Flugrouten

"Ein Schritt in die richtige Richtung"

Die im vorigen September von der Deutschen Flugsicherung (DFS) vorgeschlagenen Flugrouten beim Großflughafen BBI sind definitiv vom Tisch. Die DFS fordert nun eine baldige Entscheidung über ihren neuen Flugrouten-Vorschlag für den neuen Hauptstadt-Airport BBI in Schönefeld.

"Die Fluglärmkommission wird gebeten, sich intern abzustimmen und der DFS zeitnah eine abgestimmte Meinung zu den Abflugvarianten zukommen zu lassen", heißt es in einer Präsentation, die am Dienstag ins Internet gestellt wurde. Tags zuvor hatte die Flugsicherung der Kommission eine Variante unterbreitet, nach der die Jets von der künftigen BBI-Nordbahn in Schönefeld geradeaus starten und allenfalls leicht in Richtung Berlin abdrehen. Der Berliner Südwesten wäre dann bei Starts nicht betroffen.

Noch hat die Flugsicherung keine Routen ausgeschlossen, dieser Vorschlag stieß am Montag aber auf besondere Aufmerksamkeit. Für die Südbahn sieht er vor, dass Maschinen nach dem Start nach Westen um 15 Grad abknicken. Damit sollen unabhängige Parallelstarts von beiden Flughafen-Pisten ermöglicht werden, die die Betreiber in Spitzenzeiten für notwendig halten. Für Starts in Richtung Osten bringt die DFS eine scharfe Südkurve ins Gespräch, um Zeuthen von Fluglärm freizuhalten. Das Unternehmen zeigt sich weiter offen für neue Routenvorschläge. Bei der nächsten Sitzung am 14. März wird die Fluglärmkommission erstmals auch über die Routen für Landungen auf dem Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) sprechen.

Der neue Vorschlag stieß bei den Landesregierungen in Berlin und Brandenburg auf Zustimmung. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte der Berliner Senatssprecher Richard Meng am Dienstag. Auf der Basis der jetzt vorliegenden Variante müsse zügig Klarheit geschaffen werden, forderte Meng. "Natürlich sind noch zahlreiche Details zu klären, doch die Zeit der Unsicherheit für die Bürger muss endlich beendet werden."

Kritik an Angela Merkel

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sieht im jüngsten Vorstoß der DFS einen Fortschritt. "Wir sind ein Stück weiter", sagte er am Dienstag in Potsdam. Mit Blick auf die von Fluglärm betroffenen Menschen bemerkte der Regierungschef: "Ich bin weiter optimistisch, dass hier noch zusätzliche Reduzierungen möglich sind." Für die im September vorgestellten Flugrouten-Pläne sei allein die DFS verantwortlich. Sie hatten in der Region eine Welle der Empörung ausgelöst, weil plötzlich weit mehr Menschen von Fluglärm betroffen sein sollten als ursprünglich gedacht. "Ich hätte mir auch gewünscht, dass wir uns manchen Ärger ersparen, und es wäre denkbar gewesen", meinte Platzeck. Er wunderte sich in diesem Zusammenhang über eine am Wochenende von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gemachte Äußerung, wonach die Flugsicherung die Verantwortung habe, eine vernünftige Lösung zu finden. Schließlich handele es sich um eine Organisation, für die Merkel selbst zuständig sei, sagte der SPD-Politiker. Die Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Kerstin Kaiser, sprach von einem Verwirrspiel. Bundesorganisationen hätten sich bei den Flugrouten offensichtlich nicht abgestimmt und vorausschauend gehandelt. Die CDU-Fraktionsvorsitzende im Potsdamer Landtag, Saskia Ludwig, verteidigte hingegen die Kanzlerin und kritisierte Platzecks Position. Sie forderte den Regierungschef auf, endlich die künftige Rolle des künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) klar zu benennen und fragte, ob dieser ein internationales Luftdrehkreuz oder ein Regionalflughafen werden solle.

Die Bündnisgrünen im Brandenburger Landtag warnten davor, dass "jetzt die Altbetroffenen gegen die Neubetroffenen ausgespielt werden". Allerdings begrüßte es deren Verkehrs- und Umweltexperte Michael Jungclaus, dass die Flugsicherung Alternativen zu ihrer ursprünglichen, umstrittenen Planung vorlegt. FDP-Fraktionschef Andreas Büttner sagte: "Ich freue mich, dass wir einer Lösung näher gekommen sind." Es handele sich durchaus um vernünftige Vorschläge. Allerdings zeigt sich auch Büttner noch skeptisch: "Warten wir erst einmal ab, was am 14. März bei der nächsten Sitzung der Lärmschutzkommission vorgestellt wird."

Bei vielen Bürgerinitiativen herrscht trotz der Nachricht, dass die im September vorgeschlagenen Flugrouten nicht Realität werden, skeptische Stimmung. Denn nach der favorisierten Variante werden nun Wohngebiete in Rangsdorf und Wildau belastet. "Um unseren Ort zieht sich die Schlinge damit zu", sagte der Vorsitzende der Bürgerinitiative BISS Rangsdorf, Robert Nicolai, am Dienstag. Nach den jetzt favorisierten Plänen werde für die mehr als 10 000 Rangsdorfer alles noch viel schlimmer. "Egal aus welcher Richtung der Wind weht, wir sollen nach diesen Plänen nun aus beiden Richtungen Fluglärm abbekommen", so Nicolai. Die Initiative will ihren Protest nun noch intensivieren. Bei den Berliner Bürgerinitiativen in Wannsee und Lichtenrade stößt der Vorschlag dagegen auf Zuspruch: "Es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung", sagte Marela Bone-Winkel von der BI "Keine Flugrouten über Berlin".

Vertrauensschutz für alle

Simon Lietzmann von der BI Lichtenrade plagen ganz grundsätzliche Bedenken. "Der Vorschlag ist ein guter Ansatz, aber der Vertrauensschutz muss natürlich für alle gelten", sagte er. Der Protest werde auf jeden Fall weitergehen - bis eine endgültige Entscheidung vorliegt. Auch die Bürgerinitiative "Keine Flugrouten über Berlin" bleibt skeptisch. " Die Route nach Norden wird weiterhin über die Wannseebrücke geführt und tangiert sowohl diesen Berliner Ortsteil als auch Potsdam", sagte Marela Bone-Winkel. "Der Vorschlag geht in die richtige Richtung, aber wir sind noch nicht am Ziel unserer Wünsche." Achim Haid-Loh von der Bürgerinitiative "Weltkulturerbe Potsdam" hielt denn auch "Euphorie für verfrüht".

Selbst aus Kleinmachnow, das nach dieser Variante ebenfalls entlastet würde, kommt kein Jubel über die neue Strecke: "Wenn wir zulassen, dass Rangsdorf überflogen wird, haben wir mehr als nur ein moralisches Problem", sagte der Kleinmachnower BI-Sprecher Matthias Schubert. Sobald man erst einmal akzeptiere, dass von den im Planfeststellungsbeschluss festgelegten Routen abgewichen werden dürfe, öffne man Tür und Tor für spätere Nachjustierungen: "Wir bleiben dabei: Abgeflogen werden darf nur geradeaus - wie im Planfeststellungsbeschluss beantragt."