Immobilien

Wohnen auf der Industriebrache in bester Wasserlage

Das ehemalige Samsung-Grundstück an der Spree in Oberschöneweide macht einen Wandel durch. Im vergangenen Jahr hat eine luxemburgische Investmentgruppe das Areal gekauft. Sie will aus der Industriefläche ein sogenanntes Mischgebiet machen. Geplant sind Wohnungsbau und Hochschul-Nutzung. Wissenschaftliche Dienstleistungen und forschungsnahe Unternehmen sollen sich ansiedeln.

Es ist eines der traditionsreichsten Industrieareale in Berlin. Architekt Peter Behrens entwarf die große Fabrik an der Ostendstraße Ecke Wilhelminenhofstraße. Anfang des 20. Jahrhunderts ließ AEG-Gründer Emil Rathenau die ersten Automobile in den Hallen bauen. In der DDR produzierte das Werk für Fernsehelektronik mit bis zu 9000 Mitarbeitern Bildschirmröhren. Nach der Wende übernahm Samsung das Gelände. Ende 2005 kündigte das Unternehmen den mehr als 700 Beschäftigten. Der Betrieb in Oberschöneweide wurde eingestellt. Protestaktionen der Belegschaft und Rettungsversuche der Berliner Politiker scheiterten.

Jetzt wird das Gelände von der Comer Group Germany verwaltet und im Auftrag der Investoren entwickelt. "Wir sind erst in einem frühen Stadium", sagt Manager Alexander Haeder. Die Entwicklung sei langfristig angelegt. Das Grundstück ist 99 300 Quadratmeter groß. In den Gebäuden stehen etwa 240 000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Derzeit arbeiten etwa 35 mittelständische Unternehmen in den Gebäuden. Weitere Räume werden für eine Zwischennutzung vermietet. Die Mieteinnahmen sollen die laufenden Ausgaben für das große Gelände reduzieren. Bevor eine neue Firma einzieht, werden die betreffenden Räume instand gesetzt. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft wird ab April mit einem Fachbereich einziehen, der bislang in Karlshorst angesiedelt war. Er wird etwa 4000 Quadratmeter nutzen. Bis zu 800 Studenten sollen auf dem Samsung-Gelände ausgebildet werden - in unmittelbarer Nachbarschaft zum Campus in den Wilhelminenhöfen, der in den vergangenen Jahren entstanden ist.

Langfristig, sagt Manager Haeder, solle der Flächennutzungsplan für das Grundstück geändert werden, das noch als Industriefläche gilt. "Wir hoffen, dass das nicht so lange dauert." Wohnungsbau sei in erheblicher Größenordnung geplant, sagt Haeder. Aber nicht Stadt- oder Reihenhäuser, sondern mehrgeschossige Bauten. "Schöneweide hat Potenzial für so etwas", meint Haeder. Spielplätze seien geplant. Das Spreeufer vor dem Werksgelände soll frei zugänglich werden - zum ersten Mal. Die Comer Group beginne jetzt, mit den Verwaltungen zu reden. Gespräche werden mit den Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Umwelt geführt und mit dem Bezirksamt Treptow-Köpenick. Ein so genannter angebotsorientierter Bebauungsplan soll entwickelt werden.

Auch ein weiteres Industriegelände wird von der Comer Group entwickelt: das ehemalige Kabelwerk Köpenick an der Friedrichshagener Straße, ebenfalls an der Spree gelegen. Auch in diesem Fall ist Comer der Geschäftsbesorger, allerdings für eine andere Investorengruppe. Auf dem Gelände in Köpenick sollen überwiegend mehrgeschossige Wohnbauten entstehen, außerdem eine Anlage für Freizeit und Wassersport für jedermann.

"Wir sind erst in einem frühen Stadium der Entwicklung"

Alexander Haeder, Manager der Comer Group