Veranstaltung

Ansturm auf das Blütenfest in Werder

Johannisbeer-, Rhabarber- oder Quittenwein aus der Plastikflasche oder dem Pappbecher zu trinken ist nicht jedermanns Sache. Doch diese Einschränkung nehmen auch Gourmets gern in Kauf. Man trinkt aus Plastik und Pappe, der Sicherheit wegen.

Der guten Stimmung auf dem 132. Baumblütenfest tut das keinen Abbruch. Und die Sicherheitsmaßnahmen scheinen aufzugehen. Bislang gab es kaum Zwischenfälle.

Das Verbot von Glasflaschen in Zügen, auf den von Potsdam ablegenden Ausflugsdampfern und den Straßen und Plätzen Werders ist - neben am Bahnhof installierten Videokameras und einem erweiterten Wegeleitsystem - nur ein Aspekt des neuen Sicherheitskonzepts für das mittlerweile zweitgrößte Volksfest Deutschlands, bei dem insgesamt rund 500 000 Besucher erwartet werden. Nach Angaben der Bundespolizei reisten allein am vergangenen Wochenende 28 000 Besucher mit der Bahn an. Bei herrlichem Wetter mit Temperaturen deutlich über 20 Grad stellen sich die Veranstalter abermals auf einen großen Ansturm ein.

Die haben aus den Erfahrungen der Vorjahre gelernt. Die schmale Brücke, die die Festmeile auf dem Festland mit der Inselstadt verbindet, kann laut Polizei zum Nadelöhr werden - eine potenzielle Gefahr. Die Lösung ist nun eine 3,20 Meter breite, parallel zur Inselbrücke verlaufende Pontonbrücke. Die können nicht nur die Einsatzkräfte nutzen, wenn die Brücke überfüllt ist, sondern auch Festteilnehmer. Bislang musste auf den Notbehelf aber noch nicht ausgewichen werden.

Werders erste Beigeordnete Manuela Saß zeigt sich zufrieden: "Die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Stadt und Veranstalter klappt reibungslos. Das Sicherheitskonzept hat sich bislang bewährt." Tatsächlich ist die Zahl der Zwischenfälle im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Alkohol ist Ursache für Straftaten

Am Auftaktwochenende nahm die Polizei 58 Personen in Gewahrsam, sprach 72 Platzverweise für das Festgelände aus, registrierte 35 Körperverletzungen, drei Diebstähle, drei Sachbeschädigungen und neun Mal Widerstand gegen Polizeibeamte. Promille im Blut ist beim Baumblütenfest die häufigste Ursache für Straftaten. Noch vor einem Jahr zählte die für die Sicherheit in den Zügen zuständige Bundespolizei 65 Delikte. Am vergangenen Wochenende blieb es bei 25. Das Glasflaschenverbot scheine den Konsum von Alkohol und dessen Folgen zu zügeln, sagt Doreen Kinzel, Assistentin der Festsprecherin. "Bei Zwischenfällen greifen die Sicherheitsleute oder die Polizei außerdem sofort ein." Nachdem am Auftaktwochenende Zehntausende Besucher den Festumzug mit 70 geschmückten Wagen samt neuer Baumblütenkönigin Victoria Tremel sehen wollten, ist es wochentags in Werder eher ruhig. Vor allem die Tatsache, dass die Temperaturen zu Beginn der Woche deutlich gesunken waren, machte den Obstbauern, Schmuck-, Bratwurst- und Fischverkäufern, die an mehr als 400 Ständen ihre Produkte anbieten, zu schaffen. Bands wie die Berliner Musiker Station 3 oder die zwei Cowboys von Twango Guitars, die auf zwei von sechs Bühnen spielen, müssen sich mit dem Beifall von nur sechs fröstelnden Besuchern zufriedengeben. Nur wenige Feierwillige sind während der Woche auf dem Hohen Weg, der Friedrichs- oder Bismarckhöhe, auf den Plantagen am Panoramaweg oder im Stadtzentrum anzutreffen.

Dass Ostern in diesem Jahr so spät gefeiert wurde und daher das Baumblütenfest verschoben habe, habe die Besucher bereits um die Süßkirschenblüte gebracht, sagt Stefan Lindicke vom gleichnamigen Obsthof. Apfel und Sauerkirsche präsentierten sich jedoch noch in aller Pracht. Den Nachteil zum Vorteil nutzen, das ist Lindickes Devise. "In der Woche lohnt es sich, die Höfe und Plantagen rund um Werder aufzusuchen. Die Bauern nehmen sich Zeit, führen in ihre sonst gut bewachten Felder und plaudern bei einem Glas Obstwein." Nicht nur mit der Havelbuslinie könne man die Gärten gut erreichen, auch der 15 Kilometer lange, für Radfahrer angelegte "Panoramaweg Werderobst", der von Petzow bis zum Derwitzer Mühlenberg reicht, eigne sich und werde bereits gut angenommen. Ein guter Tipp für dieses Wochenende, das warm und sonnig werden soll.

Anett Kleinke ist bewusst bereits während der Woche nach Werder gekommen. Die 38-jährige Potsdamerin zieht die ruhigen Wochentage dem Trubel am Sonnabend und Sonntag vor. Dass zahlreiche Buden und Obstweinstände am Dienstag schon gegen 16 statt um 22 Uhr geschlossen haben, zum Teil erst gar nicht öffnen, stört sie nicht. "Ich kann mich gemütlich hier mit Freunden treffen, meine zwei Kinder mitnehmen - alles ohne Schieben, Quetschen und Rummel."

Großes Abschlussfeuerwerk

Renate Gassan aus Friedrichshain und Brigitte Göpel aus Lichtenberg ärgern sich darüber, dass so wenig los ist. Mit ihren Ehemännern sind sie per Zug nach Werder gekommen - um so richtig zu feiern. Nun stellen sie fest, dass sie die mehr als 100 Stufen vom Bahnhof auf die Traditionsstraße Hoher Weg umsonst genommen haben. Die Bratwurststände sind an diesem Tag verwaist, die Bierbänke hochgeklappt, der DJ hat längst eingepackt.

Am heutigen Sonnabend und morgigen Sonntag hingegen wird der Andrang wieder groß sein. Umrahmt wird das Fest nochmals von einem Programm mit Live-Musik und Attraktionen für Kinder. Am Sonntagabend gibt es zum Abschluss ein Feuerwerk. Die Gäste können sich an den Ständen versorgen, aber auch durch blühende Gärten spazieren und natürlich fruchtige Obstweine genießen.