Verkehr

Flugrouten: Ministerium wehrt sich gegen Trickserei-Vorwurf

Das Brandenburger Infrastrukturministerium hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach es im Streit um die Flugrouten für den künftigen Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) jahrelang die Öffentlichkeit getäuscht habe.

Wie Sprecher Lothar Wiegand am Montag mitteilte, habe das Ministerium "nicht getrickst". Damit widersprach Wiegand einem Bericht der "Bild"-Zeitung. Dieser enthalte nichts Neues, sagte der Sprecher.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung war dem Ministerium seit dem Jahr 1998 bewusst, dass zwei Flugzeuge auf den parallelen Startbahnen aufgrund von Sicherheitsvorschriften nicht im Geradeausflug in den Himmel steigen könnten. In den öffentlichen Unterlagen des Planfeststellungsverfahrens waren dann jedoch geradeaus führende Abflugrouten vorgesehen. Die Notwendigkeit, Flugzeuge nach dem Start eine Kurve fliegen zu lassen, sei bekannt gewesen, hieß es in dem Bericht. Dementsprechend wird der Vorwurf gegenüber dem brandenburgischen Ministerium erhoben, dieses habe versucht, "die unbequeme Wahrheit so lange wie möglich zu verschleiern".

Als Beleg wird eine E-Mail eines Mitarbeiters der Deutschen Flugsicherung (DFS) angeführt. Darin behauptet der Verfasser, der damalige Leiter der Planfeststellungsbehörde im Ministerium habe von den abknickenden Routen gewusst. Der Behördenleiter soll sich laut E-Mail im Sinne des damaligen Flughafenchefs Götz Herberg bei der DFS dafür eingesetzt haben, davon zunächst nichts öffentlich zu erwähnen.

Im Streit um die Flugrouten hat nun das Gericht das letzte Wort. Wie berichtet, sind in Leipzig beim Bundesverwaltungsgericht mehrere neue Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss eingegangen. Noch in diesem Jahr soll entschieden werden. Die Richter haben aber in Schreiben an die Kläger angezweifelt, dass ausreichend Gründe für die Wiederaufnahme des Verfahrens vorliegen. Parallel sucht die Fluglärmkommission nach einem Routen-Kompromiss. Nach einer Lösung für die ersten Kilometer sind die Verhandlungen ins Stocken geraten.