Kriminalität

Zigaretten-Schmuggler verurteilt

Auf den ersten Blick haben Sie fast alle ganz ehrbare Berufe: Hotelfacharbeiter, Blumenverkäufer, Tankstellenchef, Disponent bei den Johannitern. Doch das dabei ehrlich verdiente Geld reichte den fünf Männern und drei Frauen offenbar nicht.

Und so stiegen sie spätestens 2006 in das lukrative Geschäft mit geschmuggelten Zigaretten ein. In unterschiedlicher Beteiligung waren sie Mitglieder einer gut organisierten und gewerbsmäßig agierenden deutsch-polnischen Bande, die mit den unversteuerten Zigaretten in Massen handelte. Die Ermittler in beiden Ländern kamen den umtriebigen Schmugglern allerdings bald auf die Schliche - sei es durch Aufgriffe aufmerksamer Zöllner oder Bundespolizisten, die im Grenzhinterland stichprobenartige Kontrollen machten oder durch umfangreiche Telefonüberwachungen. Im Frühjahr 2010 war für die acht Bandenmitglieder Schluss, sie landeten zunächst in Untersuchungshaft und anschließend auf der Anklagebank des Frankfurter Landgerichts: Der polnische Auftrageber, der von der Grenzstadt Slubice aus die Fäden gezogen hat, drei Köpfe der deutschen Verteilerorganisation aus dem Raum Brandenburg/Havel sowie deren vier Helfershelfer.

Insgesamt verursachten die drei Frauen und fünf Männer im Alter zwischen 22 und 41 Jahren laut Staatsanwaltschaft einen Steuerschaden von mehr als drei Millionen Euro. Dafür wurden sie gestern zu Freiheitsstrafen zwischen viereinhalb Jahren sowie einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs betonte in der Urteilsbegründung, dass die acht Ex-Schmuggler auf der Anklagebank "außerordentlich milde" bestraft worden seien. Die teilweise einschlägig vorbestraften Bandenmitglieder kamen vergleichsweise glimpflich davon, weil sie in dem Verfahren vor dem Frankfurter Landgericht allesamt umfassende Geständnisse abgelegt hatten und damit die Beweisaufnahme wesentlich verkürzten. "Die Bande, zu deren hartem Kern bis zu 20 Personen unterschiedlichster Nationalitäten gehörten, ist jetzt im Wesentlichen zerschlagen", sagte Anklagevertreter Martin Kramberg, dessen Angaben nach weitere Ermittlungs- und Strafverfahren in Vorbereitung sind und zusätzliche Haftbefehle laufen. "Auch unsere polnischen Kollegen waren nicht untätig", deutete der Staatsanwalt an. Im Nachbarland, speziell in Slubice, saß demnach die "Direktion" genannte Führung der Bande, die die Lieferung der unversteuerten Zigaretten aus Osteuropa ebenso organisierte wie den Weitertransport der heißen Ware über die polnisch-deutsche Grenze. Bevorzugt wurde die Billig- Marke "Jin Lin" aus Kaliningrad. Sie ähnelt mit ihrer gelben Verpackung einer herkömmlichen - allerdings prangt statt eines Kamels ein Ziegenbock auf dem Etikett. Nach Informationen des Zolls ist sie bereits seit Jahren der Renner bei Schmugglern. Auf der deutschen Seite gab es laut Kramberg unterschiedliche Verteilerkreise. So hatte die hauptangeklagte Vietnamesin, einen Stamm von eigenen Landsleuten als Abnehmer der Glimmstängel. Als sogenannte Ameisenhändler verkauften sie die Schmuggelzigaretten in Brandenburg und Berlin direkt auf der Straße an Kunden. Die vierfache Mutter soll mit ihren Mitspielern nicht gerade zimperlich umgegangen sein, wenn es um die kriminelle Sicherung ihres Lebensunterhaltes gegangen war. Sie teilte demnach wie ein Disponent Leute für unterschiedliche Aufgaben ein, begleitete neue Kurierfahrer, bestellte Nachschub per SMS und setzte ihre "Untergebenen" gekonnt unter Druck, damit sie spurten. Auf den ersten Blick erscheint der Handel mit der Schmuggel-Rauchware nicht unbedingt als einträglich - pro Stange lag der Verdienst laut Kramberg nur bei zwei, drei Euro. "Erst die Masse macht es lukrativ, die Höhe der umgeschlagenen Mengen", erklärte er. Nicht selten waren bis zu 2000 Stangen Zigaretten auf einmal geliefert worden. Häufig wurde die illegale Fracht nach dem Überqueren der Oder zunächst auf einem Parkplatz in Frankfurt abgestellt und dann von einem neuen Fahrer übernommen. "Falls der auffliegt, hätte er über Hintermänner und Strukturen nicht viel verraten können", erklärte der Staatsanwalt. In einer anderen Variante wurde das Schmuggelfahrzeug von einem vorausfahrenden Späher begleitet, der vor eventuellen Kontrollen von Zoll oder Polizei hätte warnen können.

Die Schmuggelzigaretten lagen oftmals im Kofferraum der Autos, wahlweise auch in doppelten Böden oder unter sogenannten Tarnladungen. "Auffallend ist, dass es in diesem Metier inzwischen offenbar Leute gibt, die alles über Oder und Neiße verschieben - Zigaretten und Menschen gen Westen, geklaute Autos in die umgekehrte Richtung", so die neuesten Erkenntnisse des Spezialisten für grenzüberschreitende, organisierte Kriminalität.

"Die Bande ist jetzt im Wesentlichen zerschlagen"

Martin Kramberg, Anklagevertreter