Bootskonstruktion

Ein Fachwerkhaus, das schwimmt

| Lesedauer: 4 Minuten

Wenn Harald Busse in seinem Strandkorb sitzt und in den Sonnenuntergang über dem Scharmützelsee schaut, ist für ihn die Welt in Ordnung. Allerdings wird der 54-Jährige dabei oftmals von Passanten beobachtet.

Denn Busses Strandkorb steht nicht irgendwo, sondern auf der Terrasse seines schwimmenden Fachwerkhäuschens mit typischer Balkenkonstruktion und spitzem Schilfdach. So ein Eigenheim, das auf dem Scharmützelsee schaukelt, bekommt man nicht alle Tage zu sehen.

"Eigentlich", erzählt der selbstständige Immobilien-Unternehmer schmunzelnd, "wollte ich ein Häuschen auf dem Wasser, um meine Ruhe genießen zu können." So lautete schon vor 15 Jahren der Plan, mit dem sich Busse einen Traum erfüllen wollte. Im vergangenen Jahr nun hat er ihn wahr gemacht, doch von erholsamer Ruhe ist seitdem keine Spur. Die ungewöhnliche Konstruktion ist inzwischen so eine Attraktion, dass Ausflugsdampfer eine Extra-Schleife fahren, wenn das Boot am Ufer liegt. Ob Busse mit der 115 000-Euro-Produktion durch Berlin oder Potsdam schippert - überall versammeln sich schnell Schaulustige. Busse hat sich daran inzwischen gewöhnt, mit so großer Resonanz allerdings nicht gerechnet.

Originelles Boot wird in Serie gebaut

"Ständig fragen Leute an, ob ich mein Boot vermiete", erzählt der studierte Bauingenieur, der sein auf Pontons schwimmendes Häuschen "Der Vagabund" getauft und mit jeder Menge Komfort ausgestattet hat. Das zwölf Mal 4,5 Meter große Eigenheim besticht durch klassische Stichbogenfenster mit Blumenkästen, eine Einbauküche, eine gemütliche Sofaecke mit Kamin, eine luxuriöse Wellnessdusche und viel Platz, so dass sogar ein eigenes Schlafzimmer möglich war. Derzeit hat der erfinderische Bootsbauer und bekennende Fan der Fachbauweise sogar schon einen blinden Passagier an Bord:

In einem der Blumenkästen brütet eine Ente über acht Eiern. Was man dem fünf Meter hohen, mobilen Eigenheim nicht ansieht: Es steckt voller ausgeklügelter Technik. Allein 700 Meter Elektrokabel wurden verlegt. Busse steht quasi im Wohnzimmer am Steuer, blickt in den seitlichen Rückspiegel und demonstriert, wie wendig sich sein schwimmendes Domizil auf der Stelle drehen kann. Ein 35-PS-Motor inklusive zweier Seitenstrahlruder sorgt für die Fortbewegung. Das Spitzdach hat der Petersdorfer so konstruiert, dass es sich einklappen lässt, um unter niedrigen Brücken hindurch zu kommen. Zusätzlich gibt es einen Ballasttank, der mit 6000 Litern Wasser gefüllt zusätzlichen Tiefgang bringt. Vier Personen können nach Auskunft des Tüftlers zwei Wochen lang im "Vagabunden" Ferien machen, ohne einmal anlegen zu müssen. Dafür sorgen unter anderem ein kleines Wasserwerk, das 1500 Liter Seewasser für die Sanitäranlagen aufbereitet und ein 200-Liter-Benzin-Tank. Inzwischen hat er sich Konstruktion und Aussehen seines "Vagabunden" patentieren lassen. Und der ist als Sportboot amtlich zugelassen. Ende April geht es für sein schwimmendes Fachwerkhäuschen erneut auf große Fahrt: "Über Berlin, Potsdam und Magdeburg schippere ich nach Hamburg, um dort den Ponton für ein weiteres Hausboot abzuholen", erzählt Busse. Weil das Interesse so groß ist, will er seinen "Vagabunden" nun in Serie produzieren - allerdings mit 3,50 Mal sechs Metern etwas kleiner als Original. In der Fürstenwalder Werkhalle, die er schon angemietet hat, sollen in diesem Jahr auch drei kleinere Boote entstehen, die Abenteuer à la Huckleberry Finn versprechen. "Die sehen aus wie Flöße mit einer kleinen Hütte drauf, wie man sie eben von Mark Twains Helden kennt", beschreibt Busse. Wenn die Floß-Boote fertig sind, kann er den zahlreichen Interessenten endlich etwas bieten. Denn: "Vermieten darf ich mein eigentliches Hausboot bisher noch nicht. Da gibt es einige bürokratische Hürden", deutet er an. Gern nimmt der 54-jährige Freizeitschiffer jedoch Gäste mit, die mit dem "Vagabunden" einmal ein paar Runden drehen wollen. Auch für Firmenevents und Familienfeiern steht das schwimmende Fachwerkhäuschen inklusive Kapitän Busse zur Verfügung. Wer mehr über die Boote erfahren will, kann sich unter www.derVagabund.de informieren.