Urteil im Rathenow-Prozess

Lebenslange Haft für Mord an Eltern

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Nach dem Elternmord in Rathenow (Havelland) hat das Landgericht Potsdam den Sohn am Donnerstag zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter befanden den 28-Jährigen des zweifachen Mordes für schuldig.

Der frühere Jura-Student hat laut Urteil im Juni 2010 seinen Vater (67) erstochen und danach seine Mutter (60) erschlagen. Später zerstückelte er ihre Leichen und versteckte sie auf dem Grundstück. Die Überreste des Vaters versuchte er zu verbrennen. Die grausige Tat wurde erst einen Monat später entdeckt. Der Mann hatte unmittelbar nach der Festnahme im Juli 2010 die Taten gestanden und im Prozess detaillierte Angaben gemacht.

Motiv für die Morde waren heftige Vorhaltungen der Eltern zu seiner beruflichen Ausbildung. Der Angeklagte habe dies offenbar nicht mehr ertragen, sagte Richter Frank Tiemann am Donnerstag bei der Urteilsbegründung. Das Gericht folgte mit seinem Urteil im Wesentlichen dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft. In ihrer Anklage war diese noch von einem Totschlag im Fall des Vaters und von einem Mord der Mutter ausgegangen. Im Prozess und nach einem rechtlichen Hinweis des Gerichts veränderte sich ihre Bewertung zulasten des 28-Jährigen. Für das Gericht gab es keinen Zweifel: Es war Mord. Der Angeklagte habe die Arg- und Wehrlosigkeit der Opfer ausgenutzt. "Das kann gar nicht ernsthaft zweifelhaft sein", so Tiemann. "Wenn jemand arglos war, dann der Vater."

Gleichwohl ging das Gericht in diesem Fall von einer Tat im Affekt aus. Dadurch ist - auch bei einem Mord - eine niedrigere Strafe als lebenslange Haft möglich. Das Gericht entschied sich für eine Einzelstrafe von zehn Jahren. Im Fall der Mutter gab es jedoch keinerlei Gründe für eine Strafmilderung. Darum verurteilte das Gericht den 28-Jährigen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Die Verteidigung hatte eine Gesamtfreiheitsstrafe von neun Jahren gefordert. Sie war in beiden Fällen von einem Totschlag im minderschweren Fall ausgegangen.

( dpa )