"Theatersommer Sanssouci"

Die Lust am Schauspiel unter freiem Himmel

Sie war die Amy Winehouse des 18. Jahrhunderts. Mit einer Stimme, die drei Oktaven umfasste, lagen Europas Adel, Dichter und Denker Gertrud Elisabeth Mara zu Füßen. Goethe widmete der Primadonna euphorisch gleich zwei Gedichte, Mozart, Schiller und Napoleon waren von ihr begeistert.

Im September will Dramaturg und Regisseur Nils Niemann das bewegte Leben und Wirken der Mara auf die Bühne bringen. Nur eine von drei Produktionen des diesjährigen "Barocken Theatersommers Sanssouci", der im Schlosstheater des Neuen Palais im Park Sanssouci Einblick ins Theaterschaffen des 18. Jahrhunderte ermöglicht.

Seit 2008 wird das besondere Angebot von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und dem Potsdamer Ensemble "I Confidenti" jährlich auf die Beine gestellt. 2000 Besucher nahmen allein im Vorjahr auf den roten Plüschbänken im Saal des Schlosstheaters Platz.

Den Auftakt zum Theatersommer bildet am 13. Mai ein musikalisch-szenisches Bühnenstück mit Puppenspiel, Pantomime, Barocktanz und Gesang. Titel: "La fête champêtre - Ein Theaterfest auf dem Land". "Im 18. Jahrhundert verbreitete sich die französische Mode, höfische Feste ländlich zu feiern, schnell in ganz Europa", sagt Regisseur Milo Pablo Momm. "Im Schlosstheater wollen wir genau so ein Fest auf die Bühne bringen - mit Musik, Tanz und Jahrmarkttheater." Zu den Überraschungen gehöre das integrierte Puppenspiel, sagt Momm. Beim Vorläufer des Kasperle-Theaters sei es allerdings reichlich derb zugegangen. Statt um Krokodile, die vom Kasper eins auf die Nase bekommen, ging es um Wüteriche, die schon mal Ehefrau und Arzt ins Jenseits beförderten, berichtet Momm.

Unter dem Motto "Theater im Freien" können sich die Besucher bei einer Führung durch den Park Sanssouci auf das barocke Theaterfest einstimmen. "Mit dem Gartensalon lernen die Teilnehmer dabei einen wenig bekannten Theaterschauplatz des friderizianischen Rokoko kennen und erfahren von der Lust der Zeitgenossen an Theaterfesten unter freiem Himmel", ergänzt Marketingchefin Angela Wuschko. Insgesamt viermal wird das Theaterfest im Mai gefeiert.

Weiter geht es dann erst im September mit der zweiten Produktion des Theatersommers. Das Szenische Konzert "La Mara", das am 2. September seine Premiere im Schlosstheater feiert, ist der Primadonna gewidmet. Die startete einst auf genau dieser Bühne ihre Karriere. "In dem Konzert werden die Mara und ihre Bühnenpartner in furiosen und anrührenden Partien ihrer Laufbahn zu erleben sein", sagt Regisseur und Dramaturg Nils Niemann. Flankiert wird das von Doerthe Maria Sandmann und Jörg Waschinski gesungene und vom Barock-Ensemble der Berliner Universität der Künste begleitete Konzert von zeitgenössischen Texten und pantomimischen Spielszenen. Auch zu "La Mara" wird es wieder ein Vorprogramm geben. Unter der Überschrift "Der König und seine Künstler" ist eine Führung durch ausgewählte Räume des Neuen Palais geplant. "Am authentischen Ort wollen wir Einblicke geben in den vielfältigen musikalischen Alltag Friedrichs und in die spannungsreichen Beziehungen zu seinen Künstlern", erläutert Niemann.

An den Theaterabenden der Brandenburger Ritterakademie, in der im 18. Jahrhundert junge Adlige ausgebildet wurden, hat man sich bei der Produktion "Theatrum Mundi - Die Welt als Bühne" orientiert. "Das Theater galt im Barock als eine Schule des Lebens. Hier lernte man, sich elegant auf dem glatten Parkett des Hofes und der Politik zu bewegen und erfolgreich in Szene zu setzen", sagt Niemann. Mitgestaltet wird das Programm von Schülerinnen des Evangelischen Gymnasiums am Dom aus Brandenburg/Havel sowie Elevinnen des KinderTanzTheaters Berlin-Brandenburg.