Verkehrsunfälle

Minister Woidke will Tempo 70 in Alleen durchsetzen

Auf Brandenburgs Straßen sind im vergangenen Jahr erstmals weniger als 200 Menschen ums Leben gekommen. 192 Menschen starben 2010 bei Verkehrsunfällen.

Das sind mehr als die Hälfte weniger Opfer als noch vor zehn Jahren (425 Tote) - und das trotz des schweren Reisebusunfalls im September 2010 mit 14 Toten. Damit hat Brandenburg ein Ziel der EU-Staaten aus dem Jahr 2000 erreicht, sagte Innenminister Dietmar Woidke (SPD) am Montag in Potsdam. Zufrieden zeigte er sich dennoch nicht. "Es besteht ein relativ hohes Risiko, auf Brandenburgs Straßen tödlich zu verunglücken", sagte er. Mit Tempolimits und Kontrollen will Woidke die Risiken weiter senken. Laut Statistik landet Brandenburg beim Thema Verkehrstote hinter Mecklenburg-Vorpommern auf Platz zwei - obwohl es generell zu den Ländern mit den sichersten Straßen gehört.

Woidke und Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) führen dies vor allem auf die zahlreichen Alleen in der Region zurück. "Es ist kein Zufall, dass die an Alleen reichen Bundesländer die traurige Statistik anführen", sagte Woidke. Bei sogenannten Baumunfällen seien 74 Menschen gestorben und 1141 verletzt worden - dabei machten sie nur etwa drei Prozent aller Unfälle aus. Sein Kollege Vogelsänger, derzeit Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz der Länder, will darum bundesweit ein Tempolimit durchsetzen: Tempo 70 bei engen Alleen.

Auch auf den Autobahnen setzt Woidke auf eine Ausweitung von Tempolimits: Überall dort, wo es Unfallschwerpunkte gibt, will er eine Begrenzung auf 130 Stundenkilometer. Auf der A 24 (Berlin-Hamburg) habe sich die Situation dadurch deutlich verbessert. Sinn machten Limits aber nur mit entsprechenden Verkehrskontrollen. Diese wollen Woidke und Vogelsänger auch in Sachen Güterlastverkehr erhöhen, denn sie sehen eine "besorgniserregende Entwicklung". 2010 gab es etwa ein Viertel mehr Unfälle mit Lastwagen, in 75 Prozent der Fälle waren die Fahrer schuld. Darüber hinaus fiel die Branche negativ bei den Kontrollen auf: Lenkzeiten überschritten, Transportgut falsch gesichert, zu hohe Geschwindigkeit, technische Mängel - bei rund 52 470 Kontrollen wurden 41 520 Verstöße festgestellt. Dabei handele es sich um das Resultat eines "ungesunden Wettbewerbsdrucks", wie Woidke sagte.

Da laut Prognosen der Güterverkehr auf den Autobahnen bis 2025 um das Dreifache zunimmt, sieht der Minister dort den Schwerpunkt seiner Arbeit. "Wir müssen bei der aktuellen Polizeireform diesen Bereich personell und technisch so ausstatten, dass wir den Anforderungen gewachsen sind", betonte Woidke.