Umwelt

Gutachten stützt Gegner der CO2-Speicherung

Im Streit um die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid bekommen die Gegner Unterstützung durch ein aktuelles Gutachten. Nach Ansicht des niedersächsischen Geologen Ralf E. Krupp birgt die umstrittene Technologie erhebliche Risiken für das Grundwasser in einem Umkreis von 100 Kilometern.

Krupp hatte im Auftrag des Amtes Barnim-Oderbruch die Pläne für die Speicherung des Klimagases im Oderbruch untersucht.

Laut dem 54-seitigen Gutachten könnten durch die Verpressung Erdverschiebungen und Lecks entstehen. Durch den entstehenden Überdruck könnte Salzwasser aus tieferen Schichten nach oben steigen. Die Folge wäre eine Versalzung des Trinkwassers in weitem Umkreis. Ein Radius von 100 Kilometer rund um den geplanten Erkundungsort Neutrebbin (Märkisch-Oderland) würde den größten Teil Brandenburgs, den Stadtstaat Berlin, die südlichen Teile Mecklenburg-Vorpommerns und weite Teile Polens einschließen, heißt es in dem Gutachten. Innerhalb dieses Umkreises befänden sich mehrere Hundert Wasserwerke mit ausgewiesenen Schutzgebieten. Damit sei auch das vom Energiekonzern Vattenfall gewählte Erkundungsgebiet viel zu klein.

Vattenfall-Sprecherin Katharina Bloemer wies Krupps Szenarien am Mittwoch als "nicht seriös" zurück. Für abschließende Aussagen über Gefahren für das Grundwasser sei es viel zu früh, sagte sie. Ob das geplante Gebiet geeignet sei, könne erst nach der Erkundung und der anschließenden Analyse bewertet werden.

Wie berichtet, erprobt der Energiekonzern in der Lausitz die sogenannte CCS-Technologie (Carbon Dioxide Capture and Storage). Die neue Technologie sieht vor, das bei der Verbrennung in den Braunkohle-Kraftwerken entstehende Kohlendioxid (CO2) aus den Rauchgasen zu entfernen, zu verflüssigen und unter Druck unter die Erde zu pumpen. Die rot-rote Landesregierung hatte im Koalitionsvertrag festgelegt, dass neue Kraftwerke nur noch zugelassen werden, wenn zuvor die unterirdische Speicherung von CO2 erfolgreich erprobt worden ist. Zur Speicherung sollen zwei mögliche Lagerstätten in Ostbrandenburg erkundet werden. Neben Neutrebbin gilt Beeskow (Oder-Spree) als möglicher Standort. Mit dem jüngst vom Bundeskabinett verabschiedeten CCS-Gesetz sieht das Land die Technologie allerdings vor dem Aus. Das Gesetz sieht Ausstiegsklauseln für die betroffenen Bundesländer vor. Brandenburg steht mit seinen Plänen zur Erkundung allein. Der Bund "beerdige" damit faktisch die Erforschung der Technologie, kritisierte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).

In den betroffenen Regionen hält der Widerstand an. Mit einem Ostermarsch will eine Bürgerinitiative an diesem Sonnabend in Neutrebbin protestieren. Der Veranstalter erwartet mehrere Hundert Teilnehmer aus Brandenburg und Berlin. "Wir lehnen die CO2-Verpressung und auch die Erkundung ab. Das muss endlich auch die Regierung Platzeck akzeptieren", sagte eine Sprecherin.