Bauprojekt

Erbitterter Streit um die Potsdamer Synagoge

Eigentlich müsste sich Peter Schüler freuen. Denn der Vorsitzende des Bauvereins Neue Synagoge Potsdam in Brandenburg kann mit seinen Vorstandskollegen über mehr als 80 neue Mitgliedsanträge entscheiden - viel für einen Verein mit derzeit 125 Mitgliedern.

Dessen größtes Ziel ist der Bau der ersten Synagoge nach dem Zweiten Weltkrieg im Land - und dieses Ziel ist nun zum Greifen nah. In Kürze soll Baustart sein und Brandenburg könnte damit den Makel loswerden, das einzige Bundesland ohne jüdisches Gotteshaus zu sein.

Doch Peter Schüler freut sich nicht. Die meisten Antragsteller, die Mitglied in seinem Verein werden möchten, wollen nämlich vermutlich das große Ziel des Vorsitzenden und seiner Mitstreiter verhindern. Sie lehnen die geplante Synagoge im Herzen Potsdams nach einem Entwurf des Berliner Architekten Jost Haberland ab und wollen den Baubeginn im Sommer dieses Jahres abwenden. Zu dem Entwurf müsse sich bekennen, wer Mitglied im Bauverein werden wolle, sagt Schüler. Schließlich sei dieser auch ein Ergebnis der Arbeit des Vereins. Bei den Antragstellern befürchtet Schüler: "Es geht ihnen um Kritikpunkte, die mit dem Entwurf der Synagoge nicht vereinbar sind."

Der Streit um die Synagoge in Potsdam währt schon lange. Der Konflikt löste sogar die Gründung einer dritten jüdischen Gemeinde in Potsdam im vergangenen Jahr aus. Aus dem Zentralrat der Juden in Deutschland gab es vor Jahren harsche Kritik an den Plänen. "Zynisch" seien sie angesichts der schlechten finanziellen Lage der jüdischen Gemeinden in Brandenburg, hieß es damals.

Heute stehen Zentralrat der Juden wie auch die brandenburgische Landesregierung fest hinter dem Projekt. Eine gemeinsame Nutzung der künftigen Synagoge in Potsdam durch alle jüdischen Gemeinden scheint dennoch nach wie vor fast ausgeschlossen. Ud Joffe hält den derzeitigen Entwurf für stark verbesserungswürdig. Er ist Vorsitzender der im Jahr 2010 neu gegründeten Synagogen-Gemeinde Potsdam. Für ältere Leute sei beispielsweise der geplante Gebetsraum in der zweiten und dritten Etage schlecht erreichbar, kritisiert Joffe. Zudem sei der Raum zu klein. Der geplante Fahrstuhl könne streng gläubige Juden verunsichern, weil sie am Sabbat keine technischen Geräte benutzen dürften, so Joffe.

Der umstrittene Haberland-Entwurf ging 2009 aus einem Wettbewerb als Sieger hervor. Vorgesehen ist ein moderner, mehrgeschossiger Bau mit einer schlichten Fassade in sogenannten Glindower Ziegeln. Für Schüler vom Bauverein ist es ein Entwurf, "der zurückhaltend ist, sich aber nicht versteckt". "Etikettenschwindel" nennt Joffe dagegen die Pläne. Er sei zwar durchaus ein Freund moderner Architektur. "Dieses Gebäude ist aber bestenfalls ein erhabenes Verwaltungsgebäude und keinesfalls ein erhabener sakraler Bau", sagt er.

Diese Kritik teilt auch die Potsdamer Bürgerinitiative Mitteschön, die sich für ein wiederbelebtes altes Stadtzentrum einsetzt. Bei der Bürgerinitiative spricht man von einer "gesichtslosen Büroarchitektur". Die Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde Brandenburg lehnt den Bau aus einem anderen Grund ab. "Es ist die erste ,Synagoge' in der Geschichte Europas, die nicht den Juden gehört", teilt Geschäftsführer Schimon Nebrat mit. Er schreibt die geplante Synagoge in seinen Antworten beständig in Anführungszeichen. Für Nebrat handelt es sich um eine "landeseigene ,Synagoge'".

Tatsächlich schießt das Land die Baukosten von 5,4 Millionen Euro vor. Gebäude und Grundstück sollen in eine noch zu gründende Stiftung eingebracht werden. Diese erhebe dann ein "Nutzungsentgelt" und sichere so den Unterhalt, erklärt Peter Schüler vom Bauverein.

Eine Synagoge für alle Juden des Landes soll der Bau in Potsdams Mitte werden. Das beschwören der Bauverein, das Land und die Jüdische Gemeinde. Architekt Haberland erteilte Änderungswünschen von Kritikern derweil erneut eine Absage. Ud Joffe von der Synagogen-Gemeinde hofft hingegen weiterhin auf einen runden Tisch, an dem der Entwurf korrigiert werden könne. Dafür sei es noch immer nicht zu spät, meint Joffe.

"Dieses Gebäude ist keinesfalls ein erhabener sakraler Bau"

Ud Joffe, Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde