Spitzelvorwürfe

Potsdamer Stadtwerkechef tritt zurück

Nach Spitzelvorwürfen hat der Geschäftsführer der Potsdamer Stadtwerke, Peter Paffhausen, seine Ämter niedergelegt. Das betrifft auch seine Tätigkeit als Geschäftsführer der Energie und Wasser Potsdam GmbH.

Paffhausen sagte am Freitag in Potsdam: "Ich sehe mich aufgrund des öffentlichen Drucks veranlasst, meine Funktionen niederzulegen. Eine große Mehrheit der Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung fordert meine Abberufung. Das Vertrauen in eine unabhängige, unbeeinflusste Geschäftsführung ist damit stark beeinträchtigt. Um Schaden von den Gesellschaften, der Landeshauptstadt Potsdam und meiner Familie abzuwenden, habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen."

Paffhausen war vorgehalten worden, er habe im Jahr 2001 die städtische Wohnungsgesellschaft Gewoba und deren Geschäftsführer Horst Müller-Zinsius bespitzeln lassen. Dazu soll er die Firma eines früheren Mitarbeiters der DDR-Staatssicherheit beauftragt haben. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hatte bestätigt, dass das aus einem anonymen Schreiben hervorgehe, das Müller-Zinsius Ende 2010 erhalten habe.

Jakobs hatte eine Rechtsanwaltskanzlei mit der Untersuchung des Falls beauftragt. Diese hatte am Mittwoch bei einer Sondersitzung des EWP-Aufsichtsrates einen Bericht vorgestellt, wonach es keine Spitzeleien gegeben habe, sondern lediglich Untersuchungen der Wohnungsgesellschaft Gewoba. Der Aufsichtsrat missbilligte das, lehnte aber mit deutlicher Mehrheit einen Antrag auf Abberufung Paffhausens ab.

In der Stadtverordnetenversammlung gab es dennoch vor allem in der Rathauskoalition aus SPD, CDU, FDP und Grünen Forderungen nach einer Abberufung. Paffhausen kam dem nun zuvor. Er galt es einer der mächtigsten Geschäftsmänner in Potsdam. Der 61-Jährige war seit 1997 in der brandenburgischen Landeshauptstadt tätig, zunächst als Geschäftsführer der Energieversorgung Potsdam GmbH, seit Oktober 2000 als Geschäftsführer der Stadtwerke und seit 2002 auch als Geschäftsführer der EWP.

Oberbürgermeister und Aufsichtsratschef Jakobs akzeptierte den Rückzug Paffhausens, bedauerte ihn aber auch. Potsdam verliere eine Persönlichkeit, die die Stadt und ihre Unternehmen geprägt habe. Das sei ein herber Verlust. Paffhausen habe die Stadtwerke zu einem bundesweit anerkannten Konzern entwickelt.

Ob Paffhausen, dessen Vertrag noch bis Ende 2014 gelaufen wäre, eine Abfindung erhält, sagte Jakobs nicht. Die Ämter von Paffhausen sind bereits neu besetzt - zumindest vorübergehend. Bis über eine Ausschreibung neue Geschäftsführer berufen werden, leiten die bisherigen Prokuristen Wilfried Böhme und Holger Neumann die EWP, sagte Jakobs. Das Unternehmen solle auch künftig von einer Doppelspitze geführt werden. Die Geschäftsführung für die Stadtwerke übernimmt bis zur Neubesetzungen Stadtkämmerer und Bürgermeister Burkhard Exner.