inklusive Hängematte und Feuerstelle. Im Innenbereich erinnert ein Doppelbett mit Moskitonetz an die Tropen. Es gibt einen kleinen Elektro-Ofen, einen Herd, eine Küchenspüle, ein Etagenbett für Kinder. Zum Luxus-Zelten gehört auch ein eigener Sanitärbereich mit Dusche und Toilette - und zwar in einem holzverkleideten Doppelcontainer direkt neben dem Zelt.

Dass er es versteht, Touristen in die Ostbrandenburger Abgeschiedenheit zu locken, hat van Beem bereits im vergangenen Jahr bewiesen. "Noch bis Ende der 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts war die sogenannte Voigtsmühle in Betrieb", erfuhr der Holländer von Nachbarn in Niewisch. Vor knapp drei Jahren kauften er und sein Bruder das Anwesen im Zuge einer Zwangsversteigerung. "Da standen nur noch die Außenmauern der alten Wassermühle. Es gab weder fließend Wasser noch Strom", erinnert sich der 50-Jährige, der zuvor noch nie in Brandenburg gewesen war. "Jeder braucht etwas Abenteuer im Leben", kommentiert der frühere Geschäftsführer einer Käserei sein Engagement.

Vier Sterne sind das Ziel

Van Beem baute die Mühle nach altem Vorbild wieder auf, machte aus ihrem Inneren vier Ferienwohnungen mit luxuriösen Bädern inklusive Dusche und Wanne sowie einer hochwertigen Küchenzeile. "Holländer wollen Urlaub mit Niveau, also gehobenen Standard", sagt van Beem, der für die "Voigtsmühle" eine Vier-Sterne-Klassifizierung anstrebt und inzwischen eng mit den Tourismusvereinen im benachbarten Friedland sowie in der Kreisstadt Beeskow zusammenarbeitet. Denn neben seinen Landsleuten will van Beem auch deutsche Gäste begeistern. "Noch machen die gerade mal 30 Prozent unserer Kunden aus", erzählt er. Er wolle schließlich "keine holländische Kolonie" in Ostbrandenburg schaffen.

Sein neues Feriendomizil mit idyllischem Badeteich nebst eigener Quelle war rasch ausgebucht, denn von der "Voigtsmühle" aus ist es nicht weit zum Badeparadies "Tropical Islands", in die deutsche Hauptstadt oder zur barocken Klosteranlage von Neuzelle. Das sprach sich unter den Holländern herum, van Beem bekam weit mehr Buchungsanfragen, als er Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung hatte. Schließlich war es der 50-Jährige leid, immer wieder absagen zu müssen. So entstand die Idee zum "Glamping". Das klassische Camping würden Holländer kaum noch praktizieren, erzählt er. Nun ist van Beem sicher, dass er zunehmend auch Menschen aus der Region Berlin und Brandenburg für seine Idee begeistern kann. "Die Zelte einer holländischen Firma habe ich auf einer Freizeitmesse entdeckt", sagt er. Über den Anschaffungspreis hüllt er sich allerdings in Schweigen. Ganz billig können sie nicht gewesen sein.

"Sie sind in den Niederlanden der neueste Schrei, in Berlin und Brandenburg gibt es sie hingegen bisher nur bei uns." Genügend Platz dafür hat er jedenfalls auf seinem terrassenförmig angelegten Campingplatz, dem zentralen Teil des etwa 90 Hektar großen Geländes. Mit zwei Luxus-Zelten startet der Neu-Niewischer in die neue Saison. Van Beem ist vorsichtig, will zunächst beobachten, wie das Angebot bei seinen Gästen ankommt. "Man ist näher an der Natur als in festen vier Wänden", beschreibt der Holländer Markus Olthuis, der mit Frau und zwei Kindern im Luxuszelt der "Voigtsmühle" Urlaub macht. Und das sei nicht der einzige Vorzug. "Die Schlepperei sowie der Aufbau der eigenen Camping-Ausrüstung entfällt", sagt der junge Familienvater. Das empfinden auch andere, die schon einmal verzweifelt versucht haben, ein Zelt aufzubauen, als Vorteil.

Ferienhäuschen mit Sauna

Die Zelte sind auf einem festen Holzbohlen-Boden aufgebaut. Zum "Glamping" gehören an der "Voigtsmühle" demnächst auch mobile, jeweils 50 Quadratmeter große Fertigteil-Ferienhäuschen. Sie bieten noch etwas Besonderes: jeder Menge Platz für eine eigene Sauna. Ein Modell steht bereits und wird laut Betreiber van Beem eifrig nachgefragt. Er ist überzeugt davon, in eine Branche mit Zukunft investiert zu haben. "Die Zukunft des Tourismus liegt in der Region. Die Leute werden weniger in die Ferne schweifen, je teurer die Flüge werden", ist der Unternehmer überzeugt.

Nicht nur die Anreise ist bei dem Urlaub in der Region günstiger, auch die Unterkünfte: Übernachtungen im luxuriösen Ferienhäuschen kosten 65 Euro, in den Ferienwohnungen der "Voigtsmühle" ab 39 Euro pro Nacht. Die Zelte sind wochenweise zu mieten - in der Hauptsaison ab 449 Euro, in der Nebensaison ab 199 Euro. Mehr Infos und Buchungsmöglichkeit gibt es unter www.voigtsmühle.de