Polizei

Schatzmeister der Grünen gefasst

Der vor Wochen untergetauchte Landesschatzmeister der Grünen, Christian Goetjes, ist in Berlin gefasst worden. Der 33 Jahre alte Mann steht unter Verdacht, mit 36 000 Euro aus der Parteikasse geflüchtet zu sein. Beamte des Landeskriminalamtes Brandenburg stellten den mit Haftbefehl Gesuchten am Freitag in der Hauptstadt. Unter Einhaltung von Meldeauflagen kam er wieder auf freien Fuß.

Goetjes, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtparlament von Hohen Neuendorf (Oberhavel) und Landesschatzmeister seiner Partei, hatte Mitte Februar aus persönlichen Gründen sämtliche politischen Ämter niedergelegt und war plötzlich verschwunden. Auch seine Familie konnte ihn nicht mehr erreichen, und so stellte der Vater des Kommunalpolitikers am 19. Februar eine Vermisstenanzeige. Als Vorstandsmitglieder das Parteikonto überprüften und feststellten, dass in den vorangegangenen Tagen mehrfach Barabhebungen in einer Höhe von insgesamt 36 000 Euro getätigt wurden, stellte der Landesvorstand der Partei Strafanzeige gegen Goetjes wegen des Verdachts der Untreue. Zunächst war sogar von 40 000 Euro ausgegangen worden.

Das Geld wurde der Grünen-Landesvorsitzenden Annalena Baerbock zufolge in mehreren Chargen in bar abgehoben. Offenbar hatten die Parteimitglieder so großes Vertrauen in den 33-Jährigen, dass nur er über das Konto verfügen konnte. Vor dem Hintergrund des Untreueverdachts stellte die Staatsanwaltschaft Potsdam beim zuständigen Amtsgericht im März Haftbefehl.

Nach intensiver Fahndungs- und Ermittlungsarbeit des Brandenburger Landeskriminalamtes konnte zunächst das Fahrzeug des verschwundenen Politikers, ein Audi 80, in Berlin sichergestellt werden. Daraufhin legten sich die Fahnder auf die Lauer und hatten Erfolg. Am Freitag nahmen Beamte des Landeskriminalamtes aus den Bereichen Wirtschaftskriminalität und Geldwäschebekämpfung Goetjes gegen 21 Uhr fest. Wo genau der Zugriff in Berlin erfolgte, teilte das Landeskriminalamt nicht mit. Der 33-Jährige wurde am Sonnabendvormittag einer Haftrichterin am Amtsgericht Potsdam vorgeführt.

Wo sich der Gesuchte in den vergangenen Wochen versteckte, wollte LKA-Sprecher Toralf Reinhardt nicht sagen. In der Vernehmung vor dem Amtsgericht Potsdam habe sich Christian G. zu den Vorwürfen geäußert. Reinhardt machte keine Angaben dazu, ob er auch gestand.

Nach seiner Aussage ließ die Richterin den Grünen-Politiker nur unter Meldeauflagen wieder auf freien Fuß: Der in Berlin wohnende G. muss sich während des Ermittlungsverfahrens regelmäßig bei der Berliner Polizei melden und sich auch in der Hauptstadt aufhalten.

Grünen-Landesvorsitzende Annalena Baerbock äußerte sich erleichtert, dass Christian G. nichts zugestoßen ist. Nach der Festnahme hofft Baerbock nun, dass sich der Fall schnell aufklärt. "Das wäre allein für unsere Buchführung wahnsinnig wichtig", sagte Baerbock.

Schon zum Zeitpunkt seines Verschwindens liefen gegen Christian G. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Eberswalde wegen des Verdachts der Geldwäsche. Sie werden nach Angaben des Landeskrimilamtes Brandenburg fortgesetzt. Einem Finanzunternehmen waren im vergangenen Jahr Unregelmäßigkeiten bei Geldgeschäften des 33-Jährigen aufgefallen, die dieser im Mai und Juni 2010 getätigt haben soll. Die Ermittler hatten den Verdacht geäußert, es könne sich um Geld aus Straftaten handeln.

Das Amt des Schatzmeisters hat derzeit der neben Baerbock amtierende Landesvorsitzende Benjamin Raschke inne. Er soll dieses Amt übergangsweise bis zu regulären Wahlen im Herbst weiterführen, sagte Baerbock. Kurz nach dem Vorfall ließen die Parteiverantwortlichen die Sicherheitsmaßnahmen für interne Finanzgeschäfte verschärfen. Sowohl bei Barabhebungen wie auch beim Online-Banking müssen nun zwei Personen unabhängig voneinander den Transaktionen zustimmen.