Manfred Stolpe

"Unverzagt und frohgemut"

Der Mutmacher. Der Zuverlässige. Der Erklärer. Der Lotse. Die Zahl der Beinamen, die Manfred Stolpe an seinem 75. Geburtstag von Gratulanten gegeben werden, ist schier unerschöpflich. Gerhard Schröder würdigt Stolpe als den "Zuversichtlichen".

Diese Eigenschaft habe er bei seinem Parteifreund immer bewundert, gibt der Altkanzler in seiner Rede beim Festakt im Potsdamer Nikolaisaal zu. "Er hat diese unverzagte und frohgemute Ausstrahlung, die durchaus etwas Magisches hat", sagt Schröder. "Und es gibt keinen Politiker, für den die Hinwendung zu den Menschen so elementar ist." Mit diesen Eigenschaften habe Stolpe nach der Wiedervereinigung "wesentlich daran mitgewirkt, die Menschen in Ost und West zusammenzuführen und die Spaltung Deutschlands zu überwinden".

Manfred Stolpe, der am 16. Mai 1936 im heute polnischen Stettin geboren wird, tritt 1959, nach dem Studium in Jena, als Jurist in den Dienst der evangelischen Kirche. "Wer in dieser Zeit als Jurist zur Kirche in der DDR geht, wählte nicht den einfachen Weg", sagt der evangelische Alt-Bischof Wolfgang Huber, der Stolpes Verdienste für die Kirche lobt und ihn als "Brückenbauer" bezeichnet.

Stolpe macht in der Kirche in den 60er- und 70er-Jahren Karriere und übernimmt schließlich 1982 als Konsistorialpräsident die Leitung der Ost-Berliner Verwaltung der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg. Als Jurist war er zugleich langjähriger Chef-Unterhändler der evangelischen Kirche mit der DDR-Staatsführung. Dies führte später auch zum Vorwurf, er habe dabei eine zu große Nähe zur Stasi aufgebaut.

"Man brauchte damals die vorpreschenden Bürgerrechtler - man brauchte aber auch den, der sie aus dem Knast holte", sagt Huber. Es sei auch Stolpe zu verdanken, dass sich die Kirche in der DDR die Eigenständigkeit bewahren und eine solch entscheidende Rolle bei der Wende spielen konnte, lobt Alt-Bischof Huber. "Dafür allergrößten Respekt, ohne jede Einschränkung." 1990 trat Stolpe in die SPD ein und war bis 2002 erster Ministerpräsident des neuen Bundeslandes Brandenburg. Danach ging er als Verkehrsminister ins rot-grüne Kabinett unter Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Unter den Gratulanten sind an diesem Montag auch die ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Frank-Walter Steinmeier (SPD). Der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière (CDU) gratuliert Stolpe ebenso wie die Sängerinnen Katja Epstein und Dagmar Frederic sowie die Botschafter Polens und Russlands, deren Länder Stolpe bei der Kontaktpflege mit Osteuropa besonders am Herzen liegen. SPD-Urgestein Egon Bahr lobt Stolpe als "Versöhner" in Deutschland und Europa. Bahr sagt, die "Kampagne" gegen Manfred Stolpe wegen dessen Stasi-Vergangenheit sei "schändlich" gewesen und fordert eine "Versöhnung ohne Vergessen" für Deutschland.

Mittlerweile widmet sich Stolpe, unterbrochen von einer Krebserkrankung, vor allem der Denkmalpflege. Als Vorsitzender des Brandenburger Denkmalbeirats nutzt er deshalb auch den Geburtstags-Empfang, um bei seinen Geburtstagsgästen für Projekte und Spenden zu werben.