Regine Hildebrandt

Platzeck ehrt frühere Sozialministerin

Es gab sogar den legendären Frankfurter Kranz. Der Kuchen - mit Margarine statt Buttercreme und gerösteten Haferflocken statt Mandeln - durfte bei keiner Familienfeier der Hildebrandts fehlen.

In der Potsdamer Staatskanzlei gedachten am Dienstag anlässlich ihres 70. Geburtstags etwa 150 geladene Gäste der vor knapp zehn Jahren verstorbenen Sozialministerin Regine Hildebrandt. Zu dem Festakt waren neben ihrem Mann, den Töchtern und Enkelkindern viele Weggefährten gekommen - darunter die frühere Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, Heide Simonis (SPD).

Auch die Mitarbeiter, die einst wegen der Fördermittel-Affäre unter Regine Hildebrandt auf der Anklage-Bank saßen, erwiesen der streitbaren früheren Ministerin die Ehre.

Ministerpräsident Matthias Platzeck und Sozialminister Günter Baaske (beide SPD) erinnerten an die "Mutter Courage des Ostens". So bescheiden Regine Hildebrandt in eigener Sache gewesen sei, so hartnäckig habe sie bei Belangen des Landes sein können, sagte Platzeck. "Weichgespülte Sprechblasen waren nicht ihr Ding." In ihrer neunjährigen Amtszeit von 1990 bis 1999 stritt sie wortgewaltig für die sozial Benachteiligten. "Könnte Regine Hildebrandt heute durchs Land fahren, wäre sie sicher froh, über unsere Gesundheitszentren, die modernisierten Krankenhäuser und Netzwerke für gesunde Kinder", sagte Platzeck. Ihr Mann Jörg Hildebrandt machte in seiner Ansprache allerdings keinen Hehl daraus, dass seine Frau mit der heutigen SPD keineswegs einverstanden wäre. "Hartz IV wäre für sie undenkbar gewesen."

Auch Grünen-Fraktionschef Axel Vogel zeigt sich davon überzeugt, dass Regine Hildebrandt mit ihrer Partei ein Problem hätte. "Platzeck und die Sozialdemokraten berufen sich zwar bei fast jeder Gelegenheit auf ihre Ikone, doch das kann nicht über den Zustand der SPD hinwegtäuschen", sagte Vogel. Für CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowski steht fest: "Das Kernproblem der SPD ist, dass ihr die Führungspersönlichkeiten ausgehen." Daher müssten Regine Hildebrandt und Ex-Regierungschef Manfred Stolpe immer wieder herhalten. Am 16. Mai will die SPD den 75. Geburtstag Manfred Stolpes mit viel Prominenz begehen.