Für behinderte und ältere Menschen

Mehr Mitarbeiter für den VBB-Begleitservice

Für Gerlinde Bendzuck ist die Sache klar. "Der Begleitservice ist ein ganz wichtiger Beitrag zur Integration", sagt sie. Bendzuck engagiert sich ehrenamtlich im Vorstand der Rheumaliga. Dafür ist sie viel unterwegs in der Stadt.

Früher war das schwierig mit dem Rollstuhl. Doch seit sie vor einem Jahr den Begleitservice des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) entdeckt hat, ist die Fahrt zu Terminen und Gesprächen kein Problem mehr. Mehrmals monatlich ruft sie an, die VBB-Mitarbeiter holen sie zu Hause ab, begleiten sie in Bus und Bahn und bringen sie wieder zurück. Für die Nutzer ist der Service kostenlos, bezahlen müssen sie nur ihren eigenen Fahrschein.

Die Mitarbeiter begleiten Fahrgäste in Bahn und Bus zu Theater-, Kino- oder Sportveranstaltungen, zu Arztterminen oder etwa zu einem Besuch bei Familie und Bekannten. Weil viele Menschen, vor allem Ältere, Geh- oder Sehbehinderte, aber auch Mütter mit Kinderwagen oder Reisende mit schwerem Gepäck das Angebot ebenso schätzen wie Gerlinde Bendzuck, stockt der VBB jetzt sein Personal auf. Gut 100 Mitarbeiter sollen es Anfang April sein, doppelt so viele wie beim Start im Herbst 2008. Möglich wird das auch mit Unterstützung der Berliner S-Bahn. Als Teil des Entschuldigungspaketes für die andauernde Krise finanziert die Bahn-Tochter drei Jahre lang die Geschäftsstelle und die Ausstattung der Begleiter mit jährlich gut 100 000 Euro.

Das Projekt finde inzwischen europaweit Beachtung, sagt VBB-Chef Hans-Werner Franz. Langzeitarbeitslose werden dafür eigens geschult. Finanziert von Bund und Land, verdienen sie anschließend monatlich 1300 Euro brutto. Eine Win-win-Situation - so scheint es - für Arbeitslose und Behinderte gleichermaßen. Brandenburg (Havel) und Cottbus planen deshalb vergleichbare Angebote.

Doch die Erfolgsgeschichte verlief nicht immer reibungslos. Im Sommer 2010 stand der Begleitservice scheinbar schon vor dem Aus. Gerade noch 30 Mitarbeiter konnten bezahlt werden. Behindertenverbände protestierten. Grund schon damals: die komplizierte Konstruktion des Projekts. Der Service ist Teil des öffentlichen Beschäftigungssektors (ÖBS). 900 Euro zahlen die Jobcenter den Begleitern, den Restbetrag übernimmt das Land. Und genau deshalb droht dem in dieser Form deutschlandweit einmaligen Angebot möglicherweise neues Ungemach. Der gesamte ÖBS ist zum Streitfall in der rot-roten Berliner Regierungskoalition geworden. Derzeit sind die Landeszuschüsse für neue Verträge gesperrt. Heute treffen sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) zum Chefgespräch.

Die Bilanz des Begleitservice bietet Bluhm zumindest Argumente für eine Fortsetzung der bisherigen Praxis. In Berlin zählte der VBB seit 2008 etwa 21 000 Begleitungen, 2010 waren es 11 800. Begleitet wird täglich von 7 bis 22 Uhr im gesamten Stadtgebiet einschließlich Flughafen Schönefeld. Und: "Bis heute gibt es keine einzige Kunden-Beschwerde", so Franz. Der Service ist unter Tel. 25 41 44 14 oder im Internet ( www.vbbonline.de/begleitservice ) erreichbar. Bestellungen sollten spätestens am Vortag des Wunschtermins erfolgen. Das Büro ist werktags von 8 bis 16 Uhr geöffnet.