Wohnbauprojekte

Villen für Familien

Den Begriff Bückware muss man dem Potsdamer Baubeigeordneten Matthias Klipp (Bündnisgrüne) nicht erklären. Um Begehrtes, das es zu DDR-Zeiten offiziell nur schwer zu kaufen gab, das nur ab und an unter der Ladentheke zu haben war, weiß der gebürtige Ost-Berliner aus Erfahrung.

Die ist aktuell wie nie. Um eine Art Bückware handelt es sich nämlich auch bei dem Wohnpark, den die Berliner Groth-Gruppe von Ende Mai an zwischen dem Voltaireweg und der Pappelallee für rund 30 Millionen Euro errichten will. Denn der Wohnraum ist knapp geworden in Potsdam. "Und Groth bringt das, was wir in der Stadt dringend brauchen - Wohnungen", kommentiert Klipp am Donnerstag den symbolischen ersten Spatenstich auf dem 11 000 Quadratmeter großen Areal in der Jägervorstadt.

Drei Stadtvillen und ein Torhaus mit insgesamt 68 Wohnungen hat der Entwicklungs- und Immobiliendienstleister konzipiert - als Mietwohnungen. In vier weiteren Stadtvillen sollen zudem 48 Eigentumswohnungen entstehen - eingebettet in das historische Ensemble der ehemaligen kaiserlichen Kasernenanlagen. Raumhöhen von bis zu drei Metern, Eichenparkett, große Fenster, Fußbodenheizung, Balkone, Loggien, Treppenhäuser aus Naturstein, Aufzug, Tiefgarage und Fahrradkeller machen deutlich, wen das Unternehmen als Mieter und künftige Eigentümer ansprechen möchte: nicht die Luxus-, aber eine gut situierte Klientel.

Vor allem Familien wolle man erreichen, sagt Klaus Groth, der geschäftsführende Gesellschafter der Groth-Gruppe. Nicht nur wegen des in einem Garten-Rondell geplanten Kinderspielplatzes. Geräumige Wohnungen mit bis zu vier Zimmern und Penthäuser mit Flächen bis zu 140 Quadratmetern machen das Gros aus. Nur ein kleiner Teil der neu entstehenden Wohnungen beschränkt sich auf zwei Zimmer mit 40 Quadratmetern. Ein Mix, an dem auch Baudezernent Klipp Gefallen findet. "Private Bauherren bauen in Potsdam aus finanziellen Gründen meist kleiner. Hier haben wir einmal ein anderes Beispiel."

Potsdam idealer Wohnort

Dass Groth offenbar richtig liegt, bestätigt eine erste vorläufige Bilanz: "Bereits vor dem offiziellen Projektstart haben wir 22 Prozent der Villen-Appartements veräußern können. Und die Anfragen reißen nicht ab." Potsdam mit seinem barocken Stadtkern und seiner guten Anbindung an Berlin biete sich als Wohnstandort geradezu an, sagt Groth. Außerdem sei die Stadt ein einmaliger Kulturstandort.

Es ist nicht das erste Projekt, das die Groth-Gruppe in Potsdam unsetzt. Schon zwischen 1993 und 2002 engagierte sich das Unternehmen im Kirchsteigfeld. Mit einem Investitionsvolumen von rund 850 Millionen Euro ist - im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages mit dem Land Brandenburg und der Stadt Potsdam - eine neue Vorstadt für rund 7500 Bewohner aus dem Boden gestampft worden. Auf einem 60 Hektar großen Grundstück im Stadtteil Drewitz hat die Groth-Gruppe 3200 Wohnungen inklusive Infrastruktur mit Schulen, Kindergärten und Freizeiteinrichtungen verwirklicht. An der Glienicker Brücke zog das Unternehmen kurz nach der Wende das Wohnbauprojekt Arkadien hoch: mehrere Stadtvillen rund um die historische Villa Kampffmeyer. Nur wenige Gehminuten vom Potsdamer Hauptbahnhof entfernt, will Groth nun im mittleren Teil der Speicherstadt weitere 260 Wohneinheiten schaffen. 80 Millionen Euro sollen in das rund 11 350 Quadratmeter große Areal zwischen der Leipziger Straße und dem südlichen Havelufer fließen.

Investoren wie die Groth-Gruppe, die Prinz von Preußen Grundbesitz AG und die Firma Semmelhaack sind es, die laut Baudezernent Klipp eine Säule des Wohnungsbaugeschehens in der Stadt ausmachen. "Städtische Wohnungsbauunternehmen und die Aktivitäten von Genossenschaften bilden die zweite Säule", sagt Klipp. Bislang könnten die allerdings nicht in ausreichendem Maße liefern, was Potsdam tatsächlich benötige: rund 1000 neue Wohnungen jährlich. Eine Zahl, die nicht zu tief gegriffen erscheint - bei einem prognostizierten Bevölkerungswachstum von derzeit rund 150 000 auf 167 000 Einwohner im Jahr 2020. Klipp gibt sich optimistisch und setzt auf ein drittes Standbein: Baugruppen und Baugemeinschaften. "Bürger, die sich privat zusammenschließen und selbst ein Mehrfamilienhaus bauen, sind in Berlin längst keine Seltenheit mehr. Im Gegenteil, die machen Unternehmen wie der Groth-Gruppe extreme Konkurrenz", sagt Klipp und hofft auf entsprechende Initiativen auch in Potsdam. Ausreichende Baulandreserven seien in der Stadt vorhanden. Im Fokus stehen dabei das Bornstedter Feld, die Potsdamer Mitte, der Bereich um den Hauptbahnhof, die Speicherstadt, der Brauhausberg, das Areal am ehemaligen Straßenbahndepot in der Heinrich-Mann-Allee sowie der Ortsteil Eiche.