Verschwinden bleibt mysteriös

Schatzmeister der Grünen in Bulgarien vermutet

Der auf mysteriöse Weise verschwundene Landesschatzmeister der Brandenburger Grünen, Christian Goetjes (33), soll sich Gerüchten zufolge in Bulgarien aufhalten und dort eine bulgarische Freundin haben. Parteifreunde äußerten sich am Sonnabend skeptisch zu diesem Verdacht, da Goejtes keine bulgarische, sondern eine rumänische Freundin gehabt haben soll.

Zum Privatleben ihres Schatzmeisters wollte sich der Landesvorsitzende der Grünen, Benjamin Raschke, am Sonnabend nicht äußern. Er sagte nur, dass Goetjes einen Freundeskreis in Rumänien und Bulgarien gehabt haben soll.

"Wir machen uns total Sorgen um Goetjes", sagte Raschke. "Wir haben nichts mehr von ihm gehört oder gesehen. Wir sind alles durchgegangen, um aufzuklären, warum er sich nicht mehr meldet. Mit dem Herzen sind wir bei den Eltern." Diese hatten nach dem Verschwinden ihres Sohnes eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Das Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg übernahm inzwischen die Suche nach dem verschwundenen Ex-Schatzmeister der märkischen Grünen. Nachdem die Beamten in Eberswalde bereits wegen des Verdachts der Geldwäsche ermitteln, werden sie auch das Verfahren zur Untreue übernehmen, so das LKA.

Dubiose Überweisungen festgestellt

Der 33-jährige Goetjes ist seit 1998 Mitglied im Kreisverband der Grünen in Oberhavel und seit 2000 Schatzmeister des Landesverbandes. Auffälligkeiten habe es nie gegeben, heißt es in der Partei. Goetjes hatte am Montag schriftlich seinen Rücktritt vom Amt des Kassierers mitgeteilt und ist seitdem verschwunden. Bei einer Prüfung am Dienstag stellten die Grünen fest, dass an den Tagen zuvor 40 000 Euro vom Konto des Landesverbandes abgehoben worden waren. Sie erstatteten Strafanzeige gegen unbekannt. Am Donnerstag wurden zudem Geldwäsche-Vorwürfe gegen Goetjes bekannt. Im Kreisverband der Grünen in Oberhavel, wo Goetjes ebenfalls Schatzmeister war, wurden überdies unklare Buchungen in Höhe von 1200 Euro festgestellt. Hintergrund der Geldwäscheermittlungen sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Eberswalde dubiose Überweisungen Goetjes auf Konten in Bulgarien sein.

Die Grünen haben derweil klargemacht, dass mit dem Abheben der 40 000 Euro gegen geltende Regeln des Landesvorstandes verstoßen wurde. Danach brauche derjenige, der Geld bar vom Konto des Landesverbandes abhebt, die Erlaubnis des Vorstandes. Der Hausbank des Landesverbandes macht die Partei keinen Vorwurf.

Auf einer Sondersitzung am kommenden Montag in Potsdam will der Landesvorstand einen kommissarischen Schatzmeister wählen. Bis jetzt gebe es noch keine Kandidatur, sagte Raschke. Doch sei der Personenkreis der Kandidaten beschränkt, weil nur die neun Mitglieder des Landesvorstandes kandidieren können. Außerdem soll am Montag eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden, in der die Rechnungsprüfer des Landesverbandes der Grünen, der Bundesschatzmeister der Grünen und ein externer Wirtschaftsprüfer vertreten sein sollen. Diese Kommission wird die Kassenführung des Landesverbandes für das vergangene Jahr und die beiden ersten Monate dieses Jahres vornehmen.