BBI-Nachtflugverbot

Bürgerinitiativen fordern Studie zur Auswirkung von Fluglärm

Im Zuge der Flugroutendiskussion wird der Ruf nach einem strengeren Nachtflugverbot am künftigen Hauptstadtflughafen BBI lauter. Nicht nur die Bürgerinitiativen gegen neue Flugrouten und die Fraktion der Grünen in Brandenburg und Berlin fordern ein Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr, auch Landtagsabgeordnete von SPD, Linker und FDP sind dafür.

Wenige Wochen vor der von den Grünen im Landtag beantragten Experten-Anhörung zum Nachtflugverbot drängen die Bürgerinitiativen in Teltow, Rangsdorf und Wannsee sowie Abgeordnete nun auf ein Gesundheitsmonitoring zu den Auswirkungen von Fluglärm. Vorbild ist die Studie "Risikofaktor nächtlicher Fluglärm" des Bremer Fluglärm-Mediziners Eberhard Greiser. Verlangt wird die "Durchführung einer epidemiologischen Fall-Kontroll-Studie, um eine fundierte Datenbasis zur Bewertung der gesundheitlichen Risiken und Kosten des Flugbetriebes herzustellen", heißt es einer gemeinsamen Pressemitteilung der Rangsdorfer BI Schallschutz (Biss) und "Teltow gegen Fluglärm".

Greiser, der seine Studie am Mittwochabend in Teltow vorstellte, hat am Flughafen Köln-Bonn die gesundheitlichen Auswirkungen von Fluglärm untersucht. Anhand von Krankenversicherungsdaten von mehr als einer Million Flughafen-Anwohnern und Fluglärmdaten versuchte er das Erkrankungsrisiko durch Fluglärm zu ermitteln. Und kam zu dem Schluss, dass ab 40 Dezibel Lärmbelastung das Herz-Kreislauf-Risiko linear ansteigt. Als "sinnvoll und qualifizierte Entscheidungshilfe" bezeichnete der umwelt- und gesundheitspolitische Sprecher der Landtagsfraktion der Grünen, Michael Jungclaus, am Mittwoch eine entsprechende Studie im Umfeld des künftigen BBI. Jungclaus wies wie Greiser daraufhin, dass mithilfe einer solchen Untersuchung der wirtschaftliche Nutzen des Flughafens den volkswirtschaftlichen Kosten durch fluglärmbedingte Gesundheitsschädigungen gegenübergestellt werden könne. Greiser hatte am Mittwoch vor steigenden Gesundheitskosten gewarnt. Für den BBI wagte er eine Prognose und sprach von 165 zusätzlichen Herz- und Kreislauferkrankungen durch den Fluglärm am BBI. Die daraus resultierenden zusätzlichen Gesundheitskosten bezifferte der Lärmmediziner mit 22 Millionen in fünf und 86 Millionen Euro in zehn Jahren.

Studie kostet 1,5 Millionen Euro

Ein erstes Gesundheitsmonitoring würde 1,5 Millionen Euro kosten. "Das sind Peanuts im Vergleich zu den Kosten des BBI", sagte Greiser, der auf der Anhörung im Brandenburger Landtag am 7. April für sein Gesundheitsmonitoring werben will. Der FDP-Abgeordnete Hans-Peter Götz forderte am Mittwochabend, die Abkehr vom BBI als Drehkreuz und internationalem Flughafen. "Ich will einen Regionalen Flughafen. Damit wird die Lärmbelastung reduziert." Götz, der in Teltow wohnt, steht mit seiner Forderung allein in seiner Fraktion. Gemeinsam mit dem SPD-Abgeordneten Christoph Schulze hat er einen Antrag der Grünen für ein Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr unterschrieben. Die Regierungsfraktion der Linken will mit der "Forderung eines vollumfänglichen Nachtflugverbots" in die Anhörung gehen, sagte deren Abgeordnete Kornelia Wehlan: "22 bis 6 Uhr ist unser Anspruch."