Bürgerinitiative

Widerstand gegen neues Stadtquartier Brauhausberg

Ohne Schäferhund wäre Thomas Hintze vielleicht nie die Idee gekommen, eine Bürgerinitiative zu gründen. Den Unmut der Anwohner über die geplante Bebauung des Brauhausberges hat der Potsdamer eher zufällig beim Gassigehen mit seinem Hund aufgeschnappt. Erst da wurde dem 40-Jährigen bewusst, dass er mit seiner Kritik am Masterplan des Berliner Architekturbüros Krier & Kohl nicht allein steht.

Die Planer wollen Speicherstadt und Brauhausberg in das stadträumliche Gefüge integrieren. Ein urbanes Quartier, bestehend aus Wohnungen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Gewerbe, soll nach der Idee von Christoph Kohl und Rob Krier dort entstehen. Die knapp 40 Jahre alte Schwimmhalle und das zu DDR-Zeiten prominente, heute verfallene Terrassen-Restaurant Minsk sollen weichen. Vorstellungen, die auch die Mehrheit der Stadtverordneten teilt. In Kürze soll ein entsprechender Bebauungsplan aufgestellt werden. Geht es allerdings nach den Wünschen von Thomas Hintze und seinen Mitstreitern, könnte dieser erheblich vom Masterplan abweichen.

Mitte Januar hat Hintze die Initiative "Pro Brauhausberg" gegründet. Nur einen Monat später stehen dem Leiter einer Bankfiliale in Berlin-Kreuzberg bereits rund 100 Gleichgesinnte zur Seite. Das Echo hat den Familienvater und Anlieger selbst überrascht. Und ihm Mut gemacht. In einem Schreiben haben sie sich an alle Fraktionen der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung gewandt. Die Bürgerinitiative fordert Mitbestimmung. Sie plädiert für eine kleinteilige Bebauung. Statt der vorgesehenen Dreigeschosser mit Dachaufbau macht sie sich für Häuser mit maximal zwei Vollgeschossen stark. Historische Wege sollen wieder hergestellt, Sichtachsen erhalten bleiben. Parkanlagen könnten das Gelände aufwerten. "Der Brauhausberg muss wieder als zentraler Ort der Erholung nutzbar sein", sagt Hintze. Ginge es nach ihm, würde die Wohnbebauung eher auf den ehemaligen militärischen Liegenschaften in und um Potsdam vorangetrieben werden.

Schon vor 200 Jahren galt der Brauhausberg mit Blick auf die Havel Malern als schönster Aussichtspunkt in Potsdam. Selbst Alexander von Humboldt wusste den "Hügel" als Ziel seiner Spaziergänge zu schätzen und bezeichnete ihn nach dem Gipfel in Ecuador, den er 1802 bestieg, als "Potsdamer Chimborazo". Wer heute jedoch aus dem Hauptbahnhof tritt, blickt auf eine Brache. "Die teuerste Wiese Europas", wie Hintze bemerkt. Brunnen, Freitreppen, die nach der Wende von Bonnern gespendeten Rosenbeete und die vom Unternehmen Fielmann spendierten Bäume sind verschwunden. "Die wurden zusammen mit Millionen von Steuergeld 2005 für das letztlich nie realisierte Niemeyer-Spaßbad untergepflügt. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden", sagt Hintze.

Die Bilder des einstigen Belvedere auf dem Brauhausberg beispielsweise haben ihn nicht mehr losgelassen. 1803 als Aussichtsturm auf dem Berg gebaut, wurde es im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und 1958 abgerissen. "Es war ein imposantes, lokales Markenzeichen, das wieder aufgebaut werden sollte", formuliert er das langfristige Ziel der Bürgerinitiative. Eine Vision, die beim Potsdamer SPD-Fraktionschef Mike Schubert Beifall findet. Im Gegensatz zu der von der Bürgerinitiative präferierten Sanierung der Schwimmhalle, einer der letzten noch erhaltenen Spanndeckenbauten aus DDR-Zeiten. Das Herz sei ihm immer noch schwer, wenn er an den Abriss denke, sagt Schubert. Als direkter Anlieger würden er und seine Familie die Vorzüge einer Schwimmhalle vor der Nase schätzen. "Ich muss jedoch das ganze Wachsen Potsdams im Blick behalten und nicht nur die Belange eines Stadtteils", begründet er sein Ja zum Abriss und zum Bau einer neuen Schwimmhalle im Bornstedter Feld. "Nachbesserungen" des Masterplanes steht er offen gegenüber. "Über eine sinnvolle Bebauung mit größeren Freiflächen, notfalls auch anderen Geschosshöhen kann man diskutieren."