Vereidigung

"Das Kabinett ist deutlich weiblicher"

Vier Wochen nach dem Rücktritt von Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) wegen einer Dienstwagenaffäre ist das rot-rote Landeskabinett wieder komplett: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ernannte die bisherige Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) zur Bildungsministerin - und die Präsidentin der Universität Potsdam, Sabine Kunst (parteilos) zur Kultur- und Wissenschaftsministerin.

"Das Kabinett ist nun deutlich weiblicher geworden", sagte Platzeck. Dennoch sind die Männer immer noch in der Überzahl: Von den neun Ministern sind sechs Männer. Auf den beiden neuen Ministerinnen laste eine hohe Verantwortung, so der Regierungschef. Bildung wie Wissenschaft hätten Priorität in der Landesregierung.

Beide Ministerinnen stehen tatsächlich vor schweren Aufgaben. Denn auch in ihren bislang von Einschnitten weitgehend verschonten Bereichen muss künftig gespart werden. Sabine Kunst muss nun die Sparpläne im Hochschulbereich vertreten, für den sie als Präsidentin der Potsdamer Universität jahrelang vehement gekämpft hatte. Und in der kleinteiligen Kultureinrichtungs-Landschaft wird es ebenfalls empfindliche Kürzungen geben müssen. Die Neue in der Politik gibt sich aber kämpferisch: "Es geht darum, die Sachzwänge zu prüfen, sie zu bewerten und das Beste für alle beteiligten Bereiche herauszuholen", so die 56-Jährige. "Es darf dabei keine Denkverbote geben." Die in Wesselburen (Schleswig-Holstein) geborene Wissenschaftlerin gilt als Macherin. Die Präsidentin der Universität Potsdam war 2010 Hochschulmanagerin des Jahres.

Ihre Vorgängerin Martina Münch, eine gebürtige Heidelbergerin, erwartet als Bildungsministerin eine große Unzufriedenheit an den Schulen: Brandenburg hat es immer noch nicht geschafft, gute Plätze in Bildungsvergleichen zu ergattern. Die Lehrer wollen Anfang März für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gehen - und die Privatschulen kämpfen vehement gegen die geplanten Kürzungen und Auflagen.

Die 49 Jahre alte Ärztin und Landtagsabgeordnete lebt seit 1995 mit ihrer Familie in Cottbus. Sie kennt den Schulbetrieb in Brandenburg seit Jahren als Mutter. Fünf ihrer sieben Kinder gehen momentan zur Schule. "Die finden das richtig gut, dass ich jetzt Bildungsministerin bin", sagte Münch am Rande der Vereidigung durch Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD). Als bekannt wurde, dass sie das Ressort übernehmen werde, sei die 16-jährige Tochter in ihrer Klasse mit Applaus empfangen worden. Für die neue Bildungs-, Jugend- und Sportministerin ist das "ein überzeugender Ansporn".