Stadtplanung

Brandenburgs Dörfer als Spielwiese der Stararchitekten

Neue Sachlichkeit und Bauhaus - das waren die Stichworte, die man noch vor einigen Jahren ausschließlich mit der Baukunst der Weimarer Republik verband. "Das hat sich - zumindest in Expertenkreisen - schon geändert", sagt Bernhard Schuster, Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer.

Einem breiteren Publikum zu vermitteln, dass gerade das Flächenland Brandenburg mit vielfältigen imposanten Beispielen der Moderne aufwarten kann, soll die neue Ausstellung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte im Kutschstall am Neuen Markt leisten. Die von der Brandenburgischen Architektenkammer initiierte Schau "Aufbruch in die Moderne. Architektur in Brandenburg 1919 bis 1933" gibt bis 7. August erstmals einen repräsentativen Überblick des Bestandes in der Mark.

Ausgetobt haben sich hier keineswegs Unbekannte. Stars ihrer Zunft wie Bruno Taut, Walter Gropius, Hannes Meyer, Mies van der Rohe oder Erich Mendelsohn nutzten Kleinstädte und Dörfer vor den Toren Berlins als architektonische Spielwiese und Experimentierfeld. "Wer die Ergebnisse heute sieht, sollte sein Urteil nicht auf Schönheit und Ästhetik reduzieren", sagt Schuster. "Hier werden vielmehr der gesellschaftliche Wertewandel, der Aufbruch in eine neue Zeit, die Suche nach neuen Lebensmodellen zum Ausdruck gebracht." Die Gestalter zogen klare den verschnörkelten Formen vor, griffen zu neuen Materialien wie Glas, Beton und Stahl und setzten bewusst Farbe ein. Licht, Luft und Sonne sollte es für alle geben. Hinweg mit dem Prunk und Kitsch der Wilhelminischen Zeit, lautete der Anspruch.

38 von insgesamt 300 Bauten und Ensembles in Brandenburg haben die beiden Kuratorinnen Nicola Bröcker und Simone Oelker-Czychowski für die Ausstellung ausgewählt. Die 1921 gegründete Handwerkersiedlung Gildenhall bei Neuruppin steht für ein neues Lebensmodell in der jungen Republik. Die Wohnsiedlungen in Brandenburg an der Havel, Frankfurt (Oder) und Luckenwalde sind Musterbeispiele für innovative Wohnformen. Reformschulen, Pädagogische Akademien und Wohlfahrtseinrichtungen dokumentieren die Lebensreformbewegung. Mies van der Rohes Villa Mosler in Potsdam ist Beispiel für die neue Lebensweise am grünen Rand der Metropole Berlin.